Mini-Roboter im Mund: Wie Schweizer Forschende die Zahnbehandlung revolutionieren wollen
Sie nennen ihn MIR: Miniature Intraoral Robot. Der Dentalroboter, entwickelt von Forschenden der Universitäten Basel, Zürich und weiteren Partnern, ist kaum grösser als ein Weinkorken. 43 mal 26 mal 28 Millimeter gross, passt er problemlos in den Mund. Die klobige Technik – Motoren und Steuerung – bleibt draussen und ist über flexible Wellen und Schläuche verbunden.
Die Vision hinter der Entwicklung: Bereits beim ersten Termin wird das Gebiss der Patienten digital gescannt. Auf dieser Basis planen Zahnärzte die exakte Form einer Krone, die sofort produziert werden kann. Beim Eingriff übernimmt der Roboter das Fräsen. Er ist dabei auf einer individuell angepassten Zahnschiene fixiert. «Selbst wenn der Patient den Kopf drehen sollte, bewegt sich der Roboter mit», erklärt Yukiko Tomooka, die auf einem kürzlich veröffentlichten Paper zu dieser Entwicklung als Erstautorin auftritt.
In ersten Tests an Kunstharzmodellen und harter Keramik hat der mechanische Helfer erstaunliches Geschick bewiesen. In zwei Schritten – erst grob von oben, dann feingliedrig an den Seiten – fräst sich die Maschine durch das Material. Bemerkenswert: Obwohl der Prototyp bislang völlig ohne Sensoren auskommt, arbeitet er mit einer Abweichung von unter 0,2 Millimetern bereits sehr präzise. Auch die Krafteinwirkung bleibt mit unter fünf Newton – was dem Druck einer kleinen Wasserflasche entspricht – im verträglichen Rahmen.
Der Weg in die Praxis
Bis der Roboter allerdings das erste Mal echten Zahnschmelz bearbeitet, braucht es noch Geduld. Als Nächstes soll «MIR» mit Sensoren und einer Kamera aufgerüstet werden. «Selbst nach einem Stromunterbruch wüsste der Roboter dank der Sensordaten sofort, wo er weitermachen muss», sagt Forschungsgruppenleiter Georg Rauter. Das Ziel ist, dass das Gerät trotz dieser Aufrüstung kompakt bleibt.
Das Projekt, unterstützt von der Förderagentur Innosuisse, vereint die Universitäten Basel, Zürich und Bern sowie den Industriepartner Camlog Biotechnologies. Wann genau der Roboter-Korken marktreif ist, bleibt offen. (schweizheute.ch)
