Praktikanten stellten ADHS-Diagnosen an Basler Klinik
Die «NZZ am Sonntag» hatte unter Berufung auf ehemalige Praktikanten berichtet, dass diese Patientinnen und Patienten teils praktisch im Alleingang auf ADHS abgeklärt und Diagnosevorschläge erstellt hätten. Eine leitende Psychologin habe die Diagnosen anschliessend verantwortet, obwohl sie die Patienten nicht persönlich gesehen habe.
Psychologiepraktikantinnen und -praktikanten würden im Rahmen ihrer Ausbildung in standardisierte diagnostische Erhebungsschritte einbezogen, schreiben die UPK am Sonntag dazu. Entscheidend für dessen Qualität seien die fachliche Supervision, die diagnostische Gesamtbeurteilung und die Verantwortung qualifizierter Fachpersonen.
«Die UPK überprüfen derzeit sorgfältig die konkrete Ausgestaltung der damaligen Abläufe und insbesondere der fachlichen Supervision», heisst es in der Mitteilung weiter. Die UPK würden die Ergebnisse der Abklärungen sorgfältig auswerten und transparent über allfällige weitere Schritte informieren.
Auch die in der «NZZ»-Berichterstattung aufgeworfenen Fragen zur Abrechnung wollen die UPK dabei abklären. Laut der «NZZ am Sonntag» hält der Krankenversichererverband Prioswiss eine Abrechnung über die Grundversicherung für unzulässig, wenn Praktikanten die Leistungen erbracht haben.
Verbesserungen eingeleitet
Bereits vor der aktuellen Berichterstattung hätten die UPK Verbesserungen in diesem Bereich eingeleitet, heisst es von Seiten der UPK weiter. Die fachliche Begleitung der Praktikantinnen und Praktikanten sei intensiviert worden, und die Fallbesprechungen würden heute durch die neue psychologische Co-Leitung durchgeführt. Zudem sei ein weiterer Ausbau der fachpsychologischen und ärztlichen Ressourcen vorgesehen.
Eine ADHS-Diagnose hat für die Betroffenen oft weitreichende Folgen. Sie kann zum Anspruch auf Nachteilsausgleich in der Ausbildung oder im Studium führen. Und oft zur jahrelangen Einnahme von Medikamenten. Zwischen 2020 und 2024 hat sich in der Schweiz die Verschreibung von ADHS-Medikamenten fast verdoppelt. ADHS-Medikamente verschreiben aber Ärzte und nicht Psychologen. (sda)
