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Trotz Sex-Vorwürfen: Schweizer Star-Dirigent bekommt neuen Job – Opfer ist schockiert



Der Schweizer Dirigent Charles Dutoit ist nach Vorwürfen sexueller Übergriffe für ein Konzert des Nationalorchesters von Frankreich angestellt worden. Anfang 2018 war er nach Anschuldigungen als Chefdirigent des Royal Philharmonic Orchestra in London zurückgetreten.

Das Orchester in Paris teilte der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch mit, Dutoit sei ausgewählt worden, ein Werk des französischen Romantikers Louis-Hector Berlioz am Sonntag in der Philharmonie von Paris zu dirigieren, weil der 82-Jährige der einzige Dirigent mit den nötigen Fähigkeiten sei, der kurzfristig verfügbar gewesen sei. Es handelt sich um das prestigeträchtigste Engagement des gebürtigen Lausanners seit Bekanntwerden der Vorwürfe gegen ihn.

FILE - In this Oct. 19, 2011 file photo, chief conductor Charles Dutoit rehearses with the Philadelphia Orchestra in Philadelphia.   Dutoit, who has faced multiple accusations of sexual assault, will conduct a concert by the National Orchestra of France on Sunday, Feb. 4, 2019. It will be his highest profile performance since the allegations were first revealed. (AP Photo/Alex Brandon, File)

Charles Dutoit Bild: AP/AP

Das Orchester äusserte sich nicht zu den Vorwürfen. Die Entscheidung, Dutoit den Job zu geben, sei mit den am Sonntag auftretenden Musikern besprochen worden. Die Philharmonie sagte, es sei das Orchester gewesen, das Dutoit angestellt habe.

2017 wurde durch die AP bekannt, dass drei Opernsängerinnen und eine klassische Musikerin Dutoit sexuelle Übergriffe vorgeworfen hätten, die sich zwischen 1985 und 2010 ereignet haben sollen. 2018 wurden sechs neue Vorwürfe erhoben. Eine Musikerin sagte, der Dirigent habe sie 1988 vergewaltigt. Keine der Frauen erstattete offizielle Anzeige kurz nach den angeblichen Übergriffen, weil sie eigenen Angaben zufolge jung waren und Angst um ihre Karrieren hatten.

Dutoit bestreitet Vorwürfe

Charles Dutoit streitet die Vorwürfe gegen ihn kategorisch ab. Sie seien «so schockierend für mich wie sie es für meine Freunde und Kollegen sind», sagte Dutoit. Er trat nach den Vorwürfen als künstlerischer Direktor und Hauptdirigent des Royal Philharmonic Orchestra in London zurück. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe kündigten Orchester in den USA, Kanada und Australien die Zusammenarbeit auf. Dutoit fängt voraussichtlich im Mai einen Job in St. Petersburg an.

This undated photo provided by Peter Knapp shows Anne-Sophie Schmidt in Paris. Schmidt was 31 in May 1995 when she said Dutoit began singling her out for attention. She was singing the principal female role in Debussy's “Pelleas and Melisande” with Dutoit conducting the Orchestre National de France in Paris. On the day of a dress rehearsal at the Theatre des Champs-Elysees, she said, she found herself in an empty hallway with the conductor.

Anne-Sophie Schmidt Bild: AP/Peter Knapp via Anne-Sophie Schmidt

Eine der Frauen, die Dutoit beschuldigt, sagte, sie sei über die Entscheidung des Orchesters schockiert. Das schicke eine «mächtige und katastrophale Botschaft» an Opfer sexueller Übergriffe, argumentierte die pensionierte französische Sopranistin Anne-Sophie Schmidt.

Als Dirigent feierte der Lausanner weltweit grosse Erfolge, unter anderem in den Nationalorchestern von Mexiko und Schweden. Der mehrsprachige Dirigent, der in vierter Ehe mit einer kanadischen Musikerin verheiratet ist, gilt als Kosmopolit und hat mehrere Wohnsitze. (sda/ap)

Orchester improvisiert ein Konzert am Genfer Flughafen:

Video: srf

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Pümpernüssler
31.01.2019 07:49registriert July 2018
Unschuldsvermutung bis zur Verurteilung gilt für Männer wohl nicht...
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Ökonometriker
31.01.2019 09:12registriert January 2017
Zeit, den Hexenhammer wieder einmal zu lesen.
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messanger
31.01.2019 10:44registriert August 2014
@Watson: das sind keine "Sex-Vorwürfe" sondern "Missbrauchs-Vorwürfe".
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17

Kommentar

Die Konzernverantwortungs-Initiative aus einem afrikanischen Blickwinkel

Als gebürtiger Südsudanese beobachte ich die Debatte in der Schweiz um die Konzernverantwortungs-Initiative (KVI) mit Befremden. Beinahe alle Nichtregierungsorganisationen (NGO), die auch in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, engagieren sich für diese Initiative in der Hoffnung, dass es künftig weniger Menschenrechtsverletzungen gibt, die von Schweizer Firmen in Entwicklungsländern verursacht werden.

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