Schweiz
Interview

Dank Snowfarming kann das Diavolezza-Skigebiet schon im Oktober öffnen

Diavolezza Abdecken Sass Queder
So wird das Snowfarming auf fast 3000 Metern über Meer im Frühling vorbereitet, damit im Oktober wieder gefahren werden kann.Bild: Romano Salis
Interview

«Mit dieser Methode können rund 60 bis 80 Prozent des gelagerten Schnees konserviert werden»

Auf der Diavolezza kann man ab dem 24. Oktober wieder Ski fahren. So früh öffnen in der Schweiz nur wenige Skigebiete, die nicht auf einem Gletscher liegen. Wie das alles funktioniert und warum der Saisonstart in diesem Jahr verschoben werden musste.
22.10.2026, 15:3422.10.2026, 17:46

Die Diavolezza ist traditionell eines der ersten Schweizer Skigebiet (ohne Gletscher-Skigebiete), das in die Saison startet. Normalerweise ist dies zwischen Mitte und Ende Oktober der Fall. In diesem Jahr musste der geplante Saisonstart vom 17. auf den 24. Oktober verschoben werden.

Wir haben – noch vor dem Schneefall am Mittwoch – Nicolà Michael, Leiter Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung der Diavolezza Lagalb AG, gefragt, was die Gründe sind, wie die Pisten so früh in der Saison schon befahrbar sind und wer da überhaupt schon skifahren kommt.

Blick auf die Piste und den Schweizer Skirennfahrer Marco Odermatt aufgenommen im Training, am Mittwoch, 14. Oktober 2026, auf der Diavolezza in Pontresina. Die Schweizer Skifahrer treten kommende Woc ...
Marco Odermatt im Training am 14. Oktober auf der Diavolezza.Bild: keystone

Nicolà Michael, warum wurde der Saisonstart um eine Woche verschoben?
Nicolà Michael: Viel Sonne und warme Temperaturen prägten den bisherigen Herbst (Anmerkung der Redaktion: Interview wurde in der letzten Woche geführt). Für die Pistenpräparation auf der Diavolezza sind diese Bedingungen herausfordernd. Die anhaltend hohen Temperaturen liessen bislang nur sehr eingeschränkt technische Beschneiung zu, weshalb die Firnpisten noch nicht in der gewohnten Breite und Qualität für die Öffentlichkeit bereitgestellt werden konnten.

Nicolà Michael Leiter Marketing & Sales, Mitglied Geschäftsleitung Diavolezza Lagalb AG
Nicolà Michael, Leiter Marketing & Mitglied der Geschäftsleitung, Diavolezza Lagalb AGBild: Diavolezza Lagalb AG

Wie geht es weiter?
Für die Öffentlichkeit ist der Saisonstart am Samstag, 24. Oktober bestätigt. Für Trainingsgruppen stehen die Pisten weiterhin zur Verfügung.

Ihr unterscheidet in der ersten Phase zwischen der gesamten Öffentlichkeit und Pisten für Trainingsgruppen. Wie läuft das genau ab?
Während der Vorsaison bis zum 15. November ist das Skigebiet jeweils mittwochs, samstags und sonntags für alle geöffnet. An den übrigen Tagen nutzen Nachwuchskader und Nationalmannschaften die Pisten für ihr Training. So können Swiss-Ski-Athletinnen und -Athleten früh in der Saison auf top präparierten Pisten in der Schweiz trainieren.

KEYPIX - Die Schweizer Skirennfahrerin Wendy Holdener aufgenommen im Training, am Mittwoch, 14. Oktober 2026, auf der Diavolezza in Pontresina. Die Schweizer Skifahrer treten kommende Woche zum ersten ...
Wendy Holdener holt sich den letzten Schliff für die Saison auf der Diavolezza.Bild: keystone

Und nach der Vorsaison?
Ab dem 16. November bleibt die Diavolezza aufgrund von Revisionsarbeiten geschlossen. Die Hauptsaison beginnt am Samstag, 19. Dezember 2026 und dauert bis Sonntag, 2. Mai 2027.

Das Wetter sorgt jetzt für Verzögerung. Wie sehr spielt da der heisse und trockene Sommer mit rein?
Trotz des niederschlagsarmen Winters und des heissen Sommers 2026 war der Verlust des konservierten Schnees im Durchschnitt nicht höher als in anderen Jahren. Viele Regentage im Sommer können dem gelagerten Schnee teilweise stärker zusetzen als anhaltend trockene Bedingungen.

Auf 3000 Metern fiel in den letzten Tagen schon der erste Schnee.
Auf 3000 Metern fiel in den letzten Tagen schon der erste Schnee. Bild: Diavolezza Lagalb AG

Nahm der Aufwand für die Präparation in den letzten Jahren allgemein zu?
Der Aufwand nahm in den letzten Jahren nicht deutlich zu. Wir investieren aber laufend in die Weiterentwicklung der Snowfarming-Methode, die als Anpassungsstrategie an den Klimawandel bezeichnet werden kann.

Skifahren auf der Diavolezza
Der Saisonstart auf der Diavolezza musste um eine Woche auf den 24. Oktober verschoben werden. Die Preise bewegen sich (Stand 16. Oktober 2026) für ein Tagesticket während der Vorsaison zwischen 46.00 und 51.50 Franken.


Wann ein Gletscher nicht mehr als solcher bezeichnet wird, ist ein bisschen subjektiv. Das GLAMOS legte die Grenze für die Schweiz bei einer Hektare fest. Ist es mehr, wird der Gletscher im alle drei Jahre erstellten Gletscherinventar behalten.

Wie läuft das bei euch mit dem Snowfarming?
Auf der Diavolezza wird seit 2007 erfolgreich Snowfarming betrieben. Der Schnee der vergangenen Wintersaison wird im Mai mit Pistenmaschinen auf den Gletscher gestossen. Anschliessend werden der Gletscher und die darauf liegenden Schneedepots mit einem widerstandsfähigen Vlies aus Polylactid/Polymilchsäure, welches aus natürlichen Rohstoffen (biobasiert) hergestellt wird, plastikfrei und recycelbar ist, abgedeckt. Dadurch wird der darunterliegende Schnee isoliert.

Diavolezza Abdecken Sass Queder im Frühling
Vliese montieren, damit 60 bis 80 Prozent des Schnees übersommern können.Bild: Romano Salis

Was machen die weissen Vliese noch?
Die weissen Vliese reflektieren zudem die Sonneneinstrahlung und verringern so die Schneeschmelze. Im Spätsommer werden die Vliese wieder entfernt und die Schneedepots mit den Pistenmaschinen verstossen, um die Piste aufzubauen.

So erging es den Schweiz Gletschern im letzten Jahr:

Wie gross ist der Aufwand, dass der Schnee über den Sommer konserviert werden kann?
Snowfarming auf knapp 3000 Metern über Meer in steilem Gelände zu betreiben, ist ein massiver Kraftakt für Mensch und Maschine. Für das Abdecken im Frühling und das Entfernen der Vliese im Spätsommer ist jeweils ein Team von 10 bis 15 Personen rund einen Monat lang im Einsatz.

Diavolezza Abdecken Sass Queder
Die Piste beim Sass Queder ist für Skifahrer meist die erste Möglichkeit, um die Saison zu eröffnen.Bild: Romano Salis

Wie viel Schnee kann über den Sommer gerettet werden?
Mit dieser Methode können rund 60 bis 80 Prozent des gelagerten Schnees konserviert werden. Sie bietet nicht nur den Vorteil, dass die Wintersaison auf der Diavolezza früher gestartet werden kann, auch der Energie- und Wasserverbrauch ist um zirka ein Drittel geringer als bei der herkömmlichen Schneeproduktion. Weiter wird der maschinelle Aufwand für die Pistenpräparation verringert.

Bis zirka 2010 gab es da noch den lebendigen Diavolezza-Gletscher. Heute ist der «Gletscher» wieder gewachsen. Wie habt ihr das geschafft?
Ohne Intervention hätte der Gletscher eine hohe Felswand freigegeben, wodurch der Skibetrieb ab der Bergstation Diavolezza Firn (4er-Sesselbahn) gefährdet gewesen wäre. Die Idee bestand darin, das Eis wieder mit Schnee aufzubauen.

Diavolezza Skipiste früheste Eröffnung Sass Queder
Was vom Diavolezza-Gletscher übrig blieb wurde mit zusätzlichem Schnee zur Piste gemacht.Bild: Diavolezza Lagalb AG

Wie funktioniert dies?
Im selben Sommer hat man einen kleinen See, den Lejet da Diavolezza, gebaut. Dieser fängt das Schmelzwasser auf, welches für die technische Beschneiung im Herbst verwendet wird. Seit diese Methode des Schnee- und Schmelzwasser-Recyclings angewandt wird, hat der Diavolezza-Gletscher an der dicksten Stelle über zehn Meter an Volumen gewonnen.

Wie lange lohnt sich der Aufwand für die frühe Pistenpräparation noch?
Eine pauschale Antwort darauf lässt sich nicht geben. Entscheidend sind nicht nur die Nachfrage der Gäste und der Trainingsgruppen, sondern auch die Temperaturen im Sommer, die Schneemenge der vergangenen Saison sowie die Witterungsbedingungen im Herbst. Sollten künftig noch effizientere Vliese entwickelt oder technische Neuerungen umgesetzt werden, mit denen sich der Aufwand weiter optimieren lässt, sehen wir durchaus zusätzliches Potenzial für das Snowfarming auf der Diavolezza.​

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Diese Gletscher verschwanden in der Schweiz
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Diese Gletscher verschwanden in der Schweiz

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