«Mit dieser Methode können rund 60 bis 80 Prozent des gelagerten Schnees konserviert werden»
Die Diavolezza ist traditionell eines der ersten Schweizer Skigebiet (ohne Gletscher-Skigebiete), das in die Saison startet. Normalerweise ist dies zwischen Mitte und Ende Oktober der Fall. In diesem Jahr musste der geplante Saisonstart vom 17. auf den 24. Oktober verschoben werden.
Wir haben – noch vor dem Schneefall am Mittwoch – Nicolà Michael, Leiter Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung der Diavolezza Lagalb AG, gefragt, was die Gründe sind, wie die Pisten so früh in der Saison schon befahrbar sind und wer da überhaupt schon skifahren kommt.
Nicolà Michael, warum wurde der Saisonstart um eine Woche verschoben?
Nicolà Michael: Viel Sonne und warme Temperaturen prägten den bisherigen Herbst (Anmerkung der Redaktion: Interview wurde in der letzten Woche geführt). Für die Pistenpräparation auf der Diavolezza sind diese Bedingungen herausfordernd. Die anhaltend hohen Temperaturen liessen bislang nur sehr eingeschränkt technische Beschneiung zu, weshalb die Firnpisten noch nicht in der gewohnten Breite und Qualität für die Öffentlichkeit bereitgestellt werden konnten.
Wie geht es weiter?
Für die Öffentlichkeit ist der Saisonstart am Samstag, 24. Oktober bestätigt. Für Trainingsgruppen stehen die Pisten weiterhin zur Verfügung.
Ihr unterscheidet in der ersten Phase zwischen der gesamten Öffentlichkeit und Pisten für Trainingsgruppen. Wie läuft das genau ab?
Während der Vorsaison bis zum 15. November ist das Skigebiet jeweils mittwochs, samstags und sonntags für alle geöffnet. An den übrigen Tagen nutzen Nachwuchskader und Nationalmannschaften die Pisten für ihr Training. So können Swiss-Ski-Athletinnen und -Athleten früh in der Saison auf top präparierten Pisten in der Schweiz trainieren.
Und nach der Vorsaison?
Ab dem 16. November bleibt die Diavolezza aufgrund von Revisionsarbeiten geschlossen. Die Hauptsaison beginnt am Samstag, 19. Dezember 2026 und dauert bis Sonntag, 2. Mai 2027.
Das Wetter sorgt jetzt für Verzögerung. Wie sehr spielt da der heisse und trockene Sommer mit rein?
Trotz des niederschlagsarmen Winters und des heissen Sommers 2026 war der Verlust des konservierten Schnees im Durchschnitt nicht höher als in anderen Jahren. Viele Regentage im Sommer können dem gelagerten Schnee teilweise stärker zusetzen als anhaltend trockene Bedingungen.
Nahm der Aufwand für die Präparation in den letzten Jahren allgemein zu?
Der Aufwand nahm in den letzten Jahren nicht deutlich zu. Wir investieren aber laufend in die Weiterentwicklung der Snowfarming-Methode, die als Anpassungsstrategie an den Klimawandel bezeichnet werden kann.
Wann ein Gletscher nicht mehr als solcher bezeichnet wird, ist ein bisschen subjektiv. Das GLAMOS legte die Grenze für die Schweiz bei einer Hektare fest. Ist es mehr, wird der Gletscher im alle drei Jahre erstellten Gletscherinventar behalten.
Wie läuft das bei euch mit dem Snowfarming?
Auf der Diavolezza wird seit 2007 erfolgreich Snowfarming betrieben. Der Schnee der vergangenen Wintersaison wird im Mai mit Pistenmaschinen auf den Gletscher gestossen. Anschliessend werden der Gletscher und die darauf liegenden Schneedepots mit einem widerstandsfähigen Vlies aus Polylactid/Polymilchsäure, welches aus natürlichen Rohstoffen (biobasiert) hergestellt wird, plastikfrei und recycelbar ist, abgedeckt. Dadurch wird der darunterliegende Schnee isoliert.
Was machen die weissen Vliese noch?
Die weissen Vliese reflektieren zudem die Sonneneinstrahlung und verringern so die Schneeschmelze. Im Spätsommer werden die Vliese wieder entfernt und die Schneedepots mit den Pistenmaschinen verstossen, um die Piste aufzubauen.
Wie gross ist der Aufwand, dass der Schnee über den Sommer konserviert werden kann?
Snowfarming auf knapp 3000 Metern über Meer in steilem Gelände zu betreiben, ist ein massiver Kraftakt für Mensch und Maschine. Für das Abdecken im Frühling und das Entfernen der Vliese im Spätsommer ist jeweils ein Team von 10 bis 15 Personen rund einen Monat lang im Einsatz.
Wie viel Schnee kann über den Sommer gerettet werden?
Mit dieser Methode können rund 60 bis 80 Prozent des gelagerten Schnees konserviert werden. Sie bietet nicht nur den Vorteil, dass die Wintersaison auf der Diavolezza früher gestartet werden kann, auch der Energie- und Wasserverbrauch ist um zirka ein Drittel geringer als bei der herkömmlichen Schneeproduktion. Weiter wird der maschinelle Aufwand für die Pistenpräparation verringert.
Bis zirka 2010 gab es da noch den lebendigen Diavolezza-Gletscher. Heute ist der «Gletscher» wieder gewachsen. Wie habt ihr das geschafft?
Ohne Intervention hätte der Gletscher eine hohe Felswand freigegeben, wodurch der Skibetrieb ab der Bergstation Diavolezza Firn (4er-Sesselbahn) gefährdet gewesen wäre. Die Idee bestand darin, das Eis wieder mit Schnee aufzubauen.
Wie funktioniert dies?
Im selben Sommer hat man einen kleinen See, den Lejet da Diavolezza, gebaut. Dieser fängt das Schmelzwasser auf, welches für die technische Beschneiung im Herbst verwendet wird. Seit diese Methode des Schnee- und Schmelzwasser-Recyclings angewandt wird, hat der Diavolezza-Gletscher an der dicksten Stelle über zehn Meter an Volumen gewonnen.
Wie lange lohnt sich der Aufwand für die frühe Pistenpräparation noch?
Eine pauschale Antwort darauf lässt sich nicht geben. Entscheidend sind nicht nur die Nachfrage der Gäste und der Trainingsgruppen, sondern auch die Temperaturen im Sommer, die Schneemenge der vergangenen Saison sowie die Witterungsbedingungen im Herbst. Sollten künftig noch effizientere Vliese entwickelt oder technische Neuerungen umgesetzt werden, mit denen sich der Aufwand weiter optimieren lässt, sehen wir durchaus zusätzliches Potenzial für das Snowfarming auf der Diavolezza.
