Schweiz
Interview

Migros-Präsidentin Nold im Interview: Fusionierung von Genossenschaften

Ursula Nold, Praesidentin Verwaltung Migros-Genosschenschafts-Bund, spricht waehrend einer Medienkonferenz der Migros, am Montag, 26. Oktober 2026 in Bern. Die Migros gibt bekannt, dass die 11 Migros  ...
Ursula Nold geht als Migros-Präsidentin in die Geschichte ein, die die historische Zentralisierung der Firmenstruktur aufgegleist hat. Ob der Plan verfängt, ist noch nicht klar.Bild: keystone
Interview

«Für Dutti wäre die Antwort klar»: Migros-Präsidentin nimmt zum Mega-Umbau Stellung

Ursula Nold sagt im Interview, was Aldi und Lidl mit der Reorganisation zu tun haben und wie die Kundschaft künftig stärker profitieren soll.
26.10.2026, 13:3426.10.2026, 13:34
Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann

Es hiess immer, der Föderalismus sei die Stärke der Migros. Wieso ist diese Zentralisierung nun nötig?
Ursula Nold: Ich glaube, unsere Aufgabe ist es nicht nur, das Heute und das Jetzt zu verwalten, sondern die Migros für die nächste Generation zukunftsfähig zu machen. Es stellt sich die Frage: Wie wollen wir unseren Nachfolgerinnen und Nachfolgern die Migros übergeben? Ist es eine Migros, die an ihren bewährten Strukturen festhält? Oder ist es eine Migros, die den Mut hat, sich rechtzeitig zu verändern, damit sie auch in Zukunft erfolgreich ist?

Sie glauben die Antwort gefunden zu haben.
Die neue Struktur soll helfen, die Organisation zu vereinfachen, sie zu stärken und die Migros auf die Zukunft auszurichten.

Ursula Nold, Praesidentin Verwaltung Migros-Genossenschafts-Bund, links, und Mario Irminger, Praesident Generaldirektion Migros-Genossenschafts-Bund, waehrend einer Medienkonferenz der Migros, am Mont ...
Nold an der Seite von Migros-Chef Mario Irminger.Bild: keystone

Haben Sie sich dabei oft gefragt: Was würde Dutti machen?
Für Gottlieb und Adele Duttweiler wäre die Antwort klar: Es geht um die organisatorische Leistungsfähigkeit. Und das nicht als Selbstzweck. Wir brauchen wirtschaftlichen Erfolg, damit wir uns wiederum in der Gesellschaft engagieren können. Das ist Duttweilers Vermächtnis, und dafür setzen wir uns ein.

Sie zeigen sich überzeugt, dass Sie alle Regionen von diesem Schritt überzeugen können. Trotzdem besteht die Gefahr, dass es ein Nein gibt, so wie zuletzt bei der Abstimmung über den Alkoholverkauf.
Das lässt sich nicht vergleichen. Die Alkoholabstimmung war ganz anders. Das war eine Initiative aus der Delegiertenversammlung heraus. Jetzt steht das Management zusammen und sagt: Ja, wir stehen hinter diesem Projekt und werden es erreichen. Gegen eine leistungsfähige Organisation kann man, glaube ich, kaum sein. Zentral finde ich, dass der genossenschaftliche Gedanke und die Regionalität weiterbestehen. Das sind Dinge, die auch der Familie Duttweiler unglaublich wichtig waren.

Dieser Schritt entstand bestimmt auch aus einer Angst, dass man in Zukunft weitere Marktanteile an Aldi und Lidl verlieren würde.
Ja. Wir merken, dass wir schneller agieren und schneller Entscheidungen treffen können müssen. Es gibt Ineffizienzen, von denen die Kundinnen und Kunden nichts haben. Darum sind wir überzeugt, dass dieser Schritt hilft, die Zukunft der Migros zu sichern.

IMAGE DISTRIBUTED FOR LIDL SCHWEIZ FOR EDITORIAL USE ONLY - Lidl Schweiz // Weiterer Text ueber ots und http://presseportal.ch/de/pm/100016795/100934157 (obs/LIDL Schweiz via KEYSTONE)
Discounter wie Lidl oder Aldi stellen die Migros vor Herausforderungen.Bild: keystone

Inwiefern profitiert die Kundschaft davon, wenn Sie im Hintergrund Ineffizienzen beseitigen?
Es ist völlig klar, dass eine Migros ohne Parallelstrukturen beispielsweise auch günstigere Preise anbieten kann.

Weniger Ineffizienzen heisst übersetzt: Stellenabbau.
Man muss wissen: Wir stellen jedes Jahr 10'000 neue Personen ein. Bis 2031 werden 11'000 Personen pensioniert. Ich war gestern auf der Webseite unseres Stellenportals: Wir haben 1200 offene Stellen. Unsere Herausforderung wird also eher sein: Haben wir genügend Leute für die künftige Migros?

Dennoch: Diese Doppelspurigkeiten bestehen vor allem im Managementbereich. Können Sie Entlassungen ausschliessen?
Wenn wir Doppelspurigkeiten abbauen, braucht es dort auch weniger Stellen, klar. Aber wir schauen gut zu unseren Leuten und sorgen dafür, dass sie, wann immer möglich, innerhalb der Migros eine andere Stelle finden. Dieser Umbau ist keine reine Sparmassnahme.

Es wird spekuliert, dass diese Synergien rund 3000 Stellen betreffen könnten.
Das ist Spekulation.

Völlig falsch?
Wie gesagt, das ist Spekulation. Wir haben den Grundsatzentscheid gefällt. Nun geht es in die nächste Detailausarbeitung. Vieles wird klarer werden. Ich höre häufig die Frage: Wer entscheidet eigentlich in diesem Unternehmen? Wir wollen klare Verantwortlichkeiten dort, wo auch die Kompetenzen liegen.

Es heisst, dass die Genossenschafter künftig stärker am wirtschaftlichen Erfolg partizipieren sollen. In Form von mehr Cumulus-Punkten oder Gutscheinen?
Bisher waren die Genossenschafterinnen und Genossenschafter immer Teil einer Region. Jetzt sind sie Teil des Gesamten. Dadurch haben wir eine ganz neue Ausgangslage und können uns überlegen, wie sie stärker an diesem Erfolg partizipieren können. Jemand, der bei der Migros Bank, bei Medbase, bei Denner und bei der Migros Kunde ist, wird vielleicht stärker partizipieren als jemand, der einfach nur einmal im Jahr in die Migros geht.

Das heisst, es wird auch bei Medbase und Co. Cumulus-Punkte geben?
Nein, das denke ich nicht. Die Details werden wir noch ausarbeiten. Aber ich glaube, die Migros hat ein einzigartiges Ökosystem. Und das können wir mit einer gemeinsamen Genossenschaftsbasis bestmöglich nutzen. (schweizheute.ch)

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