Die Migros wagt einen historischen Schritt: Aus zehn Genossenschaften soll eine werden. Zudem treten Migros-Chef Mario Irminger und Supermarkt-Chef Peter Diethelm ab. Das Wichtigste im Überblick.
26.10.2026, 08:4326.10.2026, 12:47
Was passiert mit den Genossenschaften?
Die Migros will die heute komplizierten Führungsstrukturen vereinfachen. Deshalb sollen die zehn Regionalgenossenschaften und der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) zu einer Gruppengenossenschaft fusioniert werden.
Die neue Gruppengenossenschaft soll das Dach über die sieben weiterhin eigenständig operierenden Geschäftseinheiten bilden. Dazu gehören neben Migros Supermarkt unter anderem Denner, Digitec Galaxus und die Migros Bank. Das Supermarktgeschäft soll künftig schweizweit aus einer Hand geführt werden.

Die Medienkonferenz am Montag wurde kurzfristig angekündigt.Bild: keystone
Die bisherigen regionalen Führungsstrukturen sollen weitgehend abgelöst werden. Stattdessen sind sechs Regionalräte vorgesehen, welche die Anliegen der Regionen einbringen und die Delegierten für die nationale Delegiertenversammlung wählen. Laut Migros sollen die regionale Verankerung und die genossenschaftliche Mitsprache erhalten bleiben.
Der Hauptsitz soll weiterhin in Zürich bleiben.
Was passiert mit den Migros-Chefs?
Mit der geplanten Fusion kommt es auch zu einem Führungswechsel. Migros-Chef Mario Irminger und Peter Diethelm, Chef der Migros Supermarkt AG, wollen ihre Funktionen auf den Zeitpunkt der Urabstimmung Mitte 2027 abgeben. Beide werden dann 62 Jahre alt sein.

Migros-Chef Mario Irminger.Bild: keystone
Sie hätten sich mit voller Überzeugung für die neue Struktur eingesetzt, teilte die Migros mit. Ihre Nachfolger sollen den mehrjährigen Aufbau der neuen Organisation von Anfang an führen können. Die Suche nach ihnen wurde bereits eingeleitet.
Kommt es zum Stellenabbau?
Laut einem Bericht der «SonntagsZeitung» könnten durch die Neuorganisation rund 3000 Stellen wegfallen. Das mögliche Einsparpotenzial wird auf jährlich 300 bis 400 Millionen Franken geschätzt. Die Migros nennt in ihrer Mitteilung weder konkrete Einsparziele noch eine Zahl betroffener Stellen.
Sie verspricht vielmehr, dass es in den Regionalgenossenschaften bis mindestens Mitte 2028 keine organisationsbedingten Entlassungen geben werde. Die Veränderungen beträfen vor allem Verwaltung und Management. Für betroffene Mitarbeitende sollen nach Möglichkeit Anschlusslösungen innerhalb der Gruppe gefunden werden. Laut Migros-Chef gibt es innerhalb des Unternehmens jährlich 10'000 natürliche Fluktuationen.
Betroffen sein dürften vor allem Personen in den Verwaltungen. Laut Irminger müssen sich Mitarbeitende in den Filialen und bei Tochterunternehmen keine Sorgen machen.
Was sagen die Regionalfürsten?
Die zehn regionalen Migros-Verwaltungen stehen trotz Enthaltungen bei der Abstimmung laut der Migros geschlossen hinter der geplanten Grossfusion. Damit unterstützen ausgerechnet jene Verantwortlichen den Umbau, deren Genossenschaften ihre Eigenständigkeit verlieren sollen. Das gemeinsame Credo der Chefs: Die Migros muss schlagkräftiger werden, ohne ihre regionalen Wurzeln aufzugeben.

Die Regionalfürsten und die Migros-Spitze vereint an der Medienkonferenz.Bild: keystone
Die grösste Herausforderung dürfte sein, die Genossenschafter vom Verlust der regionalen Eigenständigkeit zu überzeugen. Besonders in der Westschweiz, im Tessin und im Wallis betonten die Präsidien die Bedeutung lokaler Identität, unterschiedlicher Kundenbedürfnisse und regionaler Produzenten.
Wie geht es weiter?
Mögliche Kandidatinnen oder Kandidaten für die neue Migrosspitze sollen bereits Anfang 2027 vorgestellt werden. Die Urabstimmung für die Fusion soll dann Mitte 2027 stattfinden. Dann ist eine Stimmbeteiligung von 25 Prozent und eine Zweidrittelmehrheit nötig, damit das Vorhaben durchkommt. Die Migros-Chefs gaben sich zuversichtlich und hatten keine klare Antwort, was passieren würde, wenn die Fusion abgelehnt wird.
Was heisst das für dich?
Zunächst nicht viel. Die Veränderungen finden hauptsächlich im Hintergrund statt. Damit will die Migros schneller und einfacher auf Veränderungen im Markt reagieren können und agiler werden. Geplant ist auch eine weitere Expansion und Erneuerungen von Filialen. Das dürfest du dann merken. Regionale Produkte sollen aber weiterhin verfügbar sein.

Beim Einkaufen in der Migros wird sich zunächst wenig ändern.Bild: KEYSTONE
Nicht der erste Umbau
Die Migros befindet sich seit 2024 in einem tiefgreifenden Umbau. Chef Mario Irminger vollzog den bisher grössten Umbau ihrer Geschichte. Verlustbringende oder nicht mehr zum Kerngeschäft passende Unternehmen wurden abgestossen.
Mit dem Verkauf von Fachmarktketten und anderen Geschäften wie Melectronics, SportX, Micasa, Hotelplan oder Mibelle konzentriert sich die Migros künftig auf die Bereiche Detailhandel, Finanzdienstleistungen und Gesundheit. Mit der Umstrukturierung fielen gegen 1500 der insgesamt rund 100'000 Stellen weg.
Die komplizierte Genossenschaftsstruktur gilt seit Jahrzehnten als Hindernis für schnellere Entscheidungen. Bereits in den 1990er-Jahren scheiterte ein Versuch, die damals zwölf Regionalgenossenschaften auf drei zu reduzieren. Der Konkurrent Coop legte seine Regionalgenossenschaften bereits 2001 zusammen.
Bei der Migros existieren sie seit 1941. Damals wandelte Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler die AG in eine Genossenschaft um, damit die Machtverhältnisse zwischen Regionen und Zentrale besser verteilt waren. Doch genau das stellt derzeit ein Nachteil für die Migros dar. (vro/sda/awp)
Hier kannst du die Medienkonferenz im Liveticker nachlesen:
Damit ist die Medienkonferenz beendet. Vielen Dank für's Mitlesen!
Die Migros hat sich vom US-Berater McKinsey getrennt, steckt trotzdem noch etwas davon in dem Entscheid? Nein, sagt Irminger. Das sei intern entstanden. Es sei keine Beraterfirma – weder aus den USA, noch aus der Schweiz – beteiligt.
Ein Journalist will wissen, wer neu Ansprechpartner für die Landwirte ist, um regionale Produkte in die Supermärkte zu bringen. Das soll weiterhin in den Regionen gesteuert werden, sagt Guido Rast.
Die Genossenschaftsräte werden künftig von den Genossenschaftsmitgliedern via Urabstimmung gewählt.
Das ist noch nicht definiert.
Damit möglichst viele Genossenschafterinnen und Genossenschafter abstimmen, winken derzeit Cumuluspunkte. Wenn das nichts bringt, folgen weitere Angebote? Nold erklärt, man wolle keine Bestechungen machen. Man hoffe aber, dass möglichst viele Menschen abstimmen werden.
Ein Journalist will wissen, wie denn die Genossenschaften heute aufgebaut sind und warum eine Fusion die Strukturen vereinfachen würde. Die Präsidentin der Genossenschaft Genf, Sophie Dubuis, erklärt, dass schon allein die Anwesenheit von zehn Präsidentinnen und Präsidenten ein Zeichen seien. Die Entscheidungsprozesse seien sehr lange. Das könne bis zu leeren Regalen führen. Deshalb brauche es rasche Wege.
Eine Findungskommission sucht nach möglichen Kandidaten. Nold erklärt, dass auch intern fähige Personen vorhanden seien, der Prozess sei jedoch offen.
Guido Rast wiederholt, dass bereits Irminger erklärt hatte, dass keine Zahl im Zentrum stehe. Man wolle über die Jahre einfach besser werden, um wieder investieren zu können. «Wir werden schrittweise an unserer Effizienz und unserer Effektivität arbeiten.»
Es wird Doppelspurigkeiten geben, sagt Irminger. Ein Grossteil soll über die natürliche Fluktuation abgebaut werden.
Konkurrent Coop hatte den Schritt vor 25 Jahren gemacht. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, sagt Irminger.
Die Gruppengenossenschaft werden wie bisher eine Verwaltung haben, sagt Nold. Sie wird quasi das Dach der Organisation. Es werde auch weiterhin einen CEO geben. Nold werde die Transformation weiter begleiten, sagt sie schliesslich. Die operativen Mitglieder der MGB werden nicht mehr Teil der Übergangsverwaltung sein, die regionalen Präsidenten hingegen schon.
Guido Rast erklärt, dass das Ziel aller das gleiche sei: Die Migros in die Zukunft zu führen. Die fünf Regionenleiter seien in der Geschäftsleitung der Gruppengenossenschaft integriert.
Irminger verweist auf die Regionalität. Die Migros sei nicht Zürich, sondern die Schweiz.
Nold erklärt nochmals, dass die finanzielle Lage stabil ist. Doch Veränderungen kämen immer schneller und man müsse sich darauf vorbereiten. Nold betont nochmals, dass die Regionalität und die Nähe zu den Menschen vor Ort bleiben soll.
Guido Rast erklärt, dass die Gesellschaften, die in den Genossenschaften sind, noch bis 2028 dort bleiben. Dann wird überlegt, ob sie in eine Region verschoben werden oder wie mit ihnen umgegangen wird.
Der Gruppenhauptsitz soll weiterhin in Zürich bleiben, sagt Irminger.
Nochmals kommt die Frage auf, was denn passiert, wenn die Fusion abgelehnt wird. Irminger hält an seinem Optimismus fest und betont nochmals die Vorteile des Vorhabens. Was passieren würde, wenn die Migros wie gehabt weitergeführt wird, lässt er offen.
Werden diese Genossenschaften dann ausgeschlossen, lautet eine Frage? Auch Nold betont, dass man an ein Ja in den Genossenschaften glaube. «Falls wir das nicht erreichen werden, werden wir diese neue Situation anschauen und eine neue Lösung finden.» Sollte eine Genossenschaft die Anforderungen der Mindestbeteiligung oder Zweidrittelmehrheit nicht erfüllen, würde die Urabstimmung wiederholt.
Und wie läuft das ab? Die Genossenschaftsräte geben ihre Empfehlung ab, erklärt Nold. Dann müssen auch die Delegierten ihre Zustimmung abgeben.
Irminger wird gefragt, welche Prognose er für die Urabstimmung macht, da nicht alle Genossenschafterinnen und Genossenschafter mit Ja stimmen werden. Irminger zeigt sich optimistisch, spricht aber auch von «einem Weg dahin».
Und ist jetzt der richtige Zeitpunkt zu gehen, wird Irminger ausserdem gefragt. Er findet ja, und betont nochmals, dass er nächstes Jahr 62 wird und der Prozess mehrere Jahre dauert.
Ursula Nold erklärt auf die Frage eines Journalisten, dass eine Zweidrittelmehrheit nötig sein wird, damit das Vorhaben an der Urabstimmung abgenommen wird. Die Beteiligung muss mindestens 25 Prozent betragen.
Zudem wird der einstimmige Entscheid in Frage gestellt. Tatsächlich gab es vier Enthaltungen und eine Gegenstimme, so Nold. Das habe aber keinen Einfluss.
Der Prozess dauert mehrere Jahre, sagt auch Irminger nochmals. Filialen sollen schliesslich erneuert werden, auch will die Migros expandieren. Das sei es, was die Kundschaft schliesslich bemerken werde.
Zu Stellenabbau oder finanziellen Einsparungen könne er noch keine Angaben machen, sagt Irminger. Der Stellenabbau sei jedoch kein Ziel. Sollte es für Mitarbeitende zu Veränderungen kommen, sollen sie Anschlusslösungen erhalten. Pro Jahr habe die Migros eine natürliche Fluktuation von 10'000 Stellen. Irminger wiederholt nochmals: Bis 2028 sollen keine Entlassungen aufgrund dieser Umstrukturierung erfolgen. Mitarbeitende in den Filialen und in Tochterunternehmen seien nicht betroffen.
Das Geschäft wird schweizweit gebündelt durch die Supermarkt AG. «Was sich verändert, ist nicht die Migros vor Ort, sondern die Art und Weise, wie sich die Migros hinter den Kulissen organisiert», sagt Irminger.
Die Genossenschafterinnen und Genossenschafter sollen weiterhin regionale Delegierte wählen. Insgesamt soll es sechs regionale Räte mit 300 Mitgliedern geben. Die Gruppengenossenschaft setze hingegen den Rahmen.
Irminger betont wie zuvor schon Nold, dass die Migros diesen Schritt «aus einer Position der Stärke» mache. Die Migros stehe finanziell gut da. «Die Zukunft bringt neue Herausforderungen, die ein geschlossenes, starkes Auftreten erfordern.» Dafür brauche die Migros künftig eine Organisation, die schneller entscheiden, gezielter investieren und Innovationen rascher umsetzen könne. Die Strukturen mit all den Regionalgenossenschaften seien für eine sichere Zukunft zu komplex geworden. «Eine agilere Migros kann schneller auf Marktveränderungen reagieren.»
Nun kommt der Migros-Chef zu Wort. «Ich bin überzeugt, dass es der richtige Zeitpunkt ist, nach erfolgreicher Urabstimmung den Stab weiterzugeben.» Es gehe darum, die neue Struktur umzusetzen. «Dazu braucht es Persönlichkeiten an der Spitze, die diesen mehrjährigen Transformationsprozess begleiten können.» Da Diethelm und er 2027 beide 62 Jahre alt werden, treffe dies auf sie nicht zu.
Rast erklärt, dass es ihn stolz mache, dass der Entscheid einstimmig fiel. «Das ist ein tolles Fundament für unsere Zukunftsgestaltung.»
Die Präsidierenden der Regionalgenossenschaften heben die Wichtigkeit des Schrittes hervor und betonen gleichzeitig, dass jede Region auch regional bleiben soll. Es wird immer wieder von einem dynamischen Umfeld gesprochen und von der Nähe zur Kundschaft, die weiterhin bestehen soll. Gleichzeitig wird immer wieder betont, dass Prozesse durch die Fusion vereinfacht und Strukturen schlanker gemacht werden.
Nun sind die Präsidentinnen und Präsidenten der Regionalgenossenschaften an der Reihe. Sie erläutern in kurzen Worten, warum sie hinter dem Entscheid stehen.
Das Label «Aus der Region für die Region» soll bleiben, verspricht Nold. Auch sonst soll die Regionalität bleiben.
Nun folgt der in den Statuten festgelegte Ablauf. Danach kommt es zur Urabstimmung der 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter. Sie sollen vorab über die Situation informiert werden. «Die Rolle der Genossenschafter wird gestärkt», sagt Nold. Sie sollen auch verstehen, dass es vor allem darum geht, die Migros langfristig zu sichern. So soll sichergestellt werden, dass das Angebot attraktiv, die Arbeitsplätze gesichert und die regionale Kultur dank Migros-Kulturprozent gefördert werde.
Bei der Umsetzung dürfte es dennoch zu personellen Veränderungen kommen. Laut Nold wird wenn möglich eine Anschlusslösung innerhalb des Unternehmens gesucht. Auch freiwillige Abgänge würden berücksichtigt.
Am Montagmorgen seien alle Mitarbeitenden informiert worden. Die Transformation soll mehrere Jahre dauern. Zunächst kommt es Mitte 2027 zur Urabstimmung. Die meisten Mitarbeitenden würden im Alltag wenige Veränderungen spüren, so Nold. Denn diese würden vor allem Strukturen in der Verwaltung und im Management betreffen. Die regionalen Genossenschaften sollen bis mindestens Mitte 2028 keine organisationsbedingte Entlassungen vornehmen können. Die Tochterunternehmen seien nicht betroffen.
Die Kundschaft erwarte hochwertige Produkte, attraktive Preise und immer schnellere Lieferungen. Das sei eine grosse Verantwortung. Deshalb sei eine Strategie definiert worden. «Wir haben uns von allen Aktivitäten getrennt, die nicht mehr zur strategischen Auslegung passten», sagt Nold.
Der Entscheid, die Regionalgenossenschaften in einer Gruppengenossenschaft zu vereinen, sei von den Verwaltungen einstimmig beschlossen worden.
Nach der Urabstimmung kommt es zu personellen Veränderungen. Mario Irminger und Peter Diethelm, CEO der Supermarkt AG, werden ihren Posten räumen, so Nold.
Ursula Nold, Präsidentin des Migros-Genossenschafts-Bundes bestätigt: Aus zehn Genossenschaften wird eine.
Nebst Migros-Chef Mario Irminger sind an den Pulten auch die Namen der Präsidierenden der Regionalverwaltungen zu lesen. Das deutet darauf hin, dass es um die Genossenschaften geht.
Die Migros hat am Montagvormittag kurzfristig zu einer wichtigen Medienkonferenz eingeladen. Seit einer Weile kursieren Gerüchte, dass die
zehn Regionalgenossenschaften zu einer Einheitsgenossenschaft fusioniert werden sollen. Das würde allerdings auch zu einem Stellenabbau führen. Es wird erwartet, dass das Unternehmen dies heute bekannt gibt. Allerdings bräuchte es noch eine Zweidrittelmehrheit bei einer Urabstimmung in den Genossenschaften, damit der Umbau vollzogen werden kann. Die Medienkonferenz ist auf 10.45 Uhr angesetzt.
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