Schweiz
Klima

Keine 50-Grad-Sommer: Allianz ruft zu Hitze-Demos auf

Demonstranten der Bewegung "Klimastreik Schweiz" an einer Kundgebung in Bellinzona, am Samstag, 2. Februar 2019. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)
Klimademo 2019 in Bellinzona: Sieben Jahre später wollen Klimaaktivisten an den Erfolg von damals anknüpfen.Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

«2027 wird laut» – über 100 Organisationen rufen zu Hitzedemos auf

Hitze und Trockenheit bringen Bewegung in die Klimapolitik: Über 100 Organisationen und Parteien rufen schweizweit zu Demos auf. Und im Parlament hagelt es Forderungen.
17.09.2026, 20:4317.09.2026, 20:43
Lea Hartmann
Lea Hartmann

Die Temperaturen sind zwar gesunken, doch politisch ist der vergangene Hitzesommer brandaktuell. Sofortmassnahmen für Senioren, neue Klimaziele, Hilfe für dürregeplagte Alpen oder für hitzebetroffene Mieterinnen: Über 40 Vorstösse rund um die Themen Hitze, Trockenheit und Klima haben Nationalrätinnen und Ständeräte aus allen politischen Lagern in den ersten Tagen der Herbstsession eingereicht. Weitere dürften folgen.

Übernächste Woche kommt's auf Antrag von Mitte-Links zudem zur grossen Hitzedebatte im Nationalrat. «Wie lange schaut der Bundesrat noch zu?», so der Titel eines Vorstosses der Grünen-Fraktion. «Die Schweiz gegen Wetterextreme fit machen», verlangt die GLP: «Nicht später. Jetzt!» Auch die Parteien rechts der Mitte drängen auf rasches Handeln, primär bei Massnahmen zur Klimaanpassung.

15 Demos in der ganzen Schweiz

Druck kommt auch von der Strasse. Am 25. September finden in Zürich, Bern, Basel, Zug, Luzern, Baden und weiteren Deutschschweizer Städten unter dem Motto «Keine 50-Grad-Sommer» Hitzedemos statt. In der Romandie wird bereits für diesen Freitag zu Kundgebungen aufgerufen. Insgesamt 15 Demos sind angekündigt. Dahinter steht ein Kollektiv von weit über 100 Organisationen und Parteien.

«2026 muss ein Weckruf sein», sagt Laurène Descamps, eine der Organisatorinnen. «Der vergangene Hitzesommer hat eindrücklich gezeigt: Wir können uns das Nichtstun keinesfalls leisten.» In den Demos wolle man «Wut, Frustration und teilweise auch Trauer, die im Sommer entstanden ist, bündeln» und auf die Strasse bringen.

Das Ziel der Organisatoren ist, an den Erfolg der Klimastreiks von 2019 anzuknüpfen. Seither hat die Bewegung an Kraft verloren. Ob man diese nach dem vergangenen Sommer zurückgewinnen kann? Laurène Descamps gibt sich optimistisch. Die Koalition habe sich innert kürzester Zeit gebildet, sie gehe «weit über die traditionellen Klimakreise» hinaus. «2027 wird laut.»

Grüne hoffen auf Mobilisierung

Tatsächlich ist die Allianz breiter aufgestellt als der Klimastreik vor sieben Jahren. Nicht nur Junge, auch Klimaseniorinnen sind mit an Bord. SP, Grüne und ihre Jungparteien, Umweltorganisationen wie Pro Natura und Greenpeace, die Gewerkschaft Unia, die Bauernorganisation Uniterre sowie vereinzelt auch Wissenschaftler machen mit. Entsprechend divers sind allerdings auch ihre Forderungen. Während der Klimastreik den Kapitalismus ganz generell ins Visier nimmt, fordert die Unia Hitzefrei für Bauarbeiter, während die Landwirte auf faire Produzentenpreise pochen.

Ein Comeback der Klimabewegung würde vor allem den Grünen nützen. 2019 gehörten sie zu den grossen Gewinnern der «grünen Welle», vier Jahre später verloren sie deutlich. Nun hoffen sie, dass das Klima im Wahljahr 2027 wieder stärker mobilisiert. Die angekündigten Hitze-Demos sind ein erster Gradmesser. (schweizheute.ch)

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