Schweiz
Klima

Laut Genfer Studie schätzen wir Klimaschutzmassnahmen falsch ein

Eine Glasflasche kommt aus dem vollen Abfallbehaelter eines Abfalltrennungssystems, das Alu, PET und Abfall trennt, fotografiert am Mittwoch, 8. Mai 2024 in Zuerich (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Eine neue Genfer Studie zeigt: Menschen schätzen die Wirksamkeit von Klimaschutzmassnahmen systematisch falsch ein.Bild: KEYSTONE

Alltagsgesten bringen dem Klima weniger, als viele denken

03.08.2026, 14:1403.08.2026, 14:14

Menschen schätzen die Wirksamkeit von Klimaschutzmassnahmen systematisch falsch ein. Eine neue Genfer Studie zeigt: Schwache Massnahmen werden überschätzt, sehr wirksame dagegen unterschätzt.

Wer seinen Abfall gewissenhaft trennt, auf Plastikverpackungen verzichtet, weniger Warmwasser nutzt oder beim Drucken Papier spart, glaubt oft, dem Klima einen grossen Dienst zu erweisen, wie die am Montag im Fachblatt «Nature Sustainability» veröffentlichte Studie belegt. Tatsächlich ist das CO2-Minderungspotenzial solcher Alltagsentscheidungen jedoch eher gering bis mittelmässig.

Die wahren Hebel im Klimaschutz werden hingegen massiv unterschätzt. So bewerten die Menschen die positive Klimawirkung hochgradig effektiver Massnahmen – wie etwa den Verzicht auf Flugreisen, eine rein pflanzliche Ernährung, die Reduktion des Rindfleischkonsums oder den Umstieg auf ein Elektroauto – deutlich zu niedrig.

Für die Studie befragte ein Forschungsteam der Universitäten Genf und Basel insgesamt knapp 3000 Personen in den USA. Die Teilnehmenden mussten detailliert einschätzen, wie viel Prozent der Treibhausgasemissionen einer durchschnittlichen Person durch 34 verschiedene Alltags- und Konsumhandlungen eingespart werden können.

Ein Mitarbeiter eines McDonald's-Restaurants stellt in der Kueche aus verschiedenen Zutaten einen Burger mit Rindfleisch zusammen, fotografiert am Dienstag, 19. Mai 2026 im Autobahnzentrum Fuchsb ...
Die fürs Klima positive Auswirkung eines verminderten Rindfleischkonsums schätzen die Befragten zu gering ein.Bild: KEYSTONE

Die Psychologie dahinter

Als Hauptgründe für diese Fehleinschätzungen identifizierte das Forschungsteam zwei psychologische Mechanismen. Zum einen verliessen sich die Menschen auf die sogenannte Verfügbarkeitsheuristik: Massnahmen, die ihnen leicht in den Sinn kamen, schätzten sie als wirksamer ein. «Je mehr eine Aktion in den Medien präsent ist oder in der Schule thematisiert wird, desto leichter fällt sie uns ein und desto eher neigen wir dazu, sie als wirksam einzustufen», erklärte Erstautor Mario Herberz in einer Mitteilung der Universität Genf zur Studie.

Zum anderen spielte das motivierte Schlussfolgern (Motivated Reasoning) eine Rolle. Der Mensch neigt naturgemäss dazu, sich sein eigenes Verhalten schönzureden, um ein positives Selbstbild zu wahren. So bewerteten auch die Befragten in dieser Studie jene Massnahmen als besonders wirksam, die sie selbst bereits umsetzten. (sda)

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Chnebeler
03.08.2026 15:54registriert Dezember 2016
Man könnte auch sagen es ist ein Beispiel für erfolgreiches Lobbying. Alles was die Wirtschaft nichts kostet wird als 'wirksam' verkauft und gefördert. Aber sobald es um die wirklich grossen Hebel geht wird relativiert. Siehe Landwirtschaft, Industrie, Luftfahrt und Individualverkehr.
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Stammtischler
03.08.2026 16:38registriert Oktober 2023
Der Effekt von Recycling auf das Klima mag zwar klein sein, aber es hat einen Effekt. Zudem sind einige Resource limitiert und auf lange Sicht macht es durchaus Sinn, einfach weiter Recycling zu betreiben. Zumal der Aufwand für den Einzelnen ja nicht gross ist.
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Macca_the_Alpacca
03.08.2026 17:17registriert Oktober 2021
Das ist mir schon seit Jahrzehnte klar. Ich werde aber immer runter Gebrüllt oder als Klimaleugner verunglimpft, wenn ich mal sage dass es wohl sinnvolle wäre keine Warenströme rund um den Globus zu kultivieren, sondern regional einzukaufen. Da werde ich dann im Brustton der Überzeugung, eines besseren belehrt, dass ich dieses und jenes vollkomme lächerliche zu Tun hätte, um meinen Beitrag zu leisten.
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