So bekämpfen unsere Nachbarländer die Hitze – und was Ventilatoren wirklich bringen
Wenn es im Sommer heiss wird, beginnt in vielen Schweizer Wohnungen frühmorgens dasselbe Ritual: Fenster weit öffnen, Durchzug schaffen und danach alles wieder schliessen. Tagsüber bleiben Rollläden unten, damit sich die Räume möglichst wenig aufheizen.
In unseren europäischen Nachbarländern geht man mit der Hitze teilweise ganz anders um. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des Schweizer Onlinehändlers Galaxus. Befragt wurden 2616 Personen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien.
Lüften und Abdunkeln in der Schweiz – Klimaanlage in Italien
Rund 80 Prozent der Befragten in der Schweiz gaben an, ihre Wohnung durch morgendliches Lüften und tagsüber geschlossene Fenster kühl zu halten. Das ist der höchste Wert unter den fünf untersuchten Ländern. In Deutschland, Frankreich und Österreich lüften jeweils zirka zwei Drittel der Befragten jeden Morgen. In Italien ist das morgendliche Lüften nur bei 41 Prozent der Befragten verbreitet.
Auch bei der Beschattung von aussen, beispielsweise mit Rollläden, Jalousien und Markisen, ist die Schweiz einsam an der Spitze. Mit 66 Prozent setzen rund zwei Drittel auf wenig Erhitzung durch wenig Sonneneinstrahlung. Auch hier folgt Deutschland knapp vor Österreich mit 52 beziehungsweise 48 Prozent. Dahinter kommt Frankreich, wo immerhin noch 39 Prozent auf die Beschattung von aussen zurückgreifen. In Italien schützt gemäss Umfrage hingegen nur jeder Dritte seine Wohnung vor Sonneneinstrahlung.
Liebste Kühlmethode der Italienerinnen und Italiener ist hingegen die Klimaanlage: Rund 57 Prozent der Befragten nutzen eine zur Kühlung. In Frankreich nutzen rund 35 Prozent eine Klimaanlage, in Österreich 26 Prozent und in Deutschland 17 Prozent. Wieder einsam, diesmal als Schlusslicht, steht die Schweiz da. Nur rund 10 Prozent der Befragten gaben an, eine Klimaanlage zu nutzen.
Das ökologische Gewissen der Schweizerinnen und Schweizer
Dass Klimaanlagen in der Schweiz wenig verbreitet sind, liegt gemäss der Umfrage nicht in erster Linie am Preis. Nur rund 20 Prozent der Befragten nennen die Anschaffungskosten als Hindernis. In Frankreich und Deutschland ist dieser Wert doppelt so hoch und auch in Italien und Österreich liegt er höher als in der Schweiz.
Wichtiger sind für Schweizerinnen und Schweizer Umweltbedenken. Mit rund 36 Prozent der Befragten verzichtet mehr als jede dritte Person in der Schweiz aus ökologischen Gründen auf eine Klimaanlage. In keinem der untersuchten Länder liegt dieser Anteil höher. In Frankreich nutzen 24 Prozent der Befragten keine Klimaanlage aus ökologischen Gründen, in Deutschland und Österreich sind es je 19 Prozent. In Italien nur 15 Prozent.
Nur etwa jede fünfte befragte Person in der Schweiz hält Klimaanlagen in Wohnräumen für ökologisch vertretbar. Gleichzeitig sagen vier von zehn, dass solche Geräte angesichts zunehmender Hitzewellen immer notwendiger würden.
In Italien ist das Dilemma gar noch grösser: Nur rund 24 Prozent der Befragten in Italien halten Klimaanlagen für ökologisch vertretbar, jedoch sagen ganze 75 Prozent der Befragten, dass Klimaanlagen immer notwendiger werden.
Ventilatoren sind beliebt, kühlen aber nicht den Raum
Eine günstigere und stromsparendere Möglichkeit, die Hitze erträglicher zu machen, ist der Ventilator. In den meisten untersuchten Ländern nutzt ihn ungefähr die Hälfte der Befragten. In der Schweiz lediglich rund ein Drittel.
Doch ein Ventilator senkt die Raumtemperatur nicht. Er bewegt lediglich die bereits vorhandene Luft. Läuft das Gerät in einem geschlossenen und leeren Zimmer, bringt das für die spätere Raumtemperatur nichts, erklärt der Physiker Werner Gruber der österreichischen Zeitung «Heute».
Nutzlos ist ein Ventilator dennoch nicht. Trifft der Luftstrom auf den Körper, verdunstet Schweiss auf der Haut schneller. Dabei wird der Haut Wärme entzogen, wodurch sie sich kühler anfühlt. Ein Ventilator kühlt also nicht einen Raum, sondern die Menschen darin.
So lässt sich ein Ventilator sinnvoll einsetzen
Damit ein Ventilator bei Hitze möglichst viel bringt, sollte er nur laufen, wenn sich tatsächlich jemand in der Nähe seines Luftstroms befindet.
Ein dauerhaft starker Luftstrom kann bei empfindlichen Personen als unangenehm empfunden werden und beispielsweise trockene Augen oder Muskelverspannungen begünstigen. Oft genügt es, den Ventilator leicht seitlich auszurichten, um in der Peripherie des Luftstroms vom Kühleffekt zu profitieren.
Aber Achtung: Ist die Aussenluft wärmer als die Raumluft, gelangt beim Öffnen eines Fensters zusätzliche Wärme in die Wohnung. Ein Ventilator kann den Luftaustausch mit der Aussenluft verstärken und so zusätzlich warme Luft in den Raum befördern.
So kühlt Europa bei nächtlicher Hitze
Besonders belastend wird die Hitze, wenn die Wohnung auch in der Nacht nicht mehr abkühlt. Rund 64 Prozent der Befragten in der Schweiz sowie 61 Prozent in Deutschland schlafen deshalb bei geöffnetem Fenster. Auch in Österreich und Italien schlafen je rund 55 Prozent der Befragten mit geöffneten Fenstern. Frankreich ist mit 49 Prozent das einzige der fünf Länder, in dem weniger als die Hälfte mit offenen Fenstern schläft.
In der Schweiz und in Deutschland sind zudem leichtere Bettwäsche und das Tragen von weniger Kleidung weit verbreitet. Jeweils mehr als die Hälfte der Befragten gab an, diese Methoden zu nutzen, wenn es nachts zu heiss wird. Auch in Frankreich, Italien und Österreich sind diese Praktiken bei mindestens einem Drittel der Befragten üblich.
Italien sticht dagegen bei der Nutzung von Klimaanlagen bei nächtlicher Hitze heraus. In vier von zehn Schlafzimmern läuft vor dem Einschlafen oder während der Nacht eine Klimaanlage. Das sind fast doppelt so viele wie in Frankreich, das im Vergleich an zweiter Stelle liegt. In der Schweiz greift hingegen nur jeder zwanzigste auf die Klimaanlage zurück.
Wenn selbst wenig Bekleidung zu viel ist, bleibt noch die radikalste Kühlmethode: gar nichts anziehen. Besonders verbreitet ist das in Frankreich und Österreich, wo rund jede dritte befragte Person nackt schläft. In der Schweiz, Deutschland und Italien verzichtet dagegen nur etwa jede vierte Person nachts komplett auf Kleidung.
Auch bei der Hitzetoleranz gibt es Unterschiede. In der Schweiz, in Österreich, Deutschland und Frankreich empfinden viele Menschen eine Raumtemperatur ab 26 bis 27 Grad als unangenehm. Nur in Italien reagiert die Bevölkerung gelassener: Rund jede vierte Person empfindet es erst bei 28 bis 29 Grad Raumtemperatur als unangenehm warm.
Die Nachfrage nach Klimageräten steigt deutlich
Trotz der ökologischen Bedenken legen sich immer mehr Schweizerinnen und Schweizer eine Klimaanlage zu. Nach Angaben von Galaxus kauften Kundinnen und Kunden im Juni 2026 so viele Klimageräte wie noch nie zuvor in einem einzelnen Monat.
Auch in Deutschland ist der Markt gewachsen: Gemäss dem Statistischen Bundesamt stieg die Produktion von Klimageräten zwischen 2019 und 2024 um 75,1 Prozent auf rund 317'000 Stück. Auch die Importe von Klimaanlagen stiegen im selben Zeitraum in Deutschland um 48,4 Prozent.
(ear)
