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Der Frauenstreik 2019 hat viel Bewegung gebracht. Doch das Ziel ist noch nicht erreicht. Die Frauenförderung muss weitergehen.
Der Frauenstreik 2019 hat viel Bewegung gebracht. Doch das Ziel ist noch nicht erreicht. Die Frauenförderung muss weitergehen. Bild: KEYSTONE
Kommentar

Ja, es war Frauenwahl – aber zufrieden sollten wir uns noch lange nicht geben

Noch nie in der Geschichte der Schweiz wurden so viele Frauen in den Nationalrat gewählt. Auf dem Erfolg ausruhen dürfen wir uns trotzdem nicht.
21.10.2019, 21:1522.10.2019, 08:11

Das Volk hat Frauen gewählt. Neu werden im Nationalrat 41,5 Prozent Frauen sitzen. Auch im Ständerat ist die Ausgangssituation vielversprechend. Fünf Frauen haben ihren Sitz auf sicher. Nach den zweiten Wahlgängen im November könnte es bis zu zwölf Ständerätinnen geben. Bisher sassen in der kleinen Kammer sechs Frauen. Fünf von ihnen haben sich allerdings nicht mehr zur Wahl gestellt.

Besonders gejubelt wurde in den Kantonen Zug und Obwalden. Das erste Mal in der Geschichte der beiden Stände werden sie von Frauen in Bern vertreten. Das sind gute Neuigkeiten. Das Ziel ist aber noch nicht erreicht. Auch mit 41,5 Prozent sind die Frauen im Nationalrat weiterhin untervertreten – im Ständerat wird es nicht anders sein. Und es gibt noch immer Kantone – darunter Glarus und Appenzell Innerrhoden – die noch nie von einer Frau im Parlament vertreten wurden.

In die Pflicht genommen werden müssen jetzt vor allem die bürgerlichen Parteien – und die Medien.

Im Endspurt des Wahlkampfes analysierte die überparteiliche Organisation «Helvetia ruft», welche Parteien sich die Frauenförderung besonders zu Herzen nahmen. Platz eins und zwei besetzten die SP und die Grünen. Sie mobilisierten ihre weiblichen Kandidatinnen und setzten sie auf die vorderen Listenplätze.

Anders die bürgerlichen Parteien: FDP, SVP und BDP sind auf den hinteren Rängen anzutreffen. Bereits im Mai dieses Jahres kritisierte die abtretende SVP-Nationalrätin Alice Glauser ihre Partei und bestätigte was aus der «Helvetia ruft»-Analyse später hervorging: Die SVP, so Glauser, fördere gezielt mehr junge Männer als Frauen. «Die SVP ist nicht antifeministisch, aber der Feminismus interessiert sie nicht besonders», so Glauser gegenüber watson.

Am eigenen Leib erfuhr dies auch Camille Lothe, Präsidentin der jungen SVP. Lothe wollte nach Bundesbern. Sie kandidiert auf der Liste der Jungpartei, anstatt, wie es ihr zunächst in Aussicht gestellt wurde, auf der Hauptliste der SVP. Lothes Namen fehlte dort. Die Delegierten haben sich für 35 andere Kandidaten entschieden, darunter 26 Männer und neun Frauen.

Die bittere nationale Niederlage der BDP könnte auch mit deren fehlenden Frauenförderung zusammenhängen. In Freiburg, Genf, St.Gallen und Basel-Stadt trat die Partei mit reinen Männerlisten an. Will die Partei überleben, sollte sie in Zukunft vermehrt auf Kandidatinnen setzen.

Doch es sind nicht nur die bürgerlichen Parteien, die in den nächsten vier Jahren ihre Strategie überdenken müssen. Auch wir Journalisten müssen uns an der Nase nehmen.

Noch nie haben so viele Frauen kandidiert – über 40 Prozent der Listenplätze waren weiblich. Und dennoch war deren Repräsentation in den Medien miserabel. Das zeigt eine Studie von Politikwissenschaftlern des Digital Democracy Lab der Universität Zürich. Frauen wurden weniger zitiert, erwähnt und porträtiert.

Zwei Beispiele: 42 Prozent der Kandidierenden der FDP waren Frauen, in der medialen Berichterstattung kamen sie aber nur auf 30 Prozent. Bei der CVP waren 40 Prozent der Kandidierenden weiblich und trotzdem wurden in 73 Prozent der Fälle über die CVP-Männer geschrieben.

Das muss sich ändern. Frauen gehören zu 50 Prozent in die mediale Berichterstattung und zu 50 Prozent ins Parlament. Die Arbeit muss jetzt weitergehen – und nicht erst in vier Jahren.

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36 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sauäschnörrli
21.10.2019 21:48registriert November 2015
„über 40 Prozent der Listenplätze waren weiblich.“ und der Frauenanteil im Nationalrat liegt neu bei 41.5%. Wieso können wir nicht zufrieden sein? Suchen wir jetzt wirklich einen Schuldigen, warum die Frauen nicht überproportional viele Sitze ergattern konnten?
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Birdie
21.10.2019 22:00registriert November 2016
"Das muss sich ändern. Frauen gehören zu 50 Prozent in die mediale Berichterstattung und zu 50 Prozent ins Parlament."

So radikal muss man das nicht sehen. Man sollte fähige Menschen wählen, egal ob weiblich, männlich oder andersweitig.

Dieses Jahr sind 41.5% der Gewählten weiblich, alsp ziemlich genau gleich viele wie prozentual auf den Listen vertreten waren. Dies scheint mir ok.

In meinem Altersumfeld (Mitte 20) interessieren sich viele Frauen für Politik, ich bin überzeugt die Zahl wird weiter steigen. Dies jetzt noch zu pushen oder medial anzuprangern lenkt von dringenderen Themen ab.
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FrancoL
21.10.2019 22:06registriert November 2015
Es stellt sich die Frage, die ich vor Jahren auch der schnell wachsenden SVP gerne stellte: Woher nimmt man plötzlich alle diese Politiker, waren die einfach irgendwo parkiert? Braucht man plötzlich keine Erfahrung mehr mit der Materie, sind nun plötzlich alle bestens in die Dossiers eingelesen?
So wie ich es bei beim steilen Aufstieg der SVP bezweifelte, bezweifle ich es auch bei einem Teil der Frauen, die da im Schnellzug die 50% erreichen wollen.

Ich würde da etwas mehr Demut für die Aufgabe erwarten und auch Beweise der Leistungsfähigkeit, Beweise die ich stets auch von Männern erwarte.
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