«Es ist ein Albtraum»: Schweizer Familie verliert 13 Pferde wegen Vergiftung
Auf den Weiden des Moron im Berner Jura sind 13 Pferde gestorben, darunter vier Fohlen. Sie verendeten in der Nacht von Samstag auf Sonntag, nachdem sie Ahornfrüchte gefressen hatten. Die Tiere gehörten Philippe Geiser und seiner Tochter Audrey Steulet.
Ihr Betrieb am Ort Les Ruaux in Cortébert im Vallon de Saint-Imier ist am stärksten von der Vergiftung betroffen. Die Krankheit heisst atypische Weidemyopathie und es gibt kein Gegenmittel dagegen. Mehrere Pferdezuchtbetriebe im Jura und im Berner Jura sind betroffen. Bisher sind 25 Tiere gestorben, diese Zahl dürfte allerdings noch steigen.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Philippe Geiser und Audrey Steulet empfangen uns in der Küche eines Mitarbeiters, der auf dem Hof wohnt. Der Schicksalsschlag hat die beiden schwer getroffen. Die junge Frau findet klare Worte:
Ihr Vater erzählt:
«Eine junge Stute lag am Boden»
Besorgt kehrten Philippe Geiser und Audrey Steulet daraufhin zu den Weiden auf dem Moron zurück. Als sie ankamen, war es bereits dunkel. Eine junge Stute lag am Boden und konnte nicht mehr aufstehen. Ein Tierarzt musste sie einschläfern. Audrey Steulet erzählt weiter:
Am Sonntagmorgen kehrten Vater und Tochter dann an den Ort zurück, den sie am Vorabend verlassen hatten. Ein Mitarbeiter vor Ort hatte sie aufgeregt angerufen. Was sie dort vorfanden, erschütterte sie: Vier Fohlen lagen am Boden. Auch sie waren erkrankt und mussten eingeschläfert werden. Weitere Pferde des Betriebs im Berner Jura sind seither an den Folgen der Vergiftung gestorben.
Die überlebenden Pferde vom Moron sind noch nicht ausser Gefahr. Sie werden derzeit in vier Tierkliniken in der Deutschschweiz behandelt. Mit Tränen in den Augen erzählt Audrey Steulet:
Vater und Tochter bedanken sich bei den Freunden, die ihnen geholfen haben, die Pferde in die Kliniken zu transportieren.
Philippe Geiser trägt eine Mütze mit der Aufschrift «Team Geiser» und eine dunkelblaue Jacke. Er kann sich noch gut an die Tage erinnern, an welchen das Unheil seinen Lauf nahm – das regnerische und stürmische Wochenende vom 24. und 25. Oktober, eine Woche vor dem Massensterben.
Audrey Steulet ergänzt: «Durch den sehr heissen Sommer enthielten die Ahornfrüchte mehr Zucker als gewöhnlich, was ihre Giftigkeit erhöht haben dürfte. Normalerweise gibt es hier zu dieser Jahreszeit bereits die ersten Frostnächte. Diese schwächen die giftige Wirkung ab oder heben sie sogar auf. Dieses Jahr war das anders.»
Die Verluste wiegen für die Familie schwer. Wie hoch der finanzielle Schaden ist, lässt sich derzeit nicht beziffern. Der Wert der Tiere reicht von 5000 Franken für Fohlen bis zu mehr als 50'000 Franken für gewisse ausgewachsene Pferde. Die in Les Sources in Cortébert gezüchteten Pferde werden unter anderem von der Republikanischen Garde in Frankreich, der Schweizer und der italienischen Armee sowie von berittenen Polizeieinheiten in Schweizer Kantonen und im Ausland eingesetzt. Weitere Absatzmöglichkeiten bieten der Reitsport und der Tourismus.
Leiter eines Zentrums für «Menschen am Rand der Gesellschaft»
Hinzu kommt der therapeutische Einsatz der Tiere. Les Sources ist ursprünglich der Name eines medizinisch-sozialen Zentrums in Sonceboz. Philippe Geiser leitet diese Einrichtung. Er ist in Sonceboz im unteren Teil des Vallon de Saint-Imier geboren und mit einer Jurassierin aus dem Kanton Jura verheiratet.
Jordana ist eine 17-jährige Stute. Sie ist trächtig und erwartet ein Fohlen. Für das Titelbild stellen sich Audrey und ihr Vater neben sie. Die gut 30-jährige Audrey reitet, seit sie «ganz klein» war. Sie gehörte dem Schweizer Nationalteam an und nahm an renommierten Reitturnieren in Genf, St.Gallen und Basel teil.
Vielleicht heisst die nächste Generation Camille Weiss. Der 18-Jährige stammt aus Nods, auf der anderen Seite des Chasseral, jenes Berges, der die Region prägt.
«Ich reite seit 13 Jahren und möchte mich auf Vielseitigkeitsprüfungen spezialisieren», erzählt er. Er trägt einen Reithelm und ist bereit, auf Danton zu steigen, ein Halbblüter und sein «Liebling». Camille absolviert bei Les Sources eine Lehre als Pferdefachmann EFZ. «Ich bin für zehn Pferde verantwortlich», sagt er stolz. Der Tod der Pferde geht ihm nahe. Als es geschah, hatte er frei. Vielleicht war das auch besser so.
