Individueller, kürzer und androgyner – so entwickeln sich die Vornamen in der Schweiz
Der traditionellen Schweizer Zurückhaltung zuliebe sollte ein Vorname besser nicht zu ausgefallen sein, aber dann auch nicht einfach etwas von der Stange. Nicht zu kurz, sonst gibt's fiese Wortspiele und nicht zu lang, dann gibt's blöde Schreibfehler. Die Qual der Wahl.
Kürze der Vornamen hat ein Plateau erreicht
Die durchschnittliche Vornamenslänge ist heute so kurz wie noch nie. Seit dem Höhepunkt in den 1950er-Jahren sind die Namen im Schnitt immer kürzer geworden. Heute ist ein Frauenname mehr als einen Buchstaben kürzer als vor 100 Jahren.
Anscheinend hat die stetig sinkende Vornamenslänge aber im letzten Jahr ein Plateau erreicht. Die durchschnittliche Länge blieb bei 5,17 Buchstaben.
Nicht zuletzt hat dies auch damit zu tun, dass kurze Vornamen-Klassiker wie Luca, Anna, Leo und Lina heute wieder sehr beliebt sind. Doch zum ersten Mal seit Jahren können wir einen leichten Anstieg bei der Namenslänge der Buben beobachten. Gerade Namen wie Gabriel und Matteo auf Rang 6 und 7 der Beliebtheits-Hitparade 2025 sorgen dafür, dass die Vornamenslänge um 0,1 Buchstaben gestiegen ist.
Werden Namen immer individueller?
Bis zu den 2000er-Jahren hat die Individualisierung der Namen stark zugenommen. Seither ist sie wieder etwas rückläufig, aber seit rund fünf Jahren gibt es wieder einen Individualisierungstrend.
Es ist also eine Tendenz da, seine Kinder wieder individueller zu benennen, auch wenn die vorherrschende Meinung eher das Gegenteil suggeriert. Während es stimmt, dass viele Kinder heute Noah und Emma heissen, sind diese Namen im Verhältnis zur Beliebtheit von Hans oder Ruth vor fast 100 Jahren viel aussergewöhnlicher.
Genderneutrale Namen sind so beliebt wie noch nie
Ein weiterer Trend bei Vornamen, der beobachtet werden kann, ist der Hang zu androgynen Namen. Sprich, Vornamen die nicht geschlechterspezifisch verstanden werden.
Heute haben fast 14 Prozent der Menschen einen Namen, der androgyn ist. Sicher nicht zuletzt wegen der Beliebtheit von Andrea. Ein Name, der in der Schweiz oft für Frauen genutzt wird, aber in Italien und der Diaspora fast exklusiv für Männer. Weitere beliebte androgyne Namen sind Jean, Simone, Jan und Luca. Doch auch der Spitzenreiter der Bubennamen, Noah, wird jedes Jahr einigen wenigen Mädchen vergeben.
Die Dominanz der Vokale
Ebenfalls zugenommen hat die Anzahl der Vokale in den Vornamen. Im Durchschnitt sind 49,72 Prozent der Buchstaben in den Vornamen der Schweizer Bevölkerung Vokale.
Dieser Trend ist klar beeinflusst von der Namenslänge. Viele der heute beliebten Vornamen, wie Mia, Leo und Elio, sind weit über dem Vokal-Durchschnitt. Sobald Namen länger werden, kommt meist als Erstes ein Konsonant dazu, wie bei Emma, Liam oder Nora was heute ungefähr dem Durchschnitt der Vokale entspricht.
Gibt es noch neue Namen?
Fast jedes Jahr werden ein, zwei Baby-Vornamen in der Schweiz vergeben, die zuvor noch nie in der Statistik erfasst wurden. Zum Beispiel im Jahr 2023 kamen drei Knaben mit dem Namen Bax auf die Welt. Eventuell stark inspiriert vom gleichnamigen Charakter in der Fernsehserie «Tschugger».
Dieses Jahr gab es jedoch keine statistisch neuen Namen in der Schweiz. Dennoch bleibten die Möglichkeiten bei der Namensgebung sind beinahe endlos und jedes Jahr hat das Potenzial einen neuen Vornamen auf die statistische Bühne zu befördern.
