Schweiz
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Wendy, Stan, Heidi und Timmy – diese Massfamilie muss für uns in die Corona-Quarantäne. bild shutterstock/watson

Was auf Familien / WGs zukommt, wenn jemand erkrankt



Seit der Pandemie ist Risikoabwägung eine noch offensichtlichere Begleiterin im Alltag. Soll ich die Plastikhandschuhe beim Grossverteiler anziehen? Soll ich die Kinder mit zum Einkaufen mitnehmen? Welchen Abstand halte ich ein, wenn ich mit anderen Leuten spreche?

Während der hiesigen Version des Lockdowns hatten es Herr und Frau Schweizer mehr oder weniger in der Hand, wie sehr sie sich dem Risiko, angesteckt zu werden, aussetzen wollen. Vielleicht ist «mehr oder weniger» noch übertrieben – aber sie hatten die Zügel fester in der Hand als nach der Lockerung. Diese bringt naturgemäss zusätzliche Ansteckungsrisiken mit sich: Arbeitnehmer werden in die Büros beordert. Die öffentlichen Verkehrsmittel, für viele die einzige Möglichkeit, zur Arbeit zu kommen, füllen sich wieder. Die Kinder gehen wieder zur Schule.

Doch was passiert, wenn jemand in einer Familie (oder einer WG) erkrankt? Welchen Rattenschwanz an Konsequenzen zieht das mit sich? Wir haben aufgrund der (nicht immer stringenten) Anweisungen des Bundesamtes für Gesundheit zu Quarantäne und Isolation und Berichten von Betroffenen zwei mögliche Szenarien durchgespielt. Den Gau, bei dem beide Eltern im Spital landen, haben wir uns erspart. Aber es braucht nicht einmal eine Erkrankung, um eine Familie ein paar Tage herauszufordern.

Die Voraussetzungen

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Das sind Wendy (42), Stan (42) und ihre Kinder Heidi (7) und Timmy (2) aus Schwamendingen.

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Wendy arbeitet 80 Prozent bei «Shady Acres», Stan ebenfalls 80 Prozent bei «U-Stor-It». Am 11. Mai wurden sie aus dem Home Office ins Büro beordert.

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Bei «Shady Acres» hat Wendy immer mal wieder Sitzungen mit Kyle. Dabei wird zwar auf die Distanz geachtet, aber nicht mit dem Massband.

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Am 15. Mai wird Kyle positiv auf Corona getestet. Er zeigt bereits Symptome. In der Retrospektive können Wendy und diverse Kolleginnen nicht garantieren, keine 15 Minuten in weniger als 2 Metern Abstand zu Kyle verbracht zu haben.

Die Anweisungen des BAG sind klar: Wer engen Kontakt mit einer erkrankten Person hatte, muss in die Quarantäne. Enger Kontakt beginnt, wenn 15 Minuten oder länger der Abstand von zwei Metern nicht eingehalten wurde.

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Das Büro von «Shady Acres» wird für 10 Tage geschlossen. Wer kann, arbeitet von zuhause. Wendy muss in die ärztlich verordnete Quarantäne.

Soweit zu den Voraussetzungen.

Bester Fall – 11 Tage

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Tag 1: Bei Menschen, die zusammen wohnen, weist das BAG an, dass sich betroffene Personen in einem Zimmer isolieren und, sofern möglich, ein eigenes Bad benutzen sollen. Wendy und Stan haben Glück. Wendy kann sich im Ferienhaus von Bekannten isolieren. Kontakt zu den Kindern findet per Videocall statt. Stan übernimmt derweil sämtliche familiären Aufgaben.

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An ein Arbeitspensum von 80% ist nicht mehr zu denken. Stan reduziert auf 40%. An zwei Tagen kann er die Tochter in die Schule und den Sohn in die Krippe bringen. Stans Entschädigung beträgt 80% des entgangenen Lohnes. Stan macht einen Abstecher ins Reich der AlleinerzieherInnen. So vergehen die Tage.

Auf der Seite der SVA Zürich gibt es dazu die Erklärung und die Links zu den Ausgleichskassen anderer Kantone.

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Tag 10: Wendy hat keine Symptome. Ein Corona-Test fällt negativ aus. Sie muss darf jetzt wieder zurück zur Familie. «Normailtät» kehrt wieder ein.

Nicht ganz bester Fall (aber bei weitem nicht der GAU) – 30 Tage

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Noch immer gilt: Kyles Testresultat war positiv, «Shady Acres» macht dicht und Wendy muss in die Quarantäne. Doch in diesem Fall kennen Wendy und Stan niemanden mit einem Ferienhaus.

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Tag 1: Es gibt keine Rückzugsmöglichkeit ausser Haus. Die Quarantäne muss in den eigenen vier Wänden geschehen. Wendy schliesst sich deshalb für 10 Tage im Elternschlafzimmer ein. Stan zügelt aufs Sofa.

Dieses Vorgehen entspricht den Anweisungen des BAG. Die berechtigte Frage bleibt, ob eine Isolation von der Familie so überhaupt durchführbar ist.

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Tag 2 - 8: Wendy vermeidet den Kontakt zu den Kindern und Stan so gut wie möglich. Es gibt aber Berührungspunkte – zum Beispiel beim gemeinsam benutzten Bad und dem Unverständnis der Kinder, nicht in die Nähe der Mutter zu dürfen.

Das BAG gibt eine Liste von Verhaltensregeln an, die im Quarantänefall innerhalb einer Wohnung durchgeführt werden müssen:

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Tag 9: Wendy zeigt erste Symptome. Ein Corona-Test ist positiv. An eine Rückkehr in den Familienverband ist nicht zu denken.

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Tag 10: Stan hat kein gutes Gefühl und isoliert sich zur Sicherheit auch. Heidi wird aus der Schule genommen, Timmy aus der Krippe. Arbeiten im Home Office, während die Kinder präsent sind, liegt für Stan nicht mehr drin. Stan lässt sich Einkäufe an die Haustüre liefern. Lustig ist es aber nicht, die beiden Racker in den eigenen vier Wänden bei Laune zu halten.

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Tag 15: Wendy hat hohes Fieber, Husten, vor allem aber klagt sie über enorme Müdigkeit. Stan müht sich immer noch mit den Kindern ab.

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Tag 18: Stan verspürt ein Kratzen im Hals. Auch Stans Test ist positiv. Negativ ist dafür die Stimmung. Die Kinder quengeln – in Absprache mit Stan verlässt Wendy nun die wohnungsinterne Quarantäne. Immerhin das. Aber ...

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Tag 21: Wendy liegt immer noch wie erschlagen im Bett, ähnlich ergeht es Stan. In diesem Zustand den Kindern gerecht zu werden, ist unmöglich. Diese zeigen nur minime Symptome, sind aber vermutlich auch infiziert. Dafür kleben sie aufgrund ihrer Selbstorganisation meist nur noch am Bildschirm. Ab und zu holen sie sich in der Küche Chips und Kekse.

So beschrieb eine betroffene Redaktorin der «Schweizer Illustrierten» ihre Corona-Odyssee, als sie, ihr Mann und die Kinder an Covid-19 erkrankten. Sie spricht von Tagen der «Anarchie».

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Tag 25: Wendy geht es nun so gut, dass sie sich wieder zufriedenstellend um die Kinder kümmern kann. Weil Stan aber noch immer flach liegt, kann sie nicht zur Arbeit.

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Tag 28: Stan ist auch über dem Berg und übernimmt die Kinderbetreuung. Wendy kann wieder zur Arbeit, weil sie 48 Stunden ohne Symptome war.

Tag 30: Die ganze Familie ist seit 48 Stunden symptomfrei. «Normalität» kehrt wieder ein.

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Video: watson/Adrian Müller, Nico Franzoni

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zappenduster 14.05.2020 17:19
    Highlight Highlight Ohne Tests ist doch alles fürn Arsch sorry. Ich war eine Woche mit dem Zivilschutz im Spital, mit dutzend anderen Zivilschützern. Wir durften / mussten uns im Spital frei bewegen hatten den ganzen Tag Kontakt mit (dreckiger) Spitalwäsche.

    Ende der Woche gibts es keinen Tests nichts, alle Personen verteilen sich nach geleistetem Dienst wieder im ganzen Kanton und gehen ihrer Arbeit nach.

    Mir fehlt da etwas die Logik.
    • Bravo 14.05.2020 19:30
      Highlight Highlight auch ein anderer Kommentar hier zum Fürchten. der Papa liegt habtot ungetestet zu Hause und der Rest der Familie geht zur Arbeit. und auch die Kinder raus. gut, Kinder sind ja zum Glück in der Schweiz unproblematisch...
  • Zappenduster 14.05.2020 16:59
    Highlight Highlight Schreibtischtäter.
  • Sayonara 14.05.2020 16:13
    Highlight Highlight Stan hat minime Symptome, findet aber es sei ja nicht schlimmer als eine Grippe und nicht zu vergessen, Stan steht sich sowieso selbst am nächsten. Da Stan definitiv keine Lust darauf hat 10 Tage im Schlafzimmer zu verbringen ist Stan clever und erwähnt die Symptome nicht. So kann Stan weiterhin ins Büro, weil ins Büro geht man erst nicht mehr wenn man nicht mehr aufrecht stehen kann hat Stan gelernt. Am Wochenende besuchen Stan, Wendy und die Kinder Jochen und Ava-Maria zu einer Grillparty. Weil Stan und Wendy lassen sich doch von dieser Hysterie nicht einschüchtern #zynischerealsituation ;)
  • MadameNana 14.05.2020 13:21
    Highlight Highlight Man stelle sich vor Kyle (Patient 1) und Wendy sind Lehrpersonen. Wird dann das gesamte Schulhaus inkl. betroffener Familien in Quarantäne gesetzt? 🤔
  • HARPHYIE 14.05.2020 12:29
    Highlight Highlight Und für was genau müssen wir uns an die teilweise absurden und nicht einhaltbaren Weisungen des BAG halten? Ah ja stimmt ja, zugunsten der Wirtschaft, das ganze Leben besteht nur noch darin den roten Teppich zugunsten der Wirtschaft auszulegen und uns alle nach belieben zu biegen, damit der Konsummotor wieder angeworfen werden kann!
    • Grohenloh 14.05.2020 16:41
      Highlight Highlight Äh... die Wirtschaft... sind das nicht die, die unsere Löhne zahlen...?
    • bokl 14.05.2020 19:14
      Highlight Highlight @Grohenloh
      Ähhh nein. Das Geld der Löhne kommt von den Kunden...

      Darum heisst es heute ja auch "Customer first" und nicht "Economy first" ;)
  • messanger 14.05.2020 11:58
    Highlight Highlight "Am 11. Mai wurden sie aus dem Home Office ins Büro beordert."

    Optimaler Fall: Der Arbeitgeber hat erkannt, dass die Arbeit auch von Zuhause erledigt werden kann und werden nicht ins Büro beordert. Die Infektionsketten werden unterbrochen, beide bleiben gesund.
  • lilie 14.05.2020 11:44
    Highlight Highlight Danke, @Patrick, für die anschauliche Zusammenstellung direkt aus der Praxis!👍

    Was man auch noch erwähnen darf: Der Kanton überwacht die Quarantänen und steht auch beratend zur Seite, um Lösungen im Alltag zu finden.

    Es macht sicher keinen Spass, schon normale Infekte können mit Kindern ganz schön anstrengend sein. Mit einem solch hochansteckenden Virus wird es zu einem (ich zitiere deinen Chef) "Eiertanz".

    Hoffen wir, dass alle Betroffenen alle Hilfe bekommen, die sie brauchen, und vor allem: den Mut und den Humor nicht verlieren!
  • Bravo 14.05.2020 10:59
    Highlight Highlight Der Horror... Aber auch bei anderen Erkrankungen mit Fieber ist das ja nicht gross anders. Super ist auch, wenn alle gleichzeitig Magen-Darm-Folgen haben und das WC besetzt ist. So ist das halt in Familien...
  • SpaceAgent 14.05.2020 10:15
    Highlight Highlight Offensichtlich ist jemand ein Fan von South Park, bei der Namensvergabe :)
  • AfterEightZuHauseUmViertelVorAchtEsser____________ 14.05.2020 10:12
    Highlight Highlight Der GAU sieht etwa so aus

    Stan arbeitet seit Anfang März im Homeoffice weil er mit eine Imunschwäche geboren wurde

    Tag 8: Stan hat kein gutes Gefühl und isoliert sich zur Sicherheit in einem separaten Zimmer.

    Tag 9: Wendy zeigt erste Symptome.

    Tag 18: Stan verspürt ein Kratzen im Hals.

    Tag 19: Stan geht zur Sicherheit in ein Spital

    Tag 25: Wendy vermisst Stan, weil sie ihn nicht besuchen darf.

    Tag 30: Wendy erhält vom SVA einen Brief. In dem steht, dass sie ab sofort Anspruch auf ein Witwenrente hat.
    • lilie 14.05.2020 12:14
      Highlight Highlight @A8um1945E: Ach, jetzt versprüh doch hier nicht solche Fröhlichkeiten! 😳

      Natürlich kann und wird es passieren, dass auch Familien von sehr schweren oder sogar tötlichen Verläufen betroffen sind.

      Aber erstens dürfen mW enge Familienangehörige (natürlich mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen) Kranke im Spital besuchen.

      Und zweitens kann auch das Überleben eines schweren Verlaufs sehr schwierig sein, weil man noch für Wochen geschwächt ist und weder auf Arbeit noch in der Familie voll einsatzfähig ist.

      Das ist dann auch kein Spass.
    • Marabamba 14.05.2020 22:09
      Highlight Highlight Meine Tante darf ihren Mann, der mit Corona auf der Intensivstation liegt nicht besuchen. Obwohl es ganz schlecht aussieht für ihn.
    • lilie 14.05.2020 22:19
      Highlight Highlight @Marabamba: Ach herrje! Das tut mir leid. Darf ich fragen in welchem Kanton?

      Mein Onkel durfte seine Frau den ganzen Lockdown lang besuchen. Sie hatte zwar selber nicht Corona, gehörte aber in ihrem gesundheitlichen Zustand zur Hochrisikogruppe (Kanton Zürich).
    Weitere Antworten anzeigen
  • maylander 14.05.2020 09:52
    Highlight Highlight Gibt es keine Schweizer Stockfotos?

    Und vor allem wo sind die kultigen Doppelnamen geblieben?
    • InfulänzerAufInstagähn 14.05.2020 10:41
      Highlight Highlight Der Artikel ist nicht von Jodok... ;-)
  • WID 14.05.2020 09:50
    Highlight Highlight Guter Bericht. Macht Sinn, sich frühzeitig daruf vorzubereiten. Werde ich sogleich anpacken...
    • Wolk 14.05.2020 18:58
      Highlight Highlight Wie?
    • WID 15.05.2020 06:25
      Highlight Highlight @ Wolk: wer bei Krankheit sich wo aufhält, Hygiene durchdenken, Reinigungsmail zusammenstellen...
  • little.saurus 14.05.2020 09:49
    Highlight Highlight Ich muss ehrlich zugeben, obwohl ich im Moment leichte Symptome habe werde ich mich nicht testen lassen. Schon einmal lies ich mich testen, was sehr unangenehm war. Zudem kostet es mich aufgrund vom Selbstbehalt zu viel, was ich mir für einen, vermutlich negativ ausfallenden, Test nicht leisten kann und möcht.
  • Berner 14.05.2020 09:47

Nach 2 Monaten in Isolation: Wie mein Omi ihren Lebensmut verloren hat

Ein Sturz zwang meine 86-jährige Grossmutter in den verhassten Rollstuhl und ins Altersheim. Nachdem sie ihr Leben lang für ihre Selbstständigkeit gekämpft hat, bedeutete das die ultimative Kapitulation. Dann kam der Lockdown.

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