«Wie im Wilden Westen»: Susanne Willes neue Sparmassnahme empört SRF-Mitarbeiter
Am vergangenen Freitag setzte die Mediengewerkschaft SSM einen Protestbrief an die SRG-Generaldirektorin Susanne Wille auf. In nur zwei Tagen haben 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schweizer Radios und Fernsehens die Eingabe unterschrieben. Das entspricht rund zwölf Prozent aller Angestellten.
Der Protest richtet sich gegen die Entlassung von vier Sprechausbildnern. Die Gewerkschaft und die zahlreichen Unterzeichnerinnen und Unterzeichner fordern die Rücknahme der Kündigungen.
Wille vergleiche Äpfel mit Birnen, heisst es
Das Schweizer Fernsehen schreibt: Die Weiterbildung bei der SRG sei seit Januar 2026 überregional organisiert. Dabei seien Sparmassnahmen im Bereich Sprech- und Auftrittstraining bei SRF vorgesehen. «Ein sorgfältiges und verantwortungsvolles Vorgehen ist für SRF dabei zentral.»
Die Gewerkschaft SSM hält diese Argumente für fragwürdig. Die SRG wolle in der Deutschschweiz gleiche Verhältnisse wie in der Romandie und im Tessin. Dort gebe es keine festangestellten Sprechtrainer und Auftrittcoaches.
Die Situation bei SRF sei aber eine andere: Viele Moderatorinnen und Moderatoren bestritten die Sendungen nicht in ihrer Muttersprache, sondern auf Hochdeutsch. Darum sei es falsch, Sprechtrainer zu entlassen. Angestellte befürchten, dass dadurch die Qualität der Moderationen leidet. Die sogenannte Auftrittskompetenz sei zentral in diesem Beruf.
Die Gewerkschaft kritisiert ausserdem, dass SRF nun betont: Die Leistungen blieben «im Sinne der Qualitätssicherung» weiterhin bestehen und könnten auch künftig gemäss den individuellen Bedürfnissen intern oder extern bezogen werden.
Man wirft die Sprechtrainer raus, aber führt Sprechtrainings mit externen Fachleuten weiter. Wie viel Geld spart SRF damit ein? Nicht viel, sind die Mitarbeiter von Radio und Fernsehen überzeugt. Die SRF-Medienstelle geht in ihrer Stellungnahme nicht auf diesen Punkt ein.
Freistellungen kommen sehr schlecht an
Schliesslich halten es viele für unverständlich, dass die Sprechausbildner nicht nur entlassen, sondern auch freigestellt worden sind. Die Gewerkschaft schreibt, dass am Leutschenbach Zustände «wie im Wilden Westen» herrschten. Die Freistellungen wirkten «wie eine Strafübung» und seien «unmenschlich.»
SRF hält dazu fest: Eine Freistellung sei ein mögliches Mittel zum Schutz der betroffenen Mitarbeitenden, um die herausfordernde Zeit der Kündigungsfrist gut zu gestalten. Das kann man so interpretieren: Wir geben den Entlassenen Zeit für die Stellensuche.
Die Freistellung wird aber meistens aus einem anderen Grund verfügt. Das Unternehmen will verhindern, dass demotivierte Angestellte in den verbleibenden Monaten bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses die Stimmung im Team beeinträchtigen.
Wegen der Senkung der Medienabgabe von 335 auf 300 Franken muss die SRG Einsparungen vornehmen. Bis zu 900 Stellen könnten abgebaut werden. Wer lange für den Rundfunk gearbeitet hat, kann nach einer Entlassung mit einem vergleichsweise grosszügigen Sozialplan rechnen.
Unter den Angestellten der SRG wirft kaum jemand der Chefin Susanne Wille vor, dass sie das Sparpaket umsetzt. Viele kritisieren aber, dass sie an der falschen Stelle kürze und dabei mit unnötiger Härte vorgehe. (schweizheute.ch)

