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Schon wieder scheitert die Premiere von Todeskapsel Sarco

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Wird vorerst nicht in der Schweiz eingesetzt: die Todeskapsel Sarco. Hier bei der Präsentation durch Co-Präsidentin Fiona Stewart.Bild: keystone

Schon wieder scheitert Premiere in der Schweiz - Sarco-Kandidatin erhebt schwere Vorwürfe

Die Premiere mit der Todeskapsel in der Schweiz ist vorerst gescheitert. Kandidatin Nr. 1 hat sich zurückgezogen und kritisiert die Erfinder und Promotoren von Sarco heftig. Diese widersprechen und wollen einen neuen Anlauf nehmen - ebenfalls hierzulande.
31.07.2024, 09:4731.07.2024, 10:17
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Der «Tesla für Sterbewillige» kommt nicht zum Einsatz. Zumindest nicht dieser Tage und Wochen in der Schweiz, wie dies die Sterbehilfeorganisation Exit International noch vor wenigen Tagen noch angekündigt hatte.

Wie die NZZ am Mittwoch schreibt, hat die erste Kandidatin für den Einsatz mit der Todeskapsel Sarco ihr Interesse nämlich zurückgezogen und sich mit einer anderen Sterbehilfeorganisation aus dem Leben verabschiedet. Laut dem Bericht hätte die Frau aus den USA am 17. Juli, ihrem 55. Geburtstag, in der Schweiz mit Sarco aus dem Leben scheiden wollen.

Doch so weit kam es nicht. Und wie die NZZ aus einem Schreiben der Kandidatin Nr. 1 zitiert, liegt einiges im Argen rund um Sarco und dessen Erfinder und Promotor Philip Nitschke und dessen Mitstreiter. Sie erhebt in dem Schreiben nämlich schwere Vorwürfe gegen die Macher der als «Tesla für Sterbewillige» bekannt gewordenen Suizid-Möglichkeit.

Heftige Kritik an Sarco-Promotoren

Kurz zusammengefasst: Am Ende fühlte sich die Frau« ausgenutzt, vorgeführt und alleingelassen», wie die NZZ schreibt. So habe sie mit ihrem Ersparten für Auslagen der Begleiter auf ihrem letzten Weg durch die Schweiz aufkommen müssen. Dabei sei sie dauernd von Medien begleitet worden, selbst wenn sie sich dagegen gewehrt habe.

Und schliesslich habe sie aus den Medien erfahren, dass die Methode zur Selbsttötung durch Stickstoff hierzulande umstrittener sei, als ihr dies im Vorfeld dargestellt worden sei. Das habe das Fass schliesslich zum Überlaufen gebracht, so der Bericht.

Laut dem Bericht widersprechen die Sarco-Macher den Aussagen ihrer Kandidatin Nr. 1 allerdings diametral. Die Vertreter von Exit International hätten darauf bestanden, ihre eigenen Auslagen - Lebensmittel, Restaurantrechnungen, Tickets - von ihrer Kreditkarte abzubuchen.

Der Hintergrund der Geschichte: Wegen eines Nierenleidens war die Frau seit Jahren auf Dialyse angewiesen und litt an Polyneuropathie, einer Erkrankung des peripheren Nervensystems. Wie die NZZ weiter schreibt, war sie wegen ihrer Krankheiten an den Rollstuhl gefesselt und stark übergewichtig.

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Bereits vor zwei Jahren fiel Premiere ins Wasser

Wie die US-Amerikanerin innert derart kurzer Frist in der Schweiz allerdings eine andere Sterbehilfeorganisation und einen für die Selbsttötung nötigen Arzt als Gutachter fand, die ihrem Wunsch entsprachen, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Die Sarco-Konkurrenten haben sich allerdings stets kritisch geäussert über die Todeskapsel - aus organisatorischer, juristischer und auch aus technischer Sicht. Der Schweizer Exit-International-Ableger namens The Last Resort, der die Sarco-Premiere hierzulande organisieren sollte, ist dabei nicht zu verwechseln mit den ähnlich klingenden Selbsthilfeorganisationen Exit Schweiz mit Ablegern in der deutschen und welschen Schweiz.

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Sarco-Erfinder und -Promotor Philip Nitschke (r.) und Florian Willet sprechen Mitte Juli über die Premiere der Todeskapsel in der Schweiz.Bild: keystone

Die nun bekannt gewordene neueste Wendung in der bereits seit Jahren angekündigten Sarco-Premiere in der Schweiz kommt allerdings nicht ganz überraschend. Bereits 2022 war ein erster Anlauf für einen Suizid mit der Todeskapsel hierzulande gescheitert. Grund war damals, dass die hiesigen Partner quasi in letzter Minute kalte Füsse bekommen hatten.

Wie heute scheiterte auch damals das Vorhaben an rechtlichen Fragen. Zum Übungsabbruch hat die Erkenntnis beigetragen, dass die rechtliche Situation hierzulande weniger eindeutig sei, als sich dies die Sterbehilfe-Aktivisten erhofft hatten. Betroffen vom damaligen Übungsabbruch waren laut NZZ gleich mehrere Sterbewillige aus dem Ausland, die laut dem Verein auf der Warteliste standen, um ihr Leben in der Suizidkapsel in der Schweiz zu beenden. (sat/chmedia)

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30 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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RichiZueri
31.07.2024 10:07registriert September 2019
Die Sterbehilfeorganisation Exit hat einen vertretbaren und sinnvollen Grundgedanken, unabhängig davon, was man nun persönlich davon hält.
Exit International ist meines Erachtens eine profitgetriebene Organisation, welche versucht durch ähnliches Branding mit dem Ruf von Exit Schweiz möglichst viel Kohle zu scheffeln. Für mich gehört diese Organisation als Trittbrettfahrer verboten.
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Roli_G
31.07.2024 10:38registriert Januar 2021
"Die Vertreter von Exit International hätten darauf bestanden, ihre eigenen Auslagen - Lebensmittel, Restaurantrechnungen, Tickets - von ihrer Kreditkarte abzubuchen."

Wessen Kreditkarte? "ihre" im Sinne von "von der Kreditkarte der Kandiatin 1" oder im Sinne von "der eigenen Krediktarte"? Und wenn letzteres gemeint ist - wurde die Abrechnung dann als Spesen von der Frau zurückgefordert?
Die Kommunikation ist etwas verknorzt.
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Idealisst, Fabulisst, Alchemisst
31.07.2024 11:24registriert Januar 2014
« Die Sarco-Konkurrenten …» sagt eigentlich schon alles. Sterbehilfe ist offenbar zu einem Business geworden. Man kann wählen, ob man mit dem Velo, VW oder Tesla ins Jenseits respektive über den Jordan fahren will …
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