Schweiz
ÖV

Zürcher Stadtrat will VBZ-Rabatt bei finanzieller Schieflage kürzen

Tram Nr. 13 in Zürich
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zuerich-vbz-tram-13-swpsigbbc-893680.jpg
Die Stadtregierung will Abo-Beiträge reduzieren. Bild: Wikimedia

Zürcher Stadtrat will VBZ-Rabatt bei finanzieller Schieflage kürzen

30.09.2026, 13:1030.09.2026, 13:14

Das vom Stadtzürcher Stimmvolk beschlossene «VBZ-Abo für 365 Franken» hat seit Mittwoch ein konkretes Preisschild: 195 Millionen Franken soll es pro Jahr kosten. Weil es der Stadt finanziell auch schon besser ging, will sich der Stadtrat dabei eine Hintertür offen lassen.

Der Entscheid vom September 2025 war überdeutlich: Mit einem Ja-Anteil von 63,1 Prozent verlangten die Zürcherinnen und Zürcher, dass alle, die in der Stadt Zürich leben, ein VBZ-Jahresabonnement für 365 Franken kaufen können.

Dies entspricht einem Rabatt von rund 400 Franken. Ziel der SP-Initiative war es, mehr Leute zum Umsteigen auf Tram und Bus zu bewegen. Zudem sollte das Portemonnaie entlastet werden.

Die Entlastung könnte nun aber kleiner ausfallen als geplant. Denn der Stadtrat legte am Mittwoch erstmals das konkrete Preisschild für die Rabatt-Aktion vor: Er beantragt dem Gemeinderat 195 Millionen Franken pro Jahr. Im Abstimmungskampf lag der damals genannte Betrag noch bei etwa 140 Millionen Franken. Dies auch, weil der Stadtrat nicht mit einer «vollen Nutzungsquote» rechnet.

Abo-Beiträge sollen halbiert werden

Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass jede anspruchsberechtigte Person den Rabatt auch erhalten könne, schreibt der Stadtrat. Zudem sei in den 195 Millionen auch das erwartete Bevölkerungswachstum berücksichtigt.

Weil dies sehr viel Geld ist, will sich der Stadtrat nun eine Hintertür offen lassen: Bei schlechter Finanzlage will der Stadtrat die Kompetenz erhalten, die Vergünstigung an das Jahresabonnement zu kürzen. Konkret soll dies der Fall werden, wenn die Rechnung im Vorjahr ein Defizit von mehr als 100 Millionen Franken aufweist.

Sollte die Stadt also in finanzielle Schieflage geraten, will der Stadtrat die Abo-Beiträge um bis zu 50 Prozent reduzieren können. Auch Kürzungen von mehr als 50 Prozent sollen möglich sein, allerdings müsste das Parlament dann darüber entscheiden.

SP: «Missachtung des Volkswillens»

Das Parlament hat nun ein Jahr Zeit, über diesen Antrag zu entscheiden. Dann muss der ÖV-Rabatt erneut vors Volk. Die Diskussion dürfte hitzig werden: Die SP kritisierte, dass der zuständige Stadtrat Michael Baumer (FDP) den Volkswillen missachte, indem er plötzlich einen Rabatt-Kürzungmechanismus vorlege.

«Die Bevölkerung hat mit über 63 Prozent Zustimmung ein VBZ-Jahresabo für 365 Franken beschlossen, nicht für 602 Franken.» Das sei undemokratisch und inakzeptabel, schreibt die Partei.

Zudem seien die 195 Millionen Franken viel zu hoch angesetzt. «So viel wird das 365-Franken-Abo nie kosten», so die SP. Die Taktik dahinter sei klar. «Die Bevölkerung soll bei der zweiten Abstimmung mit einem Fantasiebetrag abgeschreckt werden.»

Für die GLP, die auch bei der Volksabstimmung gegen die SP-Initiative war, sind fast 200 Millionen Franken eindeutig zu viel. Die finanzielle Lage sei angespannt. Die GLP respektiere den Volksentscheid, biete aber Hand für eine «massvolle Umsetzung».

Das Geschäft geht nun ans Stadtparlament. Sagt das Volk Ja zur Umsetzungsvorlage, kann die Vergünstigung des VBZ-Abos frühestens auf Frühling 2028 eingeführt werden.

Um die Vergünstigung zu erhalten, sieht der Stadtrat Gutscheincodes vor. Abonnenten müssten diesen für den Kauf beziehen und einlösen. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
VBZ stellt das neue Züri-Tram «Flexity» vor
1 / 8
VBZ stellt das neue Züri-Tram «Flexity» vor
Am 24. April 2018 wurde in der VBZ-Zentralwerkstatt in Altstetten ein Modell des neuen «Flexity»-Trams vorgestellt. Der Einstand ist auf Ende 2019 vorgesehen.
quelle: vbz
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Junge Tat in Zürich vor Gericht
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
In Weil am Rhein (D) droht eine Rattenplage – so ist die Lage in Basel
In der Basler Nachbargemeinde gibt es immer mehr Ratten. Grund ist der trockene Hitzesommer. Wie sich die Baslerinnen und Basler nun verhalten sollen.
In der deutschen Stadt Weil am Rhein nahe Basel machen sich unliebsame Nagetiere breit: Ratten. «In den letzten Monaten haben wir vermehrt Meldungen erhalten, dass Ratten im Stadtgebiet gesichtet wurden», erklärt Ellen Nonnenmacher, Leiterin des Rechts- und Ordnungsdienstes von Weil am Rhein, dem SRF. Alleine in der zweiten Septemberwoche wurden 127 Tiere gezählt.
Zur Story