Zürcher Stadtrat will VBZ-Rabatt bei finanzieller Schieflage kürzen
Das vom Stadtzürcher Stimmvolk beschlossene «VBZ-Abo für 365 Franken» hat seit Mittwoch ein konkretes Preisschild: 195 Millionen Franken soll es pro Jahr kosten. Weil es der Stadt finanziell auch schon besser ging, will sich der Stadtrat dabei eine Hintertür offen lassen.
Der Entscheid vom September 2025 war überdeutlich: Mit einem Ja-Anteil von 63,1 Prozent verlangten die Zürcherinnen und Zürcher, dass alle, die in der Stadt Zürich leben, ein VBZ-Jahresabonnement für 365 Franken kaufen können.
Dies entspricht einem Rabatt von rund 400 Franken. Ziel der SP-Initiative war es, mehr Leute zum Umsteigen auf Tram und Bus zu bewegen. Zudem sollte das Portemonnaie entlastet werden.
Die Entlastung könnte nun aber kleiner ausfallen als geplant. Denn der Stadtrat legte am Mittwoch erstmals das konkrete Preisschild für die Rabatt-Aktion vor: Er beantragt dem Gemeinderat 195 Millionen Franken pro Jahr. Im Abstimmungskampf lag der damals genannte Betrag noch bei etwa 140 Millionen Franken. Dies auch, weil der Stadtrat nicht mit einer «vollen Nutzungsquote» rechnet.
Abo-Beiträge sollen halbiert werden
Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass jede anspruchsberechtigte Person den Rabatt auch erhalten könne, schreibt der Stadtrat. Zudem sei in den 195 Millionen auch das erwartete Bevölkerungswachstum berücksichtigt.
Weil dies sehr viel Geld ist, will sich der Stadtrat nun eine Hintertür offen lassen: Bei schlechter Finanzlage will der Stadtrat die Kompetenz erhalten, die Vergünstigung an das Jahresabonnement zu kürzen. Konkret soll dies der Fall werden, wenn die Rechnung im Vorjahr ein Defizit von mehr als 100 Millionen Franken aufweist.
Sollte die Stadt also in finanzielle Schieflage geraten, will der Stadtrat die Abo-Beiträge um bis zu 50 Prozent reduzieren können. Auch Kürzungen von mehr als 50 Prozent sollen möglich sein, allerdings müsste das Parlament dann darüber entscheiden.
SP: «Missachtung des Volkswillens»
Das Parlament hat nun ein Jahr Zeit, über diesen Antrag zu entscheiden. Dann muss der ÖV-Rabatt erneut vors Volk. Die Diskussion dürfte hitzig werden: Die SP kritisierte, dass der zuständige Stadtrat Michael Baumer (FDP) den Volkswillen missachte, indem er plötzlich einen Rabatt-Kürzungmechanismus vorlege.
«Die Bevölkerung hat mit über 63 Prozent Zustimmung ein VBZ-Jahresabo für 365 Franken beschlossen, nicht für 602 Franken.» Das sei undemokratisch und inakzeptabel, schreibt die Partei.
Zudem seien die 195 Millionen Franken viel zu hoch angesetzt. «So viel wird das 365-Franken-Abo nie kosten», so die SP. Die Taktik dahinter sei klar. «Die Bevölkerung soll bei der zweiten Abstimmung mit einem Fantasiebetrag abgeschreckt werden.»
Für die GLP, die auch bei der Volksabstimmung gegen die SP-Initiative war, sind fast 200 Millionen Franken eindeutig zu viel. Die finanzielle Lage sei angespannt. Die GLP respektiere den Volksentscheid, biete aber Hand für eine «massvolle Umsetzung».
Das Geschäft geht nun ans Stadtparlament. Sagt das Volk Ja zur Umsetzungsvorlage, kann die Vergünstigung des VBZ-Abos frühestens auf Frühling 2028 eingeführt werden.
Um die Vergünstigung zu erhalten, sieht der Stadtrat Gutscheincodes vor. Abonnenten müssten diesen für den Kauf beziehen und einlösen. (sda)
