Die Kantonspolizei St.Gallen rückte am frühen Montagmorgen zu einem Grosseinsatz am Rorschacher Seeufer aus: Die bekannte Rorschacher Badhütte stand in Vollbrand. Der Alarm sei um ca. 3.30 Uhr eingegangen, wie Mediensprecher Florian Schneider in einer Mitteilung schreibt.
Als die Einsatzkräfte eintrafen, stand das historische Bauwerk, das 1924 aufgerichtet wurde, bereits in Vollbrand.
Laut der Polizei war nichts mehr zu retten vom historischen Bauwerk – die Badhütte erlitt einen Totalschaden.
Weil das Gebäude auf Stelzen im Wasser steht, war die Bekämpfung der Brandnester aufwendig. Polizeisprecher Florian Schneider sagte am Morgen gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, es gelte noch die Glutnester zu löschen. Dies sei nicht einfach, weil die Badhütte auf Stelzen im See stehe und eingerüstet sei. Die Feuerwehr organisiere deswegen eine schwimmende Plattform.
Das Gebäude ist einsturzgefährdet. Damit die Forensiker es gefahrlos zur Ermittlung der Brandursache betreten können, muss es gemäss Schneider gesichert werden.
Die Brandursache ist noch unklar. Die Polizei sucht deshalb Zeugen. Das Badhaus ist wegen einer Dachsanierung eingerüstet. Ob zwischen den Bauarbeiten und dem Brand ein Zusammenhang besteht, war am Montagmorgen noch nicht bekannt, wie Polizeisprecher Florian Schneider sagte.
Über mögliche Opfer ist nichts bekannt. Die Kantonspolizei geht davon aus, dass sich keine Menschen im Gebäude befanden.
Die 1923/1924 erbaute Badhütte, dreiflügelige, fast schlossartige Anlage mit zwei Innenbecken war laut der Thurgauer Denkmalpflege «ein einzigartiges Baudenkmal». Die Architektur der 1920er-Jahre, eine Mischung aus traditionellem Holzbau und moderner Technik, sei exemplarisch und im Kanton einmalig, schrieb die Denkmalpflege am Montag nach dem verheerenden Brand in einer Würdigung .
Die Badhütte zeichnete sich aus durch eine weiträumige Dachlandschaft, moderne Betonkonstruktion der Stützen und vor allem durch zeittypische, verzierten Holzelemente aus. «Diese hundertjährige Handwerkskunst ist unwiederbringlich verloren - ein riesiger Verlust», so die Denkmalpflege.
Die Betroffenheit in der St.Galler Gemeinde ist deshalb gross. «Das ist eine Katastrophe für Rorschach und seine Einwohnerinnen und Einwohner», sagt Stadtpräsident Robert Raths dem «Tagblatt». Gegenüber Keystone-SDA kündigte er an:
Auch die langjährige Leiterin der Seebadeanstalt in Rorschach, Marialuisa Togni, ist traurig. Beim Anblick der Bilder habe sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten können, sagt sie dem «Tagblatt». Die Nachricht sei wie ein Schock für sie und für die Stadt sei es eine Tragödie, diese wundervolle Einrichtung zu verlieren.
Die Rorschacher Badhütte ist ein Wahrzeichen der Stadt am Bodensee. Sie ist besonders im Frühling und Sommer ein sehr beliebtes Seebad und Restaurant. Weiter war sie über Jahre hinweg ein bekannter Begegnungsort für Jung und Alt. (con/dab/sda)