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Polizeirapport

Polizei geht bei Drama in Montreux von kollektiver Selbsttötung aus

29.03.2022, 11:2329.03.2022, 16:32
Die Leichen der Familie lagen mitten auf der Strasse
Die Leichen der Familie lagen mitten auf der StrasseBild: keystone

Nach dem Drama von Montreux mit vier Toten und einem Verletzten gehen die Ermittler und die Staatsanwaltschaft von einem kollektiven Suizid aus. Die fünf Mitglieder einer Familie sprangen nacheinander in einem Zeitraum von fünf Minuten aus der Wohnung in die Tiefe.

Es habe keinerlei Vorzeichen für eine solche Tat gegeben, teilte die Kantonspolizei Waadt am Dienstag nach fünftägigen Ermittlungen mit. Diese hätten gezeigt, dass die Familie seit Beginn der Pandemie sehr an Verschwörungstheorien und Survival-Thesen interessiert gewesen sei. «Aber es gibt keine Spur, die uns in zu einem sektenhaften Milieu führt», sagte Jean-Christophe Sauterel, Sprecher der Kantonspolizei Waadt gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

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Die Familie verfügte laut Polizeiangaben über einen beeindruckenden Vorrat an Lebensmitteln aller Art, der sehr gut organisiert gewesen war. Der Vorrat nahm mehrere Räume der Wohnung ein und hätte es der Familie ermöglichen sollen, eine grosse Krise zu bewältigen.

Polizeitechniker auf dem Balkon, von wo die Familie gesprungen ist.
Polizeitechniker auf dem Balkon, von wo die Familie gesprungen ist.Bild: keystone

Zustand des Sohns stabil

Die fünf Mitglieder einer französischen Familie hatten sich am vergangenen Donnerstag mitten in Montreux aus dem siebten Stock einer Wohnung gestürzt. Dabei kamen der 40-jährige Vater, die 41-jährige Mutter, deren Zwillingsschwester und die achtjährige Tochter des Ehepaars ums Leben.

Der 15-jährige Sohn überlebte. Er befindet sich im Koma und konnte deshalb noch nicht befragt werden. Sein Zustand ist laut Polizeiangaben stabil.

Die Untersuchungsbehörden ordneten Autopsien der Leichen an. Die detaillierten Ergebnisse der toxikologischen Analysen waren am Dienstag nicht bekannt, wie Polizeisprecher Sauterel sagte.

Angst vor Einmischung durch Behörden

Gemäss Polizei lebte die Familie beinahe autark und zog sich aus der Gesellschaft zurück. Nur die Zwillingsschwester der Mutter arbeitete ausserhalb des Hauses. Weder die Mutter noch ihre achtjährige Tochter waren bei der Einwohnerkontrolle in Montreux gemeldet. Das erkläre auch, warum das Kind nicht zur Schule gegangen sei, schreibt die Polizei im Communiqué.

Wie bereits bekannt, war der Heimunterricht des 15-jährigen Sohns der Grund für ein Verfahren des Oberamts gegen den Vater. Weil dieser einer polizeilichen Vorladung nicht Folge leistete, wurden zwei Gendarmen bei der Wohnung der Familie vorstellig. Die Ermittlungen deuteten daraufhin, dass die Familienmitglieder Angst vor einer Einmischung der Behörden in ihr Leben hatten.

«Er war allen Vorladungen, die er erhalten hatte, nicht nachgekommen. Deshalb musste die Polizei eingreifen», erklärte Polizeisprecher Sauterel.

Keine Spuren eines Kampfes

Die Beteiligung Dritter schliesst die Polizei aus. Die fünf Personen stürzten kurz vor 07.00 Uhr innerhalb von fünf Minuten nacheinander aus einer Höhe von über 20 Metern in die Tiefe.

Vor oder während der Tat hatte kein Zeuge irgendwelche Geräusche oder Schreie aus der Wohnung oder vom Balkon gehört. Zu diesem Zeitpunkt waren die seit 6.15 Uhr anwesenden Polizisten noch vor Ort. Passanten befanden sich zudem am anderen Ende des Mehrfamilienhauses. Die Polizei entdeckte eine Trittleiter auf dem Balkon und stellte keine Kampfspuren fest.

Die beiden Polizisten wollten in dem Gebäude in der Rue du Casino den Vorführungsbefehl für den Familienvater zustellen. Sie klingelten an der Tür und meldeten sich an. Da sie nicht eintreten konnten, gingen sie nach einer Wartezeit von einigen Minuten unverrichteter Dinge, wie dies die Vorschriften vorsehen. Danach stürzten sich die fünf Menschen in die Tiefe. (aeg/sda)

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