Schweiz
Rassismus

Debatte um queere Menschen eskaliert im Zürcher Kantonsrat

Eine Uebersichtsaufnahme zeigt den Zuercher Kantonsratsaal waehrend einer Kantonsratssitzung, am Montag, 4. Mai 2026 in Zuerich. (KEYSTONE/Michael Buholzer)...
Der Zürcher Kantonsrat.Bild: KEYSTONE

Debatte um queere Menschen eskaliert im Zürcher Kantonsrat

Für die SVP sind Migranten schuld an der Diskriminierung von queeren Menschen. Linke Kantonsrätinnen und Kantonsräte haben der Partei daraufhin Rassismus vorgeworfen. Eine Debatte um ein abzuschreibendes Postulat eskalierte am Montag im Zürcher Kantonsrat.
08.06.2026, 15:3508.06.2026, 19:01

Die kantonale Fachstelle Gleichstellung soll 180 zusätzliche Stellenprozente erhalten, um schwule, lesbische, Transpersonen und weitere queeren Menschen zu beraten und unterstützen. Laut Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) würde damit ein Verfassungsauftrag umgesetzt.

Susanne Brunner (SVP, Zürich) war mit den zusätzlichen Stellen nicht einverstanden. Mehr Stellen könnten die Probleme von queeren Menschen nicht lösen. «Diese Probleme haben wir wegen dem Ausmass an Migration», sagte sie. Und löste damit eine heftige Debatte aus.

Susanne Brunner SVP Zürich
Susanne Brunner löste eine Debatte im Zürcher Kantonsrat aus.Bild: zvg

Selma L'Orange Seigo (Grüne, Zürich) fand: «Die SVP ist eine ausländerfeindliche Partei». David Garcia Nuñez (AL, Zürich) nannte Brunners Aussage ignorant. «Die Bürgerlichen sind schuld, dass wir lange diskriminiert wurden. Bei Transmenschen passiert das immer noch», sagte er. Verbrechen hätten stattgefunden.

«Rassistische Propaganda»

Markus Bopp (SVP, Otelfingen) versuchte mit einem Beispiel zu erklären, was die SVP meint. Ein Film von SRF berichtete von einem schwulen Paar das Berlin verlassen hatte und in die Schweiz zog. Begründet wurde dies mit Anfeindungen durch migrantische Menschen. «Beurteilen sie wie wir heute politisieren, nicht früher», sagte Bopp. Die SVP habe alle Menschen gern.

«Mit ruhiger Stimme rassistische Aussagen tätigen, macht sie nicht weniger rassistisch»

Zu einer sachlichen Debatte führten auch diese Aussagen nicht. «Es ist heuchlerisch, dass sie das Thema für rassistische Propaganda nutzen», sagte Leandra Columberg (SP, Dübendorf). «Mit ruhiger Stimme rassistische Aussagen tätigen, macht sie nicht weniger rassistisch», fand L'Orange Seigo.

«Ungeheurliche Vorwürfe»

Hans Egli (EDU, Steinmaur) führte einen weiteren Punkt ins Feld, warum es keine zusätzlichen Stellen brauche. Die Fachstelle sei nicht für Sprachregelungen und Beratungen für geschlechtsangleichende Operationen zuständig. Zudem müsste auch die jüdische Community eine eigene Fachstelle erhalten, diese sei noch mehr von Hass betroffen.

Garcia Nuñez platzte erneut der Kragen. «Die EDU will Transjugendliche vernichten», sagte er. Egli bestritt das, die Bemerkung sei «sehr unanständig». Auch Ueli Bamert (SVP, Zürich) wehrte sich gegen die «ungeheuerlichen Vorwürfe» von Garcia Nunez. «Es ist eine Tatsache, dass Homophobie bei muslimischen Zuwanderern weiter verbreitet ist, als in anderen Kreisen», sagte er.

«Gesinnung führt zu Hassrede»

Brigitte Röösli (SP, Ilnau-Effretikon) berichtete, dass junge queere Menschen oft von Schweizerinnen und Schweizern angefeindet werden. Jonas Pfister (Grüne, Winterthur) sagte, er sei schon häufig Ziel von Hassrede gewesen. «Diese Leute tun das wegen ihrer Gesinnung, nicht ihrer Herkunft».

Fast schien vergessen zu gehen, dass das Geschäft nur ein abzuschreibendes Postulat war. SVP und FDP wollten es mit einer abweichende Stellungnahme abschreiben. Die Fachstelle Gleichstellung sollte keine weiteren Stellen erhalten. Der Antrag scheiterte mit 74 zu 99 Stimmen.

Zu Ende ist das Thema nicht. Susanne Brunner kündigte bereits an, in der Budgetdebatte im Dezember gegen die 180 Stellenprozente vorzugehen. Sie sprach von geplanter «staatlicher Umerziehung» von Bevölkerungsteilen. (sda)

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403 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Adigro
08.06.2026 15:46registriert November 2014
Typisches Beispiel für die heutige Debattenklutur. Nur noch Schwarz oder Weiss, all or nothing. Dass das Gegenüber zumindest ansatzweise Argumente haben könnte, wird von vorneherein ausgeschlossen.
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Bits_and_More
08.06.2026 15:53registriert Oktober 2016
Ja, gerade muslimische Menschen haben häufig mehr Vorurteile gegen Nichtheteros und ein konservatives Weltbild. Das zu Verleugen bringt nichts.

Auch Ja, die SVP war mehrheitlich gegen die Ehe für Alle (Notiz am Rande, die Junge SVP TG hatte die Japarole gefasst).

SVP / EDU und konservative Muslime haben stärker überschneidende politische Haltungen als SVP / EDU verglichen mit SP / Grün.
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Firefly
08.06.2026 15:56registriert April 2016
Migranten und queere Menschen sind Minderheiten. Macht endlich mal wieder Politik für die Mitte der Gesellschaft.

-Krankenkassenprämien
-bezahlbare Mieten
-faire Löhne
...

Probleme zu lösen gäbs genug andere!
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