Velos im Zug: Wer hat Anspruch auf den Transport – und warum gibt es keine Velowagen mehr?
Im Interregio zwischen Zürich und Biel können keine Veloplätze reserviert werden. Normalerweise findet sich trotzdem ein Platz. An Pfingsten wollten aber so viele mit ihrem Zweirad mitreisen, dass die Kundenbegleiter der SBB einige von ihnen am Betreten des Zuges hindern mussten. Nun stehen die Sommerferien an – und Velofans fragen sich: Droht ihnen das gleiche Schicksal?
Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wann muss ich für mein Velo reservieren?
Vom 21. März bis 31. Oktober sowie an allen Wochenenden, an Feiertagen und Tagen wie Mittwoch vor Auffahrt muss für die Mitnahme von Velos in allen Intercity-Zügen vorab ein Platz reserviert werden. Das ist online oder in der App möglich und kostet 2 Franken. Das ganze Jahr über obligatorisch ist die Reservation auf den Linien IC2/21, IC5/51 sowie auf den Schweizer Abschnitten in den Zügen der Kategorien EC, ICE, RJX und im Intercity Zürich-Stuttgart. Die genauen Regeln finden sich hier.
Was gilt auf den anderen Zügen?
Ausserhalb dieser Zeiten, in Zügen des Regionalverkehrs oder in Interregio-Zügen gilt salopp formuliert: «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst». Wenn die Veloplätze in einem Zug belegt sind, gibt es kein Anrecht auf Mitnahme – ausser, das Velo wird in einem Velosack und mit abmontiertem Vorderrad transportiert.
In vielen Zügen gibt es mittlerweile grössere Flächen ohne Sitzplätze. Wenn eine solche Zone für einen bestimmten Zweck gedacht ist, haben die entsprechenden Kundengruppen Vorrang. Wenn etwa auf der Türe eines Wagens ein Kinderwagen-Symbol aufgedruckt ist, haben Kinderwagen dort eine höhere Priorität als Velos. Dasselbe gilt für Rollstühle oder Velos in dafür bezeichneten Wagen und Abteilen. Grundsätzlich wünsche man sich aber von der Kundschaft, dass aufeinander Rücksicht genommen wird, sagt SBB-Sprecherin Fabienne Thommen. Das Personal könne zwar teilweise vermitteln, aber auf einem bis zu 400 Meter langen Zug sei das nicht immer möglich.
Wo sind Velos verboten?
Bis vor kurzem galt auf der S-Bahn Zürich in den werktäglichen Stosszeiten morgens und abends ein generelles Verbot für die Velomitnahme. Dieses wurde aufgehoben, aber auf vielen Verbindungen ist die Mitnahme weiterhin nicht erlaubt. Die entsprechenden Züge sind mit einem durchgestrichenen Velo-Symbol im Onlinefahrplan markiert.
Immer verboten ist der Velotransport in den Zügen auf den Zürcher Uetliberg zwischen Uitikon-Waldegg und Uetliberg. Das gilt auch, wenn sie in Transporttaschen verstaut sind.
Habe ich das Recht, im ÖV mein Velo mitzunehmen?
Nein. Es gibt keine Beförderungspflicht für Velos. Der Transport ist nur möglich, wenn genügend Platz vorhanden ist und Mitreisende nicht behindert werden. Fluchtwege und Ein- und Ausgänge müssen immer freigehalten werden. Velos, die stark verschmutzt sind, können von der Beförderung ausgeschlossen werden. Im Zweifelsfall liegt der Entscheid beim Personal des jeweiligen Zugs, Busses oder Trams. Das gilt auch für Velos mit Reservation.
Wieso wurde die Reservationspflicht eingeführt?
Der Velotransport in Zügen gewinnt seit Jahren an Beliebtheit. Das Jahr 2025 war ein absolutes Rekordjahr: Es wurden 428'800 Velotageskarten und 15'200 Velo-Pässe verkauft. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 waren es noch 305'800 Velotagespässe und 9'000 Velopässe. Mit der Zunahme an Veloreisenden wurde auch die Platz-Problematik dringlicher, weshalb 2021 die Reservationspflicht eingeführt wurde. Vergangenes Jahr wurden in Intercity-Zügen knapp 250'000 Veloreservationen getätigt.
Wird die Reservationspflicht ausgedehnt?
Nein. Eine Ausweitung etwa auf Interregio-Züge ist nicht vorgesehen. Man wolle nicht «mit Kanonen auf Spatzen schiessen» und wegen einer über die ganzen Saison betrachtet überschaubaren Anzahl Züge die Reservationspflicht ausweiten, sagt Thommen.
Gibt es zu wenig Veloplätze in den Zügen?
Die Zahl der Plätze für Velos, Kinderwagen und Gepäck ist laut SBB in den vergangenen Jahren deutlich erhöht worden und es seien weitere Ausbauten geplant. Durch Umbauten des Rollmaterials, die zum Teil bereits abgeschlossen sind und zum Teil noch laufen, erhöht sich die Kapazität laut Sprecherin Fabienne Thommen um 585 Veloplätze im Fernverkehr. Bei der Beschaffung von neuen Zügen seien Veloplätze immer ein Thema. Zudem versuche man, an Spitzentagen zusätzliche Plätze zu schaffen, etwa in dem Logistikabteile für den Velotransport genutzt werden. Auch werde zusätzliches Personal aufgeboten.
Dass es an Spitzentagen zu Platzknappheit kommen kann, ist aber auch in Zukunft nicht auszuschliessen. Das liegt auch daran, dass es unterschiedlichste Ansprüche ans Rollmaterial gibt: Werktags wollen die Pendler auch in stark ausgelasteten Zügen einen Sitzplatz – und die Reisenden an Wochenenden stehen ebenfalls ungern, wollen aber auch genug Platz für ihre Velos oder Koffer. Dieses Dilemma lässt sich nie gänzlich auflösen. Teilflotten etwa mit einzelnen Velowagen wären sehr teuer und würden nur an wenigen Tagen zum Einsatz kommen.
Wieso werden keine Velowagen eingereiht?
Heutige Züge sind oft keine «klassische» Züge mit Lokomotive und Wagen, sondern Triebzüge, bei denen der Antrieb in den Wagen verbaut ist. Triebzüge bestehen aus einer fixen Anzahl Wagen, die im Regelbetrieb nicht getrennt werden können, mit Führerständen auf beiden Seiten. Das Einreihen von einzelnen Wagen ist deshalb nicht möglich. Allenfalls könnten einzelne Wagen angehängt werden. Das würde aber einen hohen Aufwand bedeuten, da diese bei jeder Wende wieder abgehängt werden müssten. Zudem würde das eine unwirtschaftliche Kleinflotte an Wagen voraussetzen.
Hinzu kommt: Die früher eingesetzten Gepäckwagen gibt es nicht mehr. Sie wurden mit dem Erreichen ihrer Lebenszeit ausgemustert. «Heute wäre es völlig undenkbar, dass Reisende ihr Velo selbstständig in einen hochflurigen Wagen wuchten», sagt SBB-Sprecherin Thommen. Zudem dürfe bezweifelt werden, dass Gepäckwagen wie jene von früher die Kundschaft glücklich machen würden. Die Velos hätten damals auch an Haken an der Decke eingehängt werden müssen. «Die Kundschaft erwartet von uns heute, dass sie ihr Velo bequem in den Zug rollen und hinstellen kann», sagt Thommen. Mittlerweile gehören dazu auch E-Bikes, die gut und gerne 25 Kilogramm schwer sein können. (schweizheute.ch)

