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USA kritisieren Schweiz: Anwälte halfen Russen, Vermögen zu verwalten

Die USA lesen der Schweiz die Leviten: Zwei Zürcher Anwälte sollen Russen geholfen haben

31.10.2024, 18:1031.10.2024, 22:12
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Die USA haben die Schweiz scharf dafür kritisiert, dass ihr Rechtsrahmen für illegale Finanzaktivitäten missbraucht wird.

US-Botschafter Scott Miller forderte in einer Mitteilung mehr Engagement der Schweiz, um Lücken im Geldwäschereigesetz zu schliessen, wie die Tamedia-Zeitungen berichten. Der Hintergrund sind neue US-Sanktionen gegen die zwei Zürcher Anwälte Andres Baumgartner und Fabio Delcò, denen Washington vorwirft, russische Vermögenswerte zu verwalten.

Scott Miller, Ambassador of USA to Switzerland, holds his national statement during the Ukraine Recovery Conference URC, Tuesday, July 5, 2022 in Lugano, Switzerland. The URC is organised to initiate  ...
US-Botschafter in der Schweiz: Scott Miller. (Archivbild)Bild: keystone

Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs haben die USA mehr als zwei Dutzend Schweizer Firmen und Personen sanktioniert, wie der «Tages-Anzeiger» weiter berichtet. Miller wird deutlich:

«Die Schweiz [...] kann und muss mehr dafür tun, damit ihr Rechtsrahmen nicht für illegale Finanzaktivitäten missbraucht wird.»
US-Botschafter Scott Miller

Am Mittwoch verabschiedeten die USA ein neues Sanktionspaket – ebenfalls auf der Liste: zwei Schweizer Anwälte mit Büro in Zürich. Konkret handelt es sich um Andres Baumgartner und Fabio Delcò von der Kanzlei Dietrich, Baumgartner & Partner. Sie sollen «wichtige Verwalter russischer Vermögenswerte» sein, so die US-Vorwürfe. Baumgartner und Delcò hätten für «viele russische Kunden, darunter sanktionierte russische Privatpersonen», Dienste erbracht. Sie sollen Direktoren zahlreicher russischer Unternehmen sein.

Ebendiese Kanzlei tauchte bereits in den Panama Papers 2016 auf. Die Anwälte hatten Briefkastenfirmen von Sergei Roldugin dirigiert – der Cellist ist seit ihrer Kindheit mit Wladimir Putin und dessen Familie befreundet und sogar Götti seiner Tochter.

Gegenüber den Tamedia-Zeitungen wollten die beiden Anwälte zunächst keine Stellung beziehen. Gehen die USA jetzt auf Eskalationskurs? Miller sagt dazu:

«Die Botschaft ist klar: Die Vereinigten Staaten fokussieren darauf, die Umgehung von Sanktionen überall auf der Welt zu bekämpfen. Wir müssen zusammenarbeiten, um die Fähigkeiten des Kremls zu stoppen, seine Kriegsmaschinerie gegen das ukrainische Volk einzusetzen. Und wir müssen auf der richtigen Seite der Geschichte stehen – zur Unterstützung des ukrainischen Volkes, das die demokratischen Werte verteidigt, die wir teilen.»

Bis heute gibt es in der Schweiz keine Konsequenzen für die beiden Zürcher Anwälte – das Geldwäschereigesetz ist dafür verantwortlich. Die Anwälte haben die Briefkastenfirmen nämlich nicht selbst geführt. Das übernahmen im Fall von Roldugin Strohleute in Panama, die wichtige Dokumente jeweils unterzeichneten.

Wenn ein Amwalt oder Treuhänder die Firma seiner Kundschaft auf dem Papier nicht selbst führt, untersteht er nach heutiger Rechtslage nicht dem Schweizer Geldwäschereigesetz. Er muss auch nicht nachfragen, wer hinter dem Vermögen der betroffenen Firma steckt.

(rbu) mit Material der SDA

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98 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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banda69
31.10.2024 18:29registriert Januar 2020
Es ist eine Schande. Es ist nichts weiter als aktive Unterstützung der Russen für deren Morden, Vergewaltigen, Foltern, Entführen und Zerstören.

Aber eben. Diese Rechtsanwälte kriegen bestimmt politische Schützenhilfe von den Putinkollaborateuren von der himmeltraurigen SVP.
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Fritz Spitz
31.10.2024 18:49registriert Juli 2014
1. Diese Anwälte gehören direkt ins Gefängnis, nicht über Los.
2. Schon übel, dass die USA so etwas aufdecken muss und die Schweiz einfach nicht interessiert ist, gegen russische Gelder vorzugehen.
3. Ich schäme mich für dieses Land.
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Weltbürger
31.10.2024 20:24registriert März 2019
"Wenn ein Amwalt oder Treuhänder die Firma seiner Kundschaft auf dem Papier nicht selbst führt, untersteht er nach heutiger Rechtslage nicht dem Schweizer Geldwäschereigesetz. Er muss auch nicht nachfragen, wer hinter dem Vermögen der betroffenen Firma steckt" ei wi gäbig das doch von der eidgenossenschaft wieder eingerichtet wurde....
s/
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