An diesem bis 2001 absolut geheimen Ort herrschen immer kühle 6 Grad
Die Schweiz ächzt unter den heissen Temperaturen. Am Wochenende dürften weitere Rekorde fallen. Das Quecksilber steigt da und dort im Unterland bis über die 35-Grad-Marke. Da hilft nur eines: Abkühlung suchen.
Ein guter Tipp ist dabei immer: Geh in die Berge. Dort sind die Temperaturen tiefer. Für den Gotthardpass (fast 2100 Meter über Meer) sind für das Wochenende maximal 22 Grad angekündigt. Dort gibt es beispielsweise eine etwas versteckte 7-Seen-Wanderung, die dich auf fast 2500 Meter führt:
Aber knapp über 22 Grad ist noch nicht das Höchste der Gefühle. Denn für weniger Anstrengung – direkt bei der Passhöhe gibt es auch konstante 6 Grad serviert. Wo? In der Festung Sasso San Gottardo.
Diese wurde von 1941 bis 1945 im Rahmen des Schweizer Reduits während des Zweiten Weltkriegs als Artilleriewerk «Sasso da Pigna» in den Fels gebaut. Mit Kanonen Richtung Süden galt sie als uneinnehmbar.
Der 8000 Quadratmeter grosse Bau mit 2,4 Kilometern Stollen war im Ernstfall für bis zu 500 Soldaten ausgelegt. Bis 2001 blieb er streng geheim. Seit 2012 befindet sich in der ehemaligen Anlage ein Museum. Und die Temperatur liegt hier das ganze Jahr über bei 6 Grad (Verbindungsstollen, Teile der historischen Festung).
In den Ausstellungsräumen erwartet dich bei 14 bis 18 Grad die landesweit einzige Dauerausstellung über Goethe in der Schweiz und seine dreimaligen Gotthardreisen. Du kannst also auch bei heissen Temperaturen gut einen Pullover oder eine dünne Jacke einpacken.
Das Sasso San Gottardo lässt sich gut nach der oben erwähnten Wanderung besuchen. Du bist da übrigens auch in einem Schweizer Rekord unterwegs: Es handelt sich um die grösste öffentlich zugängliche Festungsanlage der Schweiz.
Ja, es gibt noch grössere, aber jene kannst du nur mit einer Führung besuchen. Hier kannst du von Juni bis Oktober (ab September Montag und Dienstag geschlossen) alleine durch die Anlage gehen.
Und es wird dabei auch ziemlich abenteuerlich. Unter anderem kannst du im Berg mit einer Standseilbahn fahren. Diese führt dich auf 160 Metern deren 80 Höhenmeter hinauf und bringt dich zu den Truppenunterkünften und dem heutigen Aussichtsbalkon.
Die Geschütze sind teilweise noch zu sehen. Sie zielten in alle Täler rund um den Gotthard und machten ihn zur uneinnehmbaren Festung.
Die Festung ist grundsätzlich gut zugänglich. Machst du die grosse Rundtour, verbringst du gut und gerne 1,5 bis 2 Stunden im Berginneren – und geniesst die kühlen Temperaturen.
Wer noch tiefer in die Geschichte oder den Berg eintauchen will: Es gibt auch geführte Touren, diese dauern etwas länger. Eine davon ist die Abenteuertour, bei welcher du mit Helm ausgerüstet auch noch einen stillgelegten Teil der Anlage besuchst (rund drei Stunden).
Falls du auch solche Rekorde kennst, schreib mir an: reto.fehr@watson.ch
