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Schweiz der Rekorde

Wie ich die längste Treppe der Welt am Niesen bezwingen wollte

Niesen Treppenlauf Schweiz der Rekorde Berglauf
Die letzten Meter auf der längsten Treppe der Welt. Im Tunnel da oben geht's dann nochmals rund 150 Meter weiter zur Bergstation.Bild: Rob Lewis Photography
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11'674 Stufen am Stück! So litt ich auf der längsten Treppe der Welt

Die Niesen-Treppe gilt als längste der Welt. 11'674 Stufen führen vom Tal auf den 2362 Meter hohen Gipfel. Normalerweise ist die Treppe gesperrt, aber während einer der seltenen Ausnahmen wagte ich die Herausforderung – und kam an meine Grenzen.
03.02.2026, 11:3003.02.2026, 11:55

Der Niesen ist ein beliebter Aussichtsberg im Berner Oberland. Mit der Standseilbahn erreichst du den Gipfel des pyramidenförmigen Berges am Thunersee mühelos in rund 30 Minuten. 1669 Höhenmeter verteilt auf 3,4 Kilometer bewältigt die Bahn dabei. Zum Unterhalt und für die Bergung in Notfällen führt eine Treppe der Bahn entlang. Mit 11'674 Stufen ist dies die längste Treppe der Welt.

Das Betreten der Treppe ist normalerweise zu jeder Zeit verboten und gefährlich. Allerdings findet einmal im Jahr der Treppenlauf statt und als Gruppe kannst du die Treppe auch mieten, um zu «trainieren» (siehe Infobox unten).

Niesen Berglauf Schweiz der Rekorde
Wichtig: Die Niesen-Treppe ist grundsätzlich nicht zugänglich. Ausnahmen bilden der jährliche Treppenlauf im Sommer und organisierte Trainings in den frühesten Morgenstunden.Bild: Reto Fehr

Schon lange damit geliebäugelt

Ich liebäugelte ja schon länger damit, den Niesenlauf mal zu absolvieren. Allerdings stand es um meine Form aufgrund von Verletzungen in den letzten Jahren nicht zum Besten. Doch dann tat sich unverhofft die Chance auf. Das Problem: Der Testlauf sollte bereits vier Wochen später stattfinden. Aber so ist das Leben. «Wenn das Licht angeht, musst du bereit sein. Egal, ob du dich gut fühlst oder nicht», wie ein berühmter Boxer einst sagte.

Niesen-Treppenlauf Strecke
Die Strecke der Niesenbahn (rot) mit den vier Tunneln. Bild: map.geo.admin

Ich schreibe also Organisator Adrian Josty, den ich seit einem Interview über seine 31 Jungfrau-Marathons in Serie kenne, ob er für mich auch ein 4-Wochen-Spezialtraining habe, damit ich fit genug bin, um die Strecke in den vorgeschriebenen 2:45 Stunden zu knacken. Das sollte ja eigentlich machbar sein, denn die langsamste Teilnehmerin beim letzten offiziellen Lauf kam in 2:13 Stunden oben an. Seine Antwort: «Das ist einfach: Treppensteigen, Treppensteigen, Treppensteigen.»

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So führt die Treppe gefühlt endlos dem Gleis entlang (leider kommt nicht rüber, wie steil es hier ist).Bild: Reto Fehr

Null Spass beim Training

Ehrlich gesagt, hatte ich darauf wenig Lust. Ich stellte darum einfach mal das Laufband so steil wie möglich ein und lief zwei Stunden. Es machte null Spass. Per Zufall hatte Josty wenige Tage später mit meiner Frau Kontakt und verriet ihr in Bezug auf mein Vorhaben: «Die wenigen Trainingstage nützen so kurz vor dem Event nicht mehr viel. Wenn Krämpfe ausbleiben, wird es sich bei Reto im Kopf entscheiden.»

Als sie mir dies erzählte, war ich beruhigt und wusste: Ich kann die längste Treppe der Welt bezwingen. Weil Dinge können, die ich eigentlich nicht kann – das kann ich.

Guter Vorsatz hält bis Stufe 12 von 11'674

So stehe ich an einem kalten Samstagmorgen um 4.30 Uhr bei der Talstation, zusammen mit rund 40 anderen, die sich die Treppe antun wollen. Die einzige Vorgabe: Um 7.15 Uhr müssen wir oben sein, weil danach der Bahnbetrieb startet.

Die anderen, das sind aus meiner Perspektive alles solche, die mindestens mal einen Ultralauf hinter sich gebracht haben, locker einen Halbmarathon absolvieren oder die Niesentreppe auch schon bezwungen haben. Da passe ich nicht ganz rein. Ich entscheide mich darum, als Letzter zu starten. Dass es leicht regnet, hellt meine Stimmung nicht gerade auf.

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Beim Start der Treppe: Ich lasse den anderen mal den Vortritt.Bild: Reto Fehr

Josty meint vor dem Start noch: «Es ist nicht gut, anzuhalten, denn wenn man das einmal macht, genehmigt man sich dies immer wieder. Lass das gar nicht erst zu.» Ich halte den Vorsatz bis Stufe 12. Denn ich will für watson meinen Weg dokumentieren. Und bei Stufe 12 weiss ich: Nur noch 1000 Mal dieses Stück und ich bin oben. Das zweite Mal stoppe ich bei Stufe 117 (nur noch 100-mal diese Strecke).

Punktlandung ist nach der Hälfte möglich

Danach geht's richtig los. Doch schon in den ersten Minuten merke ich, wie mein Puls ähnlich schnell in die Höhe steigt, wie mein Rückstand zur Spitze wächst. Dabei hatte Josty noch gesagt: «Wichtig ist, dass du dich pulsmässig nie überpowerst. Am Niesen gilt, dass der Puls, den du mal hast, eigentlich nie mehr runter geht, weil es ja nie flach wird und man auch nicht anhalten will.» Stopps werde ich in den nächsten zwei Stunden (gezwungenermassen) immer wieder einbauen. Es ist für mich die einzige Möglichkeit, den Puls doch irgendwann wieder sinken zu lassen. Denn wenn ich laufe, dann eh schon sehr, sehr langsam.

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Tritt für Tritt durch die Nacht. Die Lichtkegel weiter oben sind andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Trainingslaufs.Bild: Adrian Josty

Trotzdem geht es Tritt für Tritt nach oben. Falls du mal rausfinden willst, was Monotonie bedeutet: Hier wirst du fündig. Josty, der zur Sicherheit der Gruppe das Schlusslicht bildet, nimmt mir bald den Rucksack ab. Was für eine Erleichterung. Ich schliesse tatsächlich bis zur Mittelstation nach 2,1 Kilometern auch wieder zu den hintersten Mitläufern auf. Josty sagt: «Wenn wir den zweiten Teil mit diesem Tempo absolvieren, dann gibt es oben eine Punktlandung um 7.15 Uhr.»

Krampf-Anzeichen kurz vor dem Ziel

So steigen wir weiter durch die Nacht. Ein letzter Checkpoint ist das Ende des Hegerentunnels, welchen wir um 6.45 Uhr passieren müssen. Die Uhr zeigt 6.43 Uhr an, als wir da sind. Josty sagt: «Wir haben Vorsprung.» Ich habe auch schon mehr gelacht.

Kaum verlassen wir den Tunnel, schlägt das Wetter richtig um. Es ist kalt, nass und windig. Erstmals ist jetzt aber das Ziel in Sicht. Es fehlen noch rund 350 Meter. Doch da deutet sich im linken Oberschenkel ein Krampf an. Das darf nicht wahr sein.

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Glücklich wieder unten bei der Talstation. Ohne den laufenden Support und das gute Zureden von Adrian Josty (r.) («Nei, du häsch iz kä Chrämpf») hätte ich die Treppe kaum geschafft.Bild: Reto Fehr

Das Schlimmste und Beste

Als ich das Josty eröffne, meint er nur: «Nein, das bildest du dir ein, weil du das Ziel siehst. Du. Häsch. Iz. Kä. Chrämpf.» Ich kippe nochmals Magnesium und Zucker nach. Ich will ihm glauben, dass ich keine Krämpfe kriege. Und tatsächlich: Die Krämpfe lösen nicht aus, auch wenn ich gefühlt die letzten Minuten immer nur eine falsche Bewegung davon entfernt bin. So eiere ich Tritt für Tritt weiter. Nach fast 2:45 Stunden erreiche ich das Ziel. Die Uhr zeigt 7.14 Uhr – eine Minute vor der Deadline. Ich will mich freuen, aber die Kraft fehlt.

Die Quälerei ist gleichzeitig etwas vom Schlimmsten und Besten, das ich je gemacht habe. Ich steige von der Bergstation noch die letzten Meter (treppenlos!) auf den Gipfel. Denn die Aussicht soll ja fantastisch sein. Allerdings sehe ich wegen des Nebels genau ... nichts. Ein Grund, um nochmals hierherzukommen. Allerdings dann nicht morgens um 4.30 Uhr über die Treppe.

So würde das dann etwa aussehen:

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Das ist der Niesen bei Kaiserwetter: Blick auf Thuner- und Brienzersee, in die Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau und vielen weiteren Gipfeln und ...Bild: Rob Lewis Photography
Niesen Niesenbahn Treppenlauf längste Treppe der Welt Schweiz der Rekorde
... in die andere Richtung über Thun und bis weit ins Mittelland.Bild: Rob Lewis Photography
Der Niesen-Treppenlauf
Grundsätzlich ist das Begehen der Niesen-Treppe jederzeit verboten und gefährlich. Es handelt sich um eine Diensttreppe für den Unterhalt und Bergetreppe für Notfälle. Die Treppe gilt mit 11'674 Stufen und einer Höhendifferenz von 1669 Metern als längste der Welt.

Einmal im Jahr wird der Niesen-Treppenlauf durchgeführt, nur dann ist das Begehen offiziell erlaubt. Das nächste Mal findet der Lauf am 12. (Staffellauf) und 13. (Einzellauf) Juni 2026 statt. Die Anmeldefrist läuft vom 14. Januar bis zum 8. Februar 2026. Das Kontingent ist beschränkt. Ob du wirklich mitmachen darfst, wird danach ausgelost.

Wer trainieren will, kann eines der offiziellen Trainingsdaten nutzen oder die Treppe für Gruppen-Events (49 Fr./Person) mieten. Mit dem Treppen-Abonnement darfst du die Treppe von 3 bis 7 Uhr nutzen – musst dich aber vor dem Start registrieren. Alle Infos hier.
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63 Kommentare
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Ragl
03.02.2026 11:39registriert Juli 2015
Nice, in Olten kann man am 1000er Stägeli jederzeit trainieren für‘s nächste mal ;-)
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Der Micha
03.02.2026 13:46registriert Februar 2021
Das war der Schulweg meines Vaters.
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Heinzbond
03.02.2026 11:42registriert Dezember 2018
hut ab... und dann auch noch in der geforderten Zeit... und das mit sagen wir mal so lari fari "training"
ich glaube nicht das ich es probieren würde, und das obwohl ich bis zum dritten Stock selber keinen Lift benutze...
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