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Rima Hassan: Europaabgeordnete offenbart Spaltung innerhalb der SP

epa13038642 Rima Hassan, French-Palestinian Member of the European Parliament, lawyer and activist visits Council of States member Carlo Sommaruga (not pictured) and other parliamentarians for a meeti ...
Die umstrittene französische Politikerin Rima Hassan war im Bundeshaus zu Gast.Bild: keystone

«Sollte nicht im Bundeshaus auftreten dürfen»: Rima Hassan spaltet die SP

Der Besuch von Rima Hassan im Bundeshaus zeigt eine Spaltung innerhalb der Schweizer Linken in der Palästina-Frage. Während sich einige französischsprachige Abgeordnete aus der Romandie präsent zeigten, zogen es die deutschsprachigen Sozialdemokraten vor, Abstand von der französisch-palästinensischen Politikerin zu halten. Für einige gilt sie als zu umstritten.
16.06.2026, 03:2716.06.2026, 03:31
Alexandre Cudré / watson.ch/fr

Die französisch-palästinensische Aktivistin Rima Hassan war am Montag auf Einladung der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Schweiz-Palästina und ihres Präsidenten Carlo Sommaruga (SP/GE) im Bundeshaus. Ihr Besuch, der bereits letzte Woche geplant war, fand nach einer Blitzreise in den Libanon statt.

Unter den Gästen waren auch Schweizer Teilnehmer der letzten Gaza-Flottille. So beispielsweise der frühere Genfer Stadtpräsident Rémy Pagani, der an dem Projekt zusammen mit Hassan teilgenommen hatte.

Sieben Parlamentarier seien extra vorbeigekommen, sagt Carlo Sommaruga gegenüber watson, allesamt aus dem linken Spektrum. Der Genfer Nationalrat Christian Dandrès war einer von ihnen. «Die Berichte der Flottille und die anschliessenden Diskussionen waren interessant», sagt er. Das Treffen dauerte eine Stunde, Rima Hassan habe dabei nur teilweise das Wort ergriffen.

«Es ging schnell. Uns hat die Zeit gefehlt, um die Frage der Anerkennung des palästinensischen Staates durch die Schweiz zu behandeln.»
Christian Dandrès, Nationalrat (SP/GE)
Christian Dandres, SP-GE, spricht zum Mietrecht, an der Fruehjahrssession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 7. Maerz 2023 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Christian Dandrès.Bild: keystone

Während Christian Dandrès und mehrere seiner Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie das Treffen geschätzt haben, war das auf der anderen Seite der Saane nicht der Fall. «Kein sozialdemokratischer Parlamentarier aus der Deutschschweiz war anwesend», erklärt er. Nur eine grüne Zürcher Abgeordnete vertrat die deutschsprachige Linke. Angesichts der Kräfteverhältnisse im Parlament ist das nicht viel. Carlo Sommaruga erklärt es so:

«Leider konnten verschiedene Parlamentarier, darunter auch Sozialdemokraten aus der Deutschschweiz, aufgrund der Verlegung des Treffens nicht teilnehmen.»
Carlo Sommaruga, Ständerat (SP/GE)
Rima Hassan, a French-Palestinian lawyer, activist, and politician, right, is visiting Council of States member Carlo Sommaruga (SP-GE), left, and other parliamentarians for a meeting at the Federal P ...
Carlo Sommaruga hiess Rima Hassan willkommen.Bild: keystone

Ein «Rimagraben» innerhalb der SP

Aber das scheint nicht der einzige Grund zu sein. Die Aargauer Sozialistin Gabriela Suter hatte ohnehin nicht vor, dorthin zu gehen. Sie erklärt es so:

«Die Hamas ist in der Schweiz verboten, und auch wenn ich der Meinungsfreiheit grosse Bedeutung beimesse, sollten diejenigen, die sich hartnäckig bemühen, die Gräueltaten dieser Gruppe zu relativieren und ein problematisches Narrativ zu bedienen, nicht im Bundeshaus auftreten dürfen.»
Gabriela Suter, SP-AG, spricht waehrend der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 17. Maerz 2022, im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Gabriela Suter.Bild: keystone

Gabriela Suter ist im Übrigen nicht die einzige sozialdemokratische Abgeordnete aus der Deutschschweiz, die diese Haltung vertritt. Als watson die Zürcherin Priska Seiler-Graf danach fragt, kommt die Antwort:

«Nein, ich werde sie nicht treffen. Persönlich hätte ich es vorgezogen, wenn man eine Vertreterin eingeladen hätte, die offener für den Dialog und differenzierter ist.»
Priska Seiler-Graf, Nationalrätin (SP/ZH)

Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier der SVP oder des Mitte-Rechts-Spektrums sind also nicht die einzigen, die Rima Hassan kritisch sehen: Auch innerhalb der Linken selbst herrscht kein Konsens über die EU-Abgeordnete. Ist der «Röstigraben» innerhalb der Sozialdemokratischen Partei selbst zu einem «Rimagraben» geworden?

«Ich kenne keinen sozialdemokratischen Parlamentarier aus der Deutschschweiz, der an dieser Veranstaltung teilnimmt.»
Priska Seiler-Graf, conseillère nationale (PS/ZH)
Nationalraetin und Praesidentin der Sicherheitspolitischen Kommission Priska Seiler Graf, SP-ZH, spricht waehrend einer Medienkonferenz der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats (SiK-N) z ...
Priska Seiler-Graf.Bild: keystone

Auch Molina war nicht dort

Dennoch stellt die SP die palästinensische Sache keineswegs infrage. Auf der Website der Partei ist ein Kasten mit einem Aufruf zur Initiative für die Anerkennung des palästinensischen Staates deutlich sichtbar, direkt unter einer Petition zum Mindestlohn. Es ist also tatsächlich die Person Rima Hassan, die spaltet.

Selbst der Zürcher Fabian Molina, der im September 2025 im Nationalrat erfolglos versucht hatte, spontan eine Schweigeminute für Palästina abzuhalten, war nicht beim Treffen am Montagmorgen anwesend. Er, der als einer der wichtigsten Fürsprecher des palästinensischen Volkes jenseits der Saane bekannt ist, hatte laut eigener Aussage eine andere Priorität in seinem Terminkalender.

Ein «unbestreitbarer Unterschied»

«Es gibt einen unbestreitbaren Unterschied darin, wie die Debatte zu diesem Thema in der Romandie und in der Deutschschweiz geführt wird», räumt Christian Dandrès ein.

Im vergangenen September hatte der Ständerat die Anerkennung des palästinensischen Staates abgelehnt. Seine deutschschweizerische Mehrheit führte dabei praktische rechtliche Gründe an, da es im Gazastreifen und im Westjordanland keine stabile Regierung gebe.

«In der Deutschschweiz werden meine Kolleginnen und Kollegen, die sich zu offen zur Palästinafrage äussern, von der Presse angegriffen oder sogar als antisemitisch bezeichnet – auch wenn die öffentliche Meinung ein Ende der Massaker in Palästina befürwortet.»
Christian Dandrès, Nationalrat (SP/GE)

«Aufgrund des Holocausts schenkt Deutschland allen Kritikpunkten im Zusammenhang mit Antisemitismus besondere Aufmerksamkeit», analysierte der Politologe René Knüsel für watson. «Die deutschen Standpunkte werden in den Medien der Deutschschweiz aufgegriffen, die unsere Politiker konsumieren und von denen sie teilweise auch ein Spiegelbild sind.»

Angesichts dieses Punktes, bei dem die Deutschschweizer keinerlei Abweichungen zulassen, stossen die zweideutigen Positionen von Rima auf Ablehnung. «Sie verharmlost den Terrorismus der Hamas und betrachtet ihn im Lichte des Völkerrechts als legitim», schrieb kürzlich Priska Seiler-Graf in der «Jüdischen Allgemeinen».

Dieser Unterschied «ist ein Problem», merkt Christian Dandrès an, der zudem sagt, er habe im Parlament auch das internationale Genf zu vertreten. «Es ist eine Pflicht, dieses koloniale Vorhaben, die Säuberung und die systematische Zerstörung, die von der rechtsextremen Regierung Benjamin Netanjahus betrieben wird, offen zu verurteilen», sagt er.

«In Israel gibt es Männer und Frauen, die sich dieser Regierung widersetzen. Das müssen wir auch hier tun.»
Christian Dandrès

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quelle: keystone / abir sultan
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