Schweiz
SVP

10-Millionen-Initiative: SVP legt in Kantonen trotz Niederlage weiter zu

SVP dürfte in den Kantonen von der Abstimmungsdebatte profitieren

15.06.2026, 13:0015.06.2026, 13:34

Die SVP bleibt in den Kantonen auf dem Vormarsch: 65 Sitze hat die Partei in den kantonalen Parlamenten seit 2023 zugelegt. Auch von der intensiven Debatte zur 10-Millionen-Initiative dürfte sie profitiert haben, wie ihr jüngster Wahlerfolg in Graubünden zeigt.

Es war ein zwiespältiger Wahl- und Abstimmungssonntag für die Bündner Rechte: Trotz der Niederlage bei der nationalen 10-Millionen-Initiative hatte die SVP Grund zur Freude. Mit Valérie Favre Accola kehrt die Partei nach 18 Jahren in die Regierung zurück. Sie jagte der Mitte einen Sitz ab und sorgte dafür, dass diese künftig keine Regierungsmehrheit mehr stellt.

Ein Abstimmungsplakat steht in einem Saal beim Abstimmungsstamm fuer die Volksinitiative "Keine 10-Millionen Schweiz -Nachhaltigkeitsinitiative" der SVP, ueber die Volk und Staende an diesem ...
Bei ihrer 10-Millionen-Initiative konnte die SVP keinen Erfolg verzeichnen.Bild: keystone

Bei den Parlamentswahlen legte die Partei im Bergkanton um zehn Sitze zu und ist neu mit 35 Sitzen die stärkste Kraft im Grossen Rat. Ein ähnliches Bild zeigte sich im Kanton Glarus. Die SVP baute dort die Vormachtstellung im Landrat aus und besetzt neu 24 der 60 Sitze im kantonalen Parlament.

65 zusätzliche Sitze seit 2023

Die beiden Kantone reihen sich damit in eine schweizweite Tendenz ein: Seit den nationalen Wahlen von 2023 hat die SVP in den kantonalen Parlamenten um insgesamt 65 Sitze zugelegt, wie eine Auswertung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zeigt. Die Sitzgewinne gingen auf Kosten von Mitte, FDP, GLP und Grünen.

Für die Politikwissenschaftlerin Sarah Bütikofer vom Forschungsinstitut Sotomo ist dieser Trend auch auf die Parteigrösse der SVP zurückzuführen. «Wenn sie ihre Wählerschaft gut mobilisiert, profitiert sie entsprechend», sagt sie.

Auch die SP als zweite Polpartei profitierte zuletzt von der zunehmenden Polarisierung, allerdings bei weitem nicht so stark wie ihr rechter Opponent. Neun Sitze haben die Sozialdemokraten seit 2023 dazu gewonnen. Weil die Grünen insgesamt 25 Sitze einbüssten, verlor Rotgrün aber unter dem Strich an Schlagkraft.

SVP profitiert von Debatte

Auch von der 10-Millionen-Initiative und den damit verbundenen Diskussionen dürfte die SVP profitiert haben - obwohl das Stimmvolk ihre Vorlage insgesamt versenkte. Es helfe der Partei, wenn in Politik, Medien und Gesellschaft über ihre Kernthemen wie Migration, Zuwanderung, Asylwesen sowie Neutralität und EU diskutiert werde. «Diese Debatten führen zu einer Mobilisierung ihrer Wählerschaft und stärken die Partei bei Wahlen», so Bütikofer.

Insofern sei auch der «Niedergang» von Grünen und Grünliberalen damit zu erklären, dass ihre Themen wie Umweltschutz und Mobilität deutlich an Aufmerksamkeit verloren haben. Die SP hingegen profitierte von den sozialen Themen, die in der vergangenen Legislatur im Fokus standen.

Wie sich diese Tendenzen auf die anstehenden nationalen Parlamentswahlen auswirken, zeigt sich laut Bütikofer im kommenden Frühling: Zürich als grösster Kanton wählt dann eine neue Regierung und ein neues Parlament.

Kopfwahlen weniger eindeutig

Bei den Regierungswahlen zeigte sich in der laufenden Legislatur ein weniger eindeutiges Bild zugunsten der SVP. Zwar schafften ihre Vertretungen zuletzt neben Graubünden auch in Basel-Land und Solothurn neu den Sprung in die Regierung. Die Sitzgewinne der Partei passierten aber vor allem ab 1990. Für Bütikofer ist es vielmehr eine neue Entwicklung der SVP, dass vier ihrer neuen Mandate in Kantonsregierungen von Frauen besetzt werden.

In Graubünden dürfte die anstehende Veränderung in der Regierung laut Bütikofer zudem «auf dem Papier wesentlich grösser als inhaltlich» sein: Der zurückgetretene Regierungsrat Jon Domenic Parolini hatte seine politische Karriere bei der SVP begonnen und gelangte durch die Abspaltung der BDP und die darauffolgende Fusion mit der CVP zur Mitte. «Von dem her ist der Sitzgewinn der SVP zu relativieren», so die Politikwissenschaftlerin. (hkl/sda)

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Voraus denken!
15.06.2026 13:13registriert März 2022
Wer wählt die Rechtspopulisten-Truppe?

Wer verschwendet seine wertvolle Stimme an jemanden, der so kommuniziert, sich so verhält und so politisiert wie es diese gefährliche Truppe tut?

Ich habe durchaus verschiedene Ansichten als die Grünen oder die Mitte. Ich bin auch nicht zufrieden wie die Politik läuft. Aber deswegen Sch**e fressen?
2011
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Rethinking
15.06.2026 14:30registriert Oktober 2018
Die schweizer kapieren es partout nicht…

Seit 60 Jahren oder länger ist die SVP die grösste Partei!

Seit Gedenken ist bürgerlich Rechts in der Mehrheit!

Logische Schlussfolgerung: ALLE Probleme die seit Jahrzehnten nicht gelöst werden oder immer grösser werden sind aufgegeben BÜRGERLICH RECHTS!

Wenn ihr die Probleme lösen wollt, müsst ihr ANDERS wählen!
2016
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