Schweiz
Tier

Biber in Aargauer Badis: Tiere in Biberstein und Fisibach aufgetaucht

ARCHIV - 15.07.2009, Nordrhein-Westfalen, D
Vor 60 Jahren gab es in Biberstein keine Biber mehr, nun sorgt ein Exemplar für einen Badi-Lockdown (Symbolbild).Bild: keystone

Warum der Biber plötzlich in Badis auftaucht – und wann er abgeschossen werden darf

Vor hundert Jahren gab es in der Schweiz keine Biber mehr. Heute erobern sie Flüsse, Bäche und sogar Badis.
28.07.2026, 19:4828.07.2026, 20:46
Felix Ertle / ch media

Erst Biberstein, dann Fisibach: Innert weniger Tage mussten zwei Aargauer Badis wegen eines Bibers schliessen. Auch wenn die Biber den Badegästen inzwischen wieder aus eigenen Stücken Platz gemacht haben: Begegnungen dieser Art dürften sich häufen.

Warum tauchen jetzt plötzlich Biber in den Badis auf?

Vor allem, weil es heute deutlich mehr Biber gibt als noch vor wenigen Jahrzehnten. 1978 lebten in der Schweiz erst 111 Tiere, 2022 waren es bereits rund 4900, wie Schätzungen der nationalen Biberfachstelle zeigen. Im Sommer verlassen zudem zweijährige Jungbiber das Revier ihrer Eltern und suchen ein eigenes. Viele geeignete Gewässer entlang der grossen Flüsse sind inzwischen besetzt. Deshalb erkunden sie auch kleinere Bäche, Weiher, Kanäle – oder Badis.

Wie soll man sich verhalten, wenn man schwimmend einem Biber begegnet?

Biber greifen Menschen nicht von sich aus an. Fühlen sie sich bedrängt oder in die Enge getrieben, können sie sich jedoch verteidigen. Das gilt auch, wenn sich ein Biber zu lange in einer Badi bleibt und sich da heimisch fühlt. Dann könne er sein Revier verteidigen, erklärte Gerhard Wenzinger, Präsident von Jagd Aargau, gegenüber Tele M1.

Wer einem Biber im Wasser begegnet, sollte ihm ausweichen und genügend Abstand lassen. Es helfe sogar, ruhig mit dem Tier zu sprechen, damit es den Schwimmer wahrnehme, empfiehlt die nationale Biberfachstelle. Besonders vorsichtig sollte man in der Nähe einer Biberburg sein. Dort ziehen die Tiere ihren Nachwuchs auf. Deshalb sollte man nie direkt vor einer Biberburg schwimmen oder gar zum Eingang tauchen.

Ein junger Biber Castor fiber schwimmt im Wasser des Bogener Donaualtarms. Die Umgebung ist von Pflanzen umgeben. Es ist Abend und das Licht ist weich. Der Biber ist aktiv und sucht nach Nahrung. Boge ...
Bild: imago

War der Biber nicht erst noch vom Aussterben bedroht?

Dass Biber Menschen beissen, kommt äusserst selten vor. Wie unsere Zeitung bereits 2024 berichtete, sind in der Schweiz lediglich wenige dokumentierte Fälle bekannt. Sie ereigneten sich, weil die Tiere überrascht oder in die Enge getrieben wurden. Im Berner Marzilibad hingegen, wo seit Jahren eine Biberfamilie lebt, kam es trotz Tausender Badegäste nie zu einem Zwischenfall.

Anfang des 19. Jahrhunderts war der Biber in der Schweiz ausgerottet. Er wurde wegen seines Fells, seines Fleisches und des sogenannten Bibergeils gejagt – eines Drüsensekrets, dem heilende Wirkung zugeschrieben wurde. Zwischen 1956 und 1977 wurden 141 Biber aus Norwegen, Frankreich und Russland wieder angesiedelt. Seit 1962 steht der Biber unter Schutz. Denn mit ihren Dämmen und Biberteichen schaffen die Tiere neue Lebensräume. Eine vom Bundesamt für Umwelt in Auftrag gegebene Schweizer Studie zeigte letztes Jahr: In von Bibern geprägten Gewässern leben durchschnittlich 2,6-mal mehr Arten und 5,9-mal mehr Individuen als in vergleichbaren Gewässern ohne Biber. Biberteiche halten zudem Wasser in der Landschaft zurück, verbessern die Wasserqualität und speichern Kohlenstoff.

Gibt es bereits zu viele Biber in der Schweiz?

Seit das Tier unter Schutz gestellt wurde, wuchsen die Bestände immer schneller: In den letzten 20 Jahren hat sich der Bestand mehr als verdreifacht. Das Bundesamt für Umwelt spricht trotzdem nicht von einer Überpopulation. Zwar wächst der Bestand weiter, doch in einigen Regionen verlangsamt sich das Wachstum bereits, weil viele geeignete Gewässerabschnitte besetzt sind.

Die Rückkehr des Bibers in der Schweiz
Bild: BAFU – Biber-Webdossier

Konflikte gibt es immer mehr. Biberdämme können Drainagen zurückstauen und Landwirtschaftsland vernässen. Zudem untergraben Biber Strassen, Wege oder Hochwasserschutzanlagen und können die Siedlungsentwässerung beeinträchtigen. Laut einem Bericht zur letzten nationalen Biberbestandserhebung im Jahr 2022 galten damals 28 Prozent der Biberreviere als konfliktträchtig. Mehr als 80 Prozent dieser Konflikte entstehen in landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Gerade die Ausbreitung an kleineren Bächen habe in den vergangenen Jahren zu mehr Konflikten geführt, schreibt das Bundesamt für Umwelt.

Werden problematische Biber abgeschossen?

Seit dem 1. Februar 2025 dürfen die Kantone einzelne Biber abschiessen, wenn sie erhebliche Schäden verursachen oder Menschen gefährden. Dazu gehören etwa untergrabene Strassen oder Hochwasserschutzanlagen sowie zurückgestaute Drainagen auf Fruchtfolgeflächen.

Zuvor müssen jedoch andere Lösungen geprüft werden. Oft reichen angepasste Drainagen, regulierte Biberdämme oder der Schutz einzelner Bäume und Infrastrukturen. Auch Umsiedlungen sind möglich. Erst wenn diese Massnahmen nicht ausreichen, kommt ein Abschuss infrage. Allerdings: Frei gewordene Reviere werden häufig rasch wieder von anderen Bibern besetzt, wie das Bundesamt für Umwelt festhält. Abschüsse lösen viele Konflikte deshalb nur vorübergehend. (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die ultimative Otten-Slideshow (wirklich!)
1 / 102
Die ultimative Otten-Slideshow (wirklich!)

Hier bekommst du gleich die volle Ladung Otten-Bilder. Es sind wirklich, wirklich viele ...

quelle: imgur
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Neues Phänomen: Orcas rammen Mondfische
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
46 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
el cóndor terminado
28.07.2026 20:04registriert Juni 2021
"Seit dem 1. Februar 2025 dürfen die Kantone einzelne Biber abschiessen,..."
Ich nehme mal an im Wallis war das vorher schon i.O.🤣
557
Melden
Zum Kommentar
avatar
Her Majesty
28.07.2026 20:00registriert Dezember 2022
Hauptsache die Bauern können jeden Quadratmeter bis an die Gewässer nutzen... Dumm nur, wenn dank Drainagen und mangels Feutgebieten, Mooren, und ja, auch Biebern dann wie aktuell ganze Felder verdorren.
5313
Melden
Zum Kommentar
avatar
Roli_G
28.07.2026 20:25registriert Januar 2021
Biber halten Wasser zurück. Der Nutzen davon sollte aktuell offensichtlich sein.
357
Melden
Zum Kommentar
46
Berner Hofladen-Kette Rüedu stellt Betrieb per sofort ein
Die Berner Hofladen-Kette Rüedu hat ihren Betrieb am Montagabend eingestellt. Das Unternehmen konnte die für den Weiterbetrieb notwendige Finanzierung nicht rechtzeitig sicherstellen.
Zur Story