Wer folgt auf den Eisvogel? Das sind die Kandidaten für den Vogel des Jahres 2027
Am ersten Oktober startet das Voting für den Vogel des Jahres 2027. BirdLife Schweiz hat dafür vier Kandidaten aufgestellt. «Sie alle sind eng mit blütenreichen Wiesen verbunden: Baumpieper, Braunkehlchen, Wachtel und Wachtelkönig. Und sie machen sichtbar, wie stark ihr Lebensraum bedroht ist», schreibt die Naturschutzorganisation in einer Medienmitteilung vom Donnerstag. Wir stellen die Nominierten etwas genauer vor:
Baumpieper
Der Baumpieper ist bekannt für seinen besonderen Singflug: Er steigt von einer Baumspitze auf und gleitet singend im Fallschirmflug zurück zur Erde. Obwohl er Baum im Namen trägt, lebt und brütet er vor allem am Boden und nutzt Bäume hauptsächlich als Singwarten.
Sein gut verstecktes Nest baut er in Wiesen aus Gräsern und Pflanzenfasern. Er ernährt sich von kleinen Insekten wie Käfern, Raupen und Heuschrecken und löscht seinen Durst oft mit Wassertropfen auf Pflanzen. Die Brut beginnt meist im Mai, und die Jungen wachsen versteckt in der Wiese auf, bevor sie nach einigen Wochen flügge werden.
Braunkehlchen
Das Braunkehlchen ist ein geschickter Wartenjäger: Von Zaunpfählen oder Pflanzenstängeln aus beobachtet es die Wiese und fängt Insekten wie Raupen, Käfer und Heuschrecken. Erkennbar ist es an seinem hellen Streif über dem Auge, der bei den Männchen besonders auffällt.
Trotz seines geringen Gewichts legt der kleine Vogel jedes Jahr eine mehrere tausend Kilometer lange Reise bis nach Afrika zurück. Zum Brüten braucht er offene, blütenreiche Wiesen mit vielen Insekten und gut versteckten Nestern im Gras. Gefährdet ist er vor allem durch den Verlust geeigneter Lebensräume und durch das Mähen von Wiesen während der Brutzeit.
Wachtel
Die Wachtel lebt im hohen Gras, weshalb man ihren Ruf viel häufiger hört, als man sie sieht. Nach der Überwinterung in Afrika brütet sie zunächst im Süden Europas und zieht danach oft weiter nach Norden, wo sie ein zweites Mal brütet.
Sie ernährt sich hauptsächlich von Samen und Pflanzen, frisst aber während der Brutzeit auch Insekten. Zur Gefiederpflege nimmt sie gerne Sand- und Staubbäder, um Schmutz und Parasiten zu entfernen. Ihr Nest ist eine einfache, gut versteckte Mulde am Boden, in der die Jungen bis zur Flugfähigkeit etwa sechs Wochen brauchen.
Wachtelkönig
Der Wachtelkönig lebt im hohen Gras und verrät sich meist nur durch seinen lauten «Crex-crex»-Ruf, mit dem er Reviere markiert und Partnerinnen anlockt. Er führt kein klassisches Paarleben, sondern hat mehrere Partner, und auch die Eier eines Geleges können von verschiedenen Männchen stammen.
In der Schweiz ist der Wachtelkönig stark gefährdet, da er auf spät gemähte, ungestörte Wiesen angewiesen ist. Sein Bodennest ist gut versteckt, und die Jungen schlüpfen alle gleichzeitig, bevor sie nach einigen Wochen selbstständig werden.
Vogel des Jahres 2027
Alle vier Vögel verbindet, dass sie am Boden brüten und sie alle stehen auf der Roten Liste der Brutvögel der Schweiz. Sie zeigen auf, wie sehr der Lebensraum – die blütenreichen Wiesen – mit der Artenvielfalt verknüpft sind. «Wo solche Wiesen noch intakt sind, summt und zirpt es, tanzen Tagfalter von Blüte zu Blüte und singen und rufen Vögel», schreibt BirdLife Schweiz.
Doch dieser Lebensraum hat in der Schweiz stark abgenommen. «Es blühen weniger verschiedene Blumen und Kräuter und es gibt weniger Insekten und Schmetterlinge», so die Naturschutzorganisation. Beides erhöht den Druck auf die vier Vögel. Mit der Wahl zum Vogel des Jahres will BirdLife ein Zeichen für die blütenreiche Wiese setzen.
Die Wahl findet vom 1. bis 31. Oktober online statt. Im letzten Jahr gewann der Eisvogel die Wahl. Der neue Titelträger wird Ende November bekannt gegeben. (leo)
