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Sexismus-Vorwurf gegen SRF-Mitarbeiter

Sexismus-Vorwurf nach SRF-Interview: «Wurde völlig aus der Bahn geworfen»

Eine Philosophin hat sich im Rahmen der Sendung «Sternstunde Philosophie» bei SRF interviewen lassen. Beim Soundcheck im Vorfeld soll es zu einer verstörenden Situation gekommen sein. Das SRF reagiert auf ihre Vorwürfe.
25.08.2026, 15:0325.08.2026, 19:07

Kate Manne ist eine australische Philosophieprofessorin, die an der Cornell University in den USA lehrt. Sie konzentriert sich vor allem auf feministische Philosophie, Moral- und Sozialphilosophie. Für die Sendung Sternstunde Philosophie von SRF wurde sie im Juli in die Schweiz eingeladen. Es ging um das Thema Übergewicht.

Doch beim Soundcheck soll Manne verstörende Momente erlebt haben, wie sie nun in einem Essay schreibt. Sie habe zuerst Moderatorin Barbara Bleisch getroffen, danach sei sie mit dem Übersetzer bekannt gemacht worden. Bleisch sollte die Fragen auf Deutsch stellen, die Übersetzung sollte sie über einen Knopf im Ohr erhalten. «Er war freundlich», schreibt Manne. «Sogar kumpelhaft, ein lustiger Mann in seinen Fünfzigern mit einem englischen Akzent.»

«Der Inhalt war schockierend explizit, sodass ich völlig aus der Bahn geworfen wurde.»
Kate Manne

Doch nach einigem Smalltalk startete der Soundcheck. Dabei habe ihr der Übersetzer Sätze wie «Heute Nacht, wenn du dich ausziehst...» oder «Deine Hüften, deine grenzenlosen Brüste...» ins Ohr gesprochen. Bei den Worten «Die Planeten deines Hinterns» habe er die Betonung auf Hintern gelegt. «Mit seinem Akzent klang er ein wenig wie ein Schauspieler für das Shakespeare Globe Theater. Aber der Inhalt war schockierend explizit, sodass ich völlig aus der Bahn geworfen wurde», schreibt Manne weiter.

Kate Manne Philosophie Sternstunde
Kate Manne ist eine feministische Philosophin, die für ein Interview bei SRF in die Schweiz reiste.Bild: instagram/kate_manne

Sie habe erwartet, dass ein Bericht über das Wetter oder sein Frühstück folgen würde, Themen, die so wenig ablenken würden wie möglich. In diesem Moment habe sie nicht gewusst, wie sie reagieren solle. «Ich habe eine Assistentin gefragt, ob sie das hören könne, sie zögerte», heisst es weiter. «Die Soundtechnikerin nickte, dass sie es hören könne, mit einem – meiner Meinung nach – neutralen Gesichtsausdruck. Als ich bestätigte, dass ich es korrekt höre, hörte der Schwall von Obszönitäten auf.»

«Vielleicht war es sein plumper Versuch, seine Unterstützung zu zeigen.»
Kate Manne

Auch bei einem zweiten Test – nachdem einige Dinge angepasst worden waren – seien weitere schmutzige Phrasen gefolgt. Schliesslich habe sie ihn gefragt, was er ihr da sage. Daraufhin habe er geantwortet, dass es sich um ein Gedicht handle. Da Manne es nicht sofort erkannte, sagte sie nur, dass sie das nachschauen müsse. «Es ist schön und sehr lustig», sei seine Antwort gewesen.

«Ich bin den ganzen Weg gereist, um für meine Arbeit als feministische Philosophin interviewt zu werden. Diese Gelegenheit hat mich nicht davor bewahrt, sexuell expliziten Inhalt in mein Ohr geträufelt zu bekommen auf eine Art, die erschreckt und verunsichert.» Wenn das ihr passieren könne, könne das wortwörtlich jeder Frau passieren. Das sei das Problem.

Anschliessend klärt Manne noch auf: Es handelte sich tatsächlich um ein Gedicht, nämlich um «Ode to Fat» von Ellen Bass, einer US-Autorin und Dichterin. Laut Manne zelebriert Bass damit den Körper ihrer Liebsten. «Vielleicht war es sein plumper Versuch, seine Unterstützung zu zeigen.» Es sei gut möglich, dass er sie damit nicht habe aufregen wollen. Das sei am Schluss aber egal, denn in dieser Situation sei ihr persönlicher Eindruck wichtig gewesen.

SRF reagiert

SRF hat mittlerweile auf Mannes Vorwürfe reagiert. «SRF respektiert und schützt die persönliche Integrität aller Mitarbeitenden und Gäste. Bei sexueller Belästigung und sexistischem Verhalten gilt bei SRF Nulltoleranz», heisst es in einem Kommentar auf Instagram. Der Vorfall werde nun umgehend und sorgfältig gemäss dem geltenden Reglement über den Schutz der persönlichen Integrität geprüft. Falls nötig, würden weitere Schritte eingeleitet.

Auf Anfrage von watson betont SRF, dass aufgrund des Persönlichkeitsschutzes keine weiteren Angaben gemacht werden könnten und der Vorfall intern untersucht werde. Zum Ablauf des Soundchecks heisst es: «Die Tonproben mit dem Übersetzer finden vor dem aufgezeichneten Gespräch statt. Die Proben dienen dazu sicherzustellen, dass bei fremdsprachigen Gesprächen die Simultanübersetzung gut funktioniert. Was vorgelesen wird bzw. über was gesprochen wird, ist immer unterschiedlich.»

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199 Kommentare
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Beat_
25.08.2026 15:50registriert Dezember 2018
Wenn der Sprecher ein Gedicht rezitieren will, dann soll erdochvon Beginn weg unmissverständlich einen entsprechenden Hinweis geben.

Ansonsten ist es einfach abstossend, jemanden mit solchen Worten ins Ohr zu flüstern.
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Setschigg
25.08.2026 16:06registriert September 2020
Wenn man ein Gedicht zum Soundcheck aufsagen will und andere zuhören, bietet die englische Literatur genügend Material, damit ein Profi nicht auf Material mit erotischem Inhalt, egal wie poetisch, zurückgreifen muss. In einem professionellen Umfeld ist das sicher nicht sauber und/oder anständig (schlau ist es auch nicht).
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Nick Name
25.08.2026 17:12registriert Juli 2014
Als «Cis-Mann» wundere ich mich über das häufig geäusserte Unverständnis über Mannes Reaktion in den Kommentaren hier – und sehe klare Hinweise, dass es noch viel, viel Sensibilisierung braucht, bis die (Mannen)Welt das Feld des Sexismus zu verstehen beginnt.

Solche Äusserungen von einem Übersetzer in einer solchen Situation sind schlicht übergriffig – komplett egal, was für ein Gedicht es auch immer ist (oder nicht).
Und ja, auch eine Philosophieprofessorin darf sich dadurch «aus der Bahn geworfen» fühlen. Und darin Ernst genommen werden.
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