Schweiz
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Dass Kinder Rechte haben, war nicht schon immer so. Seit 30 Jahren ist die UN-Kinderrechtskonvention in Kraft. bild: shutterstock

30 Jahre Kinderrechte: Wo hinkt die Schweiz hinterher? 4 Fragen und Antworten

Vor 30 Jahren hat die UN-Generalversammlung die Kinderrechtskonvention angenommen. Was das bedeutet und warum die Schweiz kein Vorzeigebeispiel bei der Umsetzung von Kinderrechten ist.



«Kinder sind Besitz des Familienvaters, leidige Geschöpfe, dessen Mäuler gestopft werden müssen. Sie können ohne Konsequenzen misshandelt und als gleichwertige Arbeitskräfte eingesetzt werden.» So sahen Erwachsene ihre Kinder bis zum Beginn der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Von dort bis zur Ausarbeitung der UNO-Kinderrechtskonvention sollte es noch ein langer Weg sein.

Es begann mit der Einführung der Schulpflicht, als die Bedürfnisse der Kinder von denjenigen der Erwachsenen unterschieden wurden. Die erhöhte Aufmerksamkeit der Menschenrechte seit den grossen Revolutionen führten auch zu einer vertieften Auseinandersetzung mit den Rechten der Kindern.

Vor genau 30 Jahren, am 20. November 1989, einigte sich die UN-Generalversammlung auf die Kinderrechtskonvention. Mit Ausnahme der USA haben sie alle Länder ratifiziert.

Was ist die UN-Kinderrechtskonvention?

In 54 Artikeln werden die Rechte der Kinder festgehalten und können in drei Bereiche unterteilt werden: Recht auf Schutz, Recht auf Förderung, Recht auf Mitwirkung. Das Abkommen soll ein Instrument sein, das die Staaten verpflichtet, sich um das Wohl der Kinder zu sorgen. Durch die UN-Kinderrechtskonvention wurden Kinder erstmals Träger von Rechten. Diesen müssen die Staaten Rechnung tragen und ohne Diskriminierung garantieren. Die Schweiz ratifizierte die UN-Kinderrechtskonvention 1997.

Wo hinkt die Schweiz hinterher?

Alle fünf Jahre muss das Bundesamt für Sozialversicherungen dem UN-Kinderrechtsausschuss einen Bericht darüber erstatten, wie die Kinderrechte in der Schweiz umgesetzt werden. Zuletzt tat es das im Jahr 2015. Damals mahnte der Ausschuss die Schweiz und hielt in 40 Empfehlungen fest, was die Schweiz noch zu verbessern hat.

Gerügt wurde die Schweiz, weil sie straffällig gewordene Kinder im Freiheitsentzug nicht immer getrennt von Erwachsenen unterbringt. Das wurde in der Vergangenheit nicht immer eingehalten, weil die entsprechenden Räumlichkeiten hierzulande oft nicht vorhanden waren, besonders in der Ausschaffungshaft. Ebenfalls verbessern muss die Schweiz die Sonderbetreuung von Kindern, die Opfer von Menschenhandel wurden oder für sexuelle oder wirtschaftliche Ausbeutung verkauft wurden. Zudem fordert der UN-Kinderausschuss, dass das Sexting mit Kindern unter Strafe gestellt wird.

Nebst dem UN-Kinderrechtsausschuss gibt es auch andere Organisationen, die in der Schweiz eine Verbesserung der Kinderrechte fordern. Sie wollen,dass unbegleitete Flüchtlingskinder immer eine psychologische Betreuung erhalten. Ausserdem bräuchte es eine kantonsübergreifende Ombudsstelle, die sich um die Einhaltung der Kinderrechte kümmert. Denn von Kanton zu Kanton sei es unterschiedlich, wie ein Kind behandelt werde.

Weitere Kritikpunkte sind die ungleichen Bildungschancen für Kinder. Diese seien insbesondere für arme Kinder deutlich schlechter. Auch schlecht stehe es um das Mitspracherecht von Kindern, beispielsweise bei Scheidungen oder Fremdplatzierungen. Da würden Kinder zu selten um ihre Meinung gefragt.

Des enfants ont inaugures la mappemonde geante pour un monde plus juste. Il s'agit d'un globe terrestre, illustrant une planete sur laquelle les droits de l'enfants seraient respectes. Pour creer cette mappemonde geante pres de 3'500 photos d'enfants illustrant leurs droits on ete collectees au Bangladesh, en Haiti, en Palestine, au Burkina et en Suisse, ce vendredi 20 novembre 2015 a Geneve. A l'occasion du 26eme anniversaire de la signature de la Convention internationale des Droits de l'enfant et de la Journee internationale des Droits de l'enfant. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Die Schweiz muss alle fünf Jahre einen Bericht an den UN-Kinderrechtsausschuss erstatten. Bild: KEYSTONE

Dürfen Kinder in der Schweiz geschlagen werden?

In der Schweiz schon länger umstritten ist die Züchtigungsstrafe. Im Gegensatz zu 53 anderen Ländern weltweit, darunter auch unsere Nachbarländer Deutschland, Österreich oder Italien, ist es hierzulande nicht ausdrücklich verboten, dass die Eltern ihren Kindern körperliche oder psychische Gewalt antun dürfen. Bis 1978 war es gar erlaubt, «die zur Erziehung der Kinder nötigen Züchtigungsmittel anzuwenden».

Das neue Kinderrecht hob diese Bestimmung zwar auf, es folgte jedoch kein ausdrückliches Züchtigungsverbot. Im Nationalrat wurden in den letzten Jahren bereits mehrere Motionen eingereicht. Der Bundesrat empfahl aber bisher alle zur Ablehnung mit der Begründung, dass ein ausdrückliches Verbot nicht notwendig sei. Organisationen, die sich für Kinderrechte stark machen, kritisieren das scharf.

Was will die Schweiz verbessern?

Ende 2018 verabschiedete der Bundesrat einen Bericht mit elf Massnahmen, die er bis 2020 zur Verbesserung der Umsetzung der Kinderrechte ergreifen will.

Er will unter anderem prüfen, ob in allen Kantonen Kinder im Freiheitsentzug getrennt von Erwachsenen untergebracht werden. Ausserdem anerkennt er den Handlungsbedarf im Bereich der Sensibilisierung und Schulung von Leuten, die mit und für Kinder arbeiten. Wie beispielsweise in der Jugendstrafrechtspflege, Schule, im Gesundheits- oder Sozialbereich.

Deshalb will der Bund dort mehr Geld sprechen. Auch will er mehr in die Förderung der Partizipationsmöglichkeiten für Kinder investieren. In einer Studie will der Bund zudem Massnahmen im Zusammenhang mit dem Schutz von Kindern vor Gewalt erarbeiten. (jah)

Das Leiden der Kinder in Syrien

Flüchtlingskinder haben oft grosses Leid hinter sich

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    Alle Leser-Kommentare
  • Z-bie Rockt 21.11.2019 12:24
    Highlight Highlight Kinderschutz ist gut. Kann aber auch ziemlich über's Ziel schiessen. Man siehe was die FCC mit dem COPPA bei youtube anrichten wird, ab dem 01.01.2020. Gut, google hat's ja selbst verbockt, aber das was jetzt angekündigt wird, zerstört die ganz youtube Comunity.
    Wär mal ein Artikel auf Watson wert.
  • Militia 21.11.2019 06:42
    Highlight Highlight Eltern die ihre Kinder schlagen, werden das auch nach einem Verbot tun. Sich sexuell an seinen Kindern zu vergehen ist ja auch verboten und trotzdem tun es einige. Meine Eltern haben mich ein einziges Mal geschlagen, einen Tätsch, nicht verprügelt. Im Nachhinein war es gerechtfertigt und hat seine Wirkung nicht verfehlt. Trotzdem habe ich selber noch nie Kinder geschlagen...
  • AvivaVonFlatter 20.11.2019 19:26
    Highlight Highlight Spannend! Mir war nicht bewusst, dass wir kein ausdrückliches Verbot zum schlagen von Kindern haben.

  • Turi 20.11.2019 18:31
    Highlight Highlight Sieben Millionen Kinder weltweit leben in Unfreiheit (Gefängnis, Lager, Zwangseinrichtung). 94% davon sind Knaben. 6% Mädchen.

    https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/uno-sieben-millionen-kinder-in-unfreiheit-a-1297104.html

    Weshalb wird man das Gefühl nicht los, dass den Medien Knabenschicksale nicht wirklich eine Zeile wert sind, im Gegensatz zu Mädchenschicksalen?
    • Garp 20.11.2019 23:31
      Highlight Highlight Hier geht es grade um die Schweiz und alle Kinder die hier leben, Jungs und Mädchen.
    • RowRow 20.11.2019 23:31
      Highlight Highlight Ist mir schon oft aufgefallen. Linke Medien wie watson.ch wollen das männliche zerstören und bekämpfen. Heute in der BaZ, Buben müssen sich jetzt wie Mädchen verhalten. Beschlossen von einer Rot-Grünen Mehrheit.

      Benutzer Bild
    • RowRow 20.11.2019 23:45
      Highlight Highlight Googel:

      BaZ, Amt für Gleichstellung diskriminiert Buben.

      und gerade heute beschlossen.

      BaZ, Nun lehrt Basel Buben das sie Mädchen sein sollen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DomKi 20.11.2019 18:25
    Highlight Highlight Eine Ohrfeige im richtigen Moment hat noch niemandem geschadet. Mal sehen ob es auch in der Schweiz soweit kommt wie in Spanien wo Lehrer Angst haben müssen vor den Kindern weil durch diese Kinderrechte ihre Autorität untergraben wird und die Kinder den Lehrern drohen können
    • Garp 20.11.2019 23:02
      Highlight Highlight Kinder die Lehrer bedrohen, kommen oft aus Familien in denen Gewalt und Härte und psychische Kälte, Liebesentzug ein probates Erziehumgsmittel ist. Dir hat es offenbar geschadet!
    • Rainbow Pony 21.11.2019 10:21
      Highlight Highlight Ich würde dir eine Langen, du Typ, du.
    • Fly Baby 21.11.2019 11:25
      Highlight Highlight Ich hoffe sehr für die Kinder, die du geschlagen hast, dass sie keinen Hörschaden haben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Garp 20.11.2019 17:59
    Highlight Highlight Massnahmen gegen Gewalt an Kindern sind ok, zuerst braucht es aber ein gesetzliches Verbot Kindern körperlich oder und seelisch Gewalt anzutun. Danach kommen zusätzliche Massnahmen.
  • Nik G. 20.11.2019 17:47
    Highlight Highlight Wie könne in der Schweiz arme Kinder nicht diesselbe Ausbildun erhalten? Soviel ich weiss gehen alle Kinder in die Primar und dann in die Oberstufe, unabhängig ihre Einkommen. Bei uns werden die reichen Kinder nicht in "bessere" Schulen gesteckt wie in den USA oder England.
    • katrie 21.11.2019 07:15
      Highlight Highlight zB indem kinder aus reicheren familien eher nachhilfe bekommen und sich so besser auf die prüfung fürs gymnasium vorbereiten können und somit bessere chancen haben. ausserdem ist der druck bei ärmeren kindern höher eine lehre zu starten, um die familie finanziell zu unterstützen - wobei die lehre ja auch eine gute ausbildung darstellt.
    • Krise 21.11.2019 07:24
      Highlight Highlight Ich könnte lachen wenn ich sowas lese. Ist dir bewusst dass die Schweiz als DAS Land der Privatschulen gilt? Ein Monat Montessori kostet glaub so 3'000.-, dabei wären es oftmals die Kinder von unterprivilegierten die solche Förderung bräuchten. Und dann, nach der Schule geht es weiter; kann es sich die Familie leisten das Kind ins zehnte Schuljahr zu schicken, oder auf eine weiterführende Schule? Ein Studium kostet immens Geld (ja, 800.-/Semester kann sich nicht jeder leisten!), auch da wird nicht nach Fähigkeiten ausgesiebt.
    • Krise 21.11.2019 07:27
      Highlight Highlight Weiter geht es mit den Lehrpersonen; an den öffentlichen Schulen haben diese weniger Möglichkeiten, gerade finanziell. Dann Schulausflüge, Lager, musikalische Ausbildung, Sport, etc etc. Die Schweiz ist sauteuer wenn es darum geht ein Kind zu fördern. Musikunterricht kostet knapp 300.-/Semester (ämel hier bei uns). Ein Lager (10 Tage) locker 400.-
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