Schweiz
Wallis

Crans-Montanas Gemeindepräsident Féraud zieht Bilanz nach Katastrophe

epa13042163 Nicolas Feraud, mayor of Crans-Montana, speaks during a primary assembly in Crans-Montana, Switzerland, 16 June 2026, over the deadly fire at Le Constellation. Forty-one people, most of th ...
Gemeindepräsident Nicolas Féraud.Bild: keystone

Crans-Montanas Gemeindepräsident Féraud: «Mir hat es an Menschlichkeit gefehlt»

Ein halbes Jahr nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana zieht Gemeindepräsident Nicolas Féraud Bilanz. «Mir hat es an Menschlichkeit gefehlt, als so viele Menschen sie gebraucht hätten», sagte er im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».
01.07.2026, 02:2301.07.2026, 05:02

Er bedauere, dass er an der Pressekonferenz vom 6. Januar keine Entschuldigung ausgesprochen habe. Damals habe man sich stark auf die Klärung der Ereignisse konzentriert. «Wir waren ratlos, erschöpft und von dieser Tragödie erschüttert», sagte Féraud. Man habe erst gerade erkannt, dass es bei den Brandschutzkontrollen Versäumnisse gegeben hatte.

Von einem Rücktritt sieht Féraud weiterhin ab, auch wenn er ihn nicht ausschliesst. Der Moment sei aber aktuell nicht der richtige. Heute müsse die Gemeinde funktionieren. Sein «einziges Interesse» sei, «dass wir die Wahrheit finden», sagte der Gemeindepräsident, der im Strafverfahren zu den fünfzehn Beschuldigten gehört.

«Wieder eine gewisse Friedlichkeit gefunden»

Féraud sagte, die Gemeinde denke täglich an die Opfer und deren Angehörige. Zugleich versuche Crans-Montana, nach der Tragödie wieder Zuversicht zu gewinnen und an die Zeit vor dem Unglück anzuknüpfen. «Wir haben wieder eine gewisse Friedlichkeit gefunden. Wir hoffen jetzt auf eine gute Sommersaison, um die Monate Januar und Februar wettzumachen, die stark von der Tragödie geprägt waren», sagte der Gemeindepräsident weiter.

Trotz der Kritik an seiner Person und der Gemeinde sieht Féraud insbesondere nach der Einwohnerversammlung im Juni Rückhalt in der Bevölkerung. Der Gemeinderat habe die Kritik erhalten, die er verdient habe, zugleich aber auch Unterstützung erfahren. «Wir hatten das Vertrauen in uns selbst verloren, das ist offensichtlich», sagte Féraud. «Jetzt haben wir nach und nach unser Selbstvertrauen wiedergewonnen.» Man warte nun darauf, dass die Justiz ihr Urteil fälle.

Die Gemeinde rechne mit dem Ende des zivilrechtlichen Verfahrens in fünfzehn Jahren. Dem Risiko hoher Schadenersatzzahlungen sei man sich bewusst. Dafür würden nun jährliche Rückstellungen gebildet. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So trauert Italien um seine Toten von Crans-Montan
1 / 9
So trauert Italien um seine Toten von Crans-Montan

Der Sarg von Chiara Costanzo wird am 7. Januar in die Basilica Santa Maggiore in Mailand getragen. Mehrere hundert Personen nahmen an der Abdankungsfeier teil.

quelle: www.imago-images.de / imago/emanuele roberto de carli
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Erste Gemeindeversammlung seit dem Inferno in Crans-Montana
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
SVP-Nationalrätin will Importverbot für geschächtetes Fleisch
Nina Fehr Düsel fordert ein Verbot für den Import von geschächtetem Fleisch. Muslimische und jüdische Verbände sehen dadurch ihre Religionsfreiheit eingeschränkt.
Bereits seit über 130 Jahren ist das Schächten, also das Töten von Tieren ohne Betäubung, in der Schweiz verboten. In bestimmten Religionsgemeinschaften darf Fleisch jedoch nur dann gegessen werden, wenn das Tier durch Schächten getötet wurde, da dies ihren Speisevorschriften entspricht. So ist das beispielsweise im Islam und im Judentum der Fall.
Zur Story