Brandkatastrophe von Crans-Montana: Schweiz und Italien begraben ihren Streit
Sechs Monate nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS mit 41 Toten und 115 Verletzten ist zwischen der Schweiz und Italien politische Beruhigung eingekehrt. «Für uns ist die Seite umgeblättert», sagt der nunmehr ehemalige italienische Botschafter in Bern, Gian Lorenzo Cornado. Der Diplomat hat Bern am Montag verlassen.
Die Walliser Justiz hat seit dem 1. Januar viel Kritik einstecken müssen, insbesondere aus Italien. Inzwischen hat sich die Haltung geändert. «In sechs Monaten hat sie eine Arbeit geleistet, für die man normalerweise ein Jahr benötigt, wie mir die Anwälte gesagt haben. Dafür kann ich der Generalstaatsanwältin, ihrer Stellvertreterin und ihrem Team nur danken», sagt Cornado im Gespräch mit Keystone-SDA.
Die Justiz werde die Verantwortlichkeiten klären. «Es gibt jedoch mehrere Tatsachen, die auf der Hand liegen: eine Bar mit versperrten Notausgängen, eine eingeschränkte Innentreppe, brennbarer Schaumstoff, das Fehlen eines Alarmsystems und jeglicher Sicherheitsmassnahmen sowie Personal, das Champagnerflaschen mit Wunderkerzen servieren musste, die beinahe die Decke berührten. Nichts wurde unternommen, um diese Brandkatastrophe zu verhindern», so Cornado.
Italien erwartet gerechte Strafe
In Italien müssten die Hauptverantwortlichen mit fünf bis zehn Jahren Gefängnis rechnen, stellt der Diplomat fest. Sollten die Strafen am Ende – auch wenn sie dem Schweizer Strafgesetzbuch entsprächen – als zu milde ausfallen, würde in Italien das Gefühl entstehen, dass den Opfern keine Gerechtigkeit widerfahre.
Zum Zeitpunkt des Brandes und in den Tagen danach war die Betroffenheit in Italien ebenso gross wie in der Schweiz. Die Öffentlichkeit habe nach italienischen Massstäben und nicht anhand der in der Schweiz geltenden Verfahren reagiert, so der Ex-Botschafter weiter. Das habe grosse Besorgnis ausgelöst. «In diesem Fall wurden die Regeln des Schweizer Rechts jedoch strikt eingehalten, und nach Angaben der Walliser Behörden ist kein Beweismittel verloren gegangen», stellt Cornado fest.
Die Freilassung von Jacques Moretti durch das Zwangsmassnahmengericht (ZMG) habe die Öffentlichkeit, die Regierung, die Opposition und die Angehörigen der Opfer schockiert. Seine Rückberufung nach Rom (Anm. d. Red.: vom 24. Januar bis zum 6. April) sei ein energischer Protest gegen diesen Entscheid gewesen.
«Italien hat allerdings nie verlangt, dass der Betreiber der Bar erneut inhaftiert wird, und die italienische Regierung hatte nie die Absicht, diese Angelegenheit für politische oder wahlbezogene Zwecke zu instrumentalisieren», sagt Cornado.
Rechnungen sorgten für Kritik
Auch die Zustellung von Rechnungskopien an drei italienische Familien belastete die Beziehungen zwischen Italien und der Schweiz. Dieser Vorfall ist laut dem Ex-Botschafter inzwischen abgeschlossen.
Auch in diesem Punkt sei Italien nach den Treffen von Bundespräsident Guy Parmelin mit Staatspräsident Sergio Mattarella, Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Aussenminister Antonio Tajani beruhigt worden. (sda)
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