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Brand in Crans-Montana: Überlebende melden sich

Überlebende melden sich zu Wort – das ist der aktuelle Stand im Fall Crans-Montana

Ein Monat nach der Tragödie: Was bisher über Betroffene und Beschuldigte bekannt ist.
31.01.2026, 15:2431.01.2026, 15:24
Kari Kälin, Andreas Maurer / ch media

In der Neujahrsnacht geriet die Bar Le Constellation in Crans-Montana in Brand. 40 Menschen verloren ihr Leben, 116 wurden verletzt – viele von ihnen schwer. Es traf vor allem junge Gäste – aus der Schweiz, aus Italien, aus Frankreich. Seither stellen sich drängende Fragen.

Was ist über die verletzten Überlebenden bekannt?

Ein Überblick über den Genesungsprozess der Brandopfer fehlt. Einige sind inzwischen aus dem Koma erwacht und haben sich an die Öffentlichkeit gewandt.

Zum Beispiel Eleonora Palmieri, eine 29-jährige Tierärztin aus Cattolica bei Rimini, die Verbrennungen am ganzen Körper erlitt und zunächst in Spitälern in Sitten und danach Mailand behandelt wurde. Am Donnerstag teilte sie via Instagram mit, dass sie ein auf Verbrennungen spezialisiertes Spital in Cesena verlassen durfte. Ihre Narben werde sie mindestens zwei Jahre lang pflegen müssen. Sie dankte dem Team, das sie unterstützt.

Eleonora Palmieri Crans-Montana
Eleonora Palmieri hat sich aus dem Spital an die Öffentlichkeit gewandt.Bild: Screenshot/Instagram/Open.Online

Palmieri hatte bereits am 20. Januar Bilder ihrer Brandverletzungen auf Instagram geteilt – auch eines, auf dem man sie mit ihrem Verlobten im Spitalbett sieht. Er hatte sie aus der brennenden Bar gezogen und ihr das Leben gerettet. Sie dankte ihm und ihrer Familie, dass sie stets bei ihr waren. Mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit will sie Mut und Hoffnung verbreiten: «Hört niemals auf, das Leben zu ehren!»

Gaetan Bar Mitarbeiter Constellation Crans-Montana
Gaëtan T. arbeitete in der Bar «Le Constellation».Bild: Screenshot BFMTV

Gaëtan T., der Barmann des Lokals «Le Constellation», äusserte sich gegenüber dem französischen Fernsehsender BFMTV. Er lag eine Woche im Koma in einem Militärspital in Paris. Als er aufwachte, erkannte er seine Mutter kaum. Er arbeitete in der fatalen Nacht im Parterre der Bar und versuchte, Menschen aus dem Untergeschoss vor den Flammen zu retten.

Im Interview erhob er Vorwürfe an das Betreiberpaar Moretti. Er habe nie Anweisungen erhalten, was im Brandfall zu tun sei, und keinen Feuerlöscher gesehen.

Was weiss man über das Betreiberpaar?

Jacques Moretti (49) stammt aus Korsika. Seine Ehefrau Jessica ist neun Jahre jünger und wuchs an der Côte d'Azur auf. Das Paar kam 2015 nach Crans-Montana und baute sich mit Bankkrediten ein kleines Gastro- und Immobilienimperium auf. Die beiden sind Eltern von zwei Kleinkindern. Er wurde 2008 in Frankreich wegen Förderung der Prostitution und Freiheitsberaubung zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten verurteilt – vier davon unbedingt.

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Jacques und Jessica Moretti.Bild: keystone

Sechs Tage nach dem Drama nahmen die Morettis erstmals via ihre Anwälte Stellung und sagten, ihre Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. Sie wollten sich ihrer Verantwortung stellen.

Die Walliser Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst.

Weshalb steht die Staatsanwaltschaft in der Kritik?

Die Staatsanwaltschaft nahm das Ehepaar Moretti am Tag der Katastrophe nicht vorläufig fest. Jacques Moretti kam erst am 9. Januar in Untersuchungshaft und wurde zwei Wochen später gegen eine Kaution von 200'000 Franken entlassen, bezahlt von einer unbekannten Privatperson. Das Ehepaar hatte somit Zeit, sich abzusprechen und eine gemeinsame Version der Ereignisse zu formulieren.

Auch Hausdurchsuchungen fanden vorerst keine statt. Damit stieg das Risiko, dass Beweise vernichtet wurden. Erst auf Druck von Opferanwälten ordnete die Staatsanwaltschaft Obduktionen an, um die genaue Todesursache einzelner Opfer festzustellen.

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Die Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud.Bild: KEYSTONE

Kommunikativ wirkt Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud überfordert. Dabei wurde sie bei ihrer Wahl 2023 als Kommunikationstalent angepriesen. Sie wird dem Bedürfnis der Öffentlichkeit nach Informationen nicht gerecht. Auf Medienanfragen reagiert sie nicht mehr.

Weshalb tobt die italienische Regierung?

Italien beklagt 6 Todesopfer und 14 Schwerverletzte. Die Regierung bereitet eine Staatshaftungsklage gegen Crans-Montana vor. Sie misstraut der Walliser Staatsanwaltschaft und verlangt ein härteres Vorgehen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete Morettis Entlassung aus der Untersuchungshaft als «Schande».

Die italienische Regierung hat ihren Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, nach Rom zurückbeordert. Er soll seinen Posten in Bern erst wieder übernehmen, wenn sich ein binationales, gemeinsames Ermittlungsteam formiert hat. Die rechtlichen Grundlagen dafür wären vorhanden. Fest steht bereits, dass die Behörden über internationale Rechtshilfe kooperieren werden.

Welche Rolle spielt die Gemeinde Crans-Montana?

Sie sieht sich als Opfer und wollte sich als Privatklägerin konstituieren. So würde sie Akteneinsicht erhalten. Doch die Staatsanwaltschaft gewährt ihr diese Parteistellung nicht. Stattdessen stuft sie Gemeindearbeiter neu als Beschuldigte ein. Gemäss Medienberichten dehnte sie das Verfahren auf den aktuellen und den ehemaligen Sicherheitsverantwortlichen aus. Sie stehen im Verdacht, das Lokal zu wenig kontrolliert zu haben.

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Nicolas Féraud ist Gemeindepräsident von Crans-Montana.Bild: keystone

Gemeindepräsident Nicolas Féraud hingegen zählt derzeit nicht zu den Beschuldigten. Er äusserte sich nach der Katastrophe juristisch-taktisch statt empathisch. In einem Interview sagte er vergangene Woche: «Ich bedauere, dass ich mich nicht im Namen der Gemeinde entschuldigt habe.» (aargauerzeitung.ch)

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Der nationale Trauertag für die Opfer von Crans-Montana
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Der nationale Trauertag für die Opfer von Crans-Montana

Am 9. Januar 2026 fand der nationale Gedenkanlass und Trauertag für die Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana.

quelle: keystone / jean-christophe bott
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Video: watson
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