85 SWISS-Flüge gestrichen ++ Kinder durch Hagel in Region Seuzach verletzt
Das Wichtigste in Kürze:
- Eine Kaltfront zieht am Freitag von Westen her über die Schweiz, sie bringt Unwetter und Gewitter mit sich.
- Am Morgen wurde bereits Hagel aus den Kantonen Solothurn und Aargau gemeldet.
- Videos und Bilder zeigen das Ausmass der bisherigen Schäden des Unwetters.
- Ab Mittag steigt die Gewittergefahr in der ganzen Schweiz, die Unwetter sollen bis um Mitternacht anhalten. Alle News findest du im Liveticker.
Dach von Bülacher Sporthalle komplett durchlöchert
85 SWISS-Flüge gestrichen
Ein kleiner Lichtblick: Die SWISS werde wie üblich sämtliche Kosten, die für die Passagiere anfallen, übernehmen, heisst es weiter – als etwa Hotelübernachtungen bis zum nächstmöglichen Weiterflug, zwischenzeitliche Verpflegung sowie nötige Taxifahrten oder Telefongespräche. Entsprechende Belege sollen beim Kundendienst eingereicht werden. (cpf)
Sturm beschädigt Funksystem am Flughafen Zürich
Das ILS dient Piloten dazu, trotz schlechter Sicht (also bei Nebel, Unwetter oder auch bei Nacht) präzise landen zu können. (cpf)
40 Verletzte in Seuzach und Neftenbach ZH
Weiter wurden zahlreiche Gebäude und Fahrzeuge beschädigt. Der Hagel schlug Fenster und Fahrzeugscheiben ein, Fassaden und Dächer wurden beschädigt. Auf der A1 mussten mehrere Lenkerinnen und Lenker ihr Fahrzeug auf dem Pannenstreifen abstellen – wegen der kaputten Frontscheiben konnten sie nicht mehr weiterfahren.
In mehreren Waldgebieten und auch an anderen Orten stürzten zudem Bäume um oder es brachen Äste ab. Die Polizei warnt, dass auch weiterhin Bäume umstürzen, Äste abbrechen oder Gebäudeteile herunterfallen könnten. Scherben und scharfe Gegenstände am Boden können zudem zu Verletzungen führen. (vro)
Gartenbad Eglisee in Basel verwüstet
Das Bad bleibt trotzdem geöffnet, da die Schwimmbecken mit Ausnahme des Planschbeckens weiterhin in Betrieb sind.
Das Gewitter vom Freitagmorgen hat im Kanton Baselland für 20 und in Basel-Stadt für 9 Einsätze der Einsatzkräfte gesorgt. Es sind gemäss Polizeiangaben keine Verletzten bekannt. (vro/sda)
Boote treiben auf dem Bodensee
Grosse Schäden im Aargau
Besonders betroffen war das Birrfeld. Vier massive Betonmasten der Hochspannungsleitung wurden vom Sturm umgeknickt. Zwei stürzten je auf ein Gewerbegebäude, wodurch erhebliche Schäden entstanden. Die Stromleitungen hängen auf mehreren hundert Meter bis auf Bodenhöhe herunter – natürlich wurde der Strom abgestellt. Unabhängig davon fiel in mehreren Aargauer Gemeinden der Strom aus.
Auf dem Flugplatz Birrfeld wurden Flugzeuge und Hangargebäude teils stark beschädigt. Im ganzen Kanton wurden Dächer abgedeckt, Gerüste umgerissen oder Fahrzeuge beschädigt. Laut der Polizei wurde beim Unfall auf der A1, bei dem ein Lastwagen auf einen Lieferwagen kippte, niemand verletzt. Der Unfall hatte jedoch für viel Stau gesorgt. Das genaue Ausmass der Schäden kann noch nicht beziffert werden. (vro)
20 Sanitätseinsätze gleichzeitig in Winterthur
Am heftigsten habe es den Norden der Stadt Winterthur getroffen. Dort kam es zeitweise zu 20 Sanitätseinsätzen gleichzeitig. Meistens ging es um Platzwunden und Stürze, heisst es in der Mitteilung.
Damit die Flut an Meldungen und Einsätze bewältigt werden konnte, mussten mehrere Rettungswagen aus anderen Gebieten in die Region Winterthur verschoben werden. Die Lücken füllten schliesslich Ambulanzen aus Regionen, die weniger vom Unwetter betroffen waren, beispielsweise die Region Zug.
Auch in der Zentrale liefen die Drähte heiss. Deshalb wurden 20 rückwärtige Mitarbeitende und Angehörige der Feuerwehr Kloten aufgeboten, um all diese Notrufe entgegennehmen zu können.
Noch sind die Einsätze nicht abgeschlossen. Sie werden nach und nach abgearbeitet, was noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte. Sollten weitere Niederschläge folgen, können zudem neue Einsätze folgen. Diese müssten dann priorisiert werden. (vro)
Schäden in Schaffhausen
Auch Gebäude und Fahrzeuge wurden so beschädigt – ein Auto der Verkehrsinstruktion der Schaffhauser Polizei blieb auch nicht verschont. Kinder und eine Polizistin, die sich zu dieser Zeit im Verkehrsgarten befunden hatten, konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Im Kanton Schaffhausen kam es auch zu überschwemmten Strassen, Kellern und Tiefgaragen. Wegen des Regens fielen auch mehrere Trafokästen aus. Der Wind deckte gleichzeitig mehrere Dächer ab, woraufhin herumfliegende Teile weitere Fahrzeuge beschädigten.
Das genaue Ausmass der Schäden kann laut der Polizei noch nicht genau beziffert werden. Sie weist jedoch daraufhin, dass weiterhin Gefahr durch umstürzende Bäume und abbrechende Äste besteht. Wälder und Waldstrassen sollten deshalb gemieden werden. (vro)
Eine Person im Kanton Solothurn schwer verletzt
In Erlinsbach SO wurde eine 42-jährige Frau durch einen umstürzenden Baum schwer verletzt. Sie wurde vor Ort erstversorgt und danach mit dem Rettungsdienst ins Spital gebracht. (vro)
Nächste Zelle zieht Richtung Luzern
Heftige Schäden in Neerach im Kanton Zürich
Die Gemeinde im Kanton Zürich wurde am Freitagmorgen heftig vom Unwetter erwischt:
Hausfassade in Winterthur Wülflingen weitestgehend zerstört
Schäden auch im Kanton Thurgau
Swiss musste Flüge streichen
In der Nähe des Flughafens würden immer wieder Blitzeinschläge registriert, weshalb die Arbeit auf dem Vorfeld aus Sicherheitsgründen zeitweise unterbrochen werden müsse. Es handle sich um einen sogenannten «Handling-Stopp». Die Mitarbeitenden müssten dabei das Vorfeld verlassen und müssten von Flugzeugen und anderen metallischen Einrichtungen Abstand halten. «In dieser Zeit können Flugzeuge beispielsweise nicht be- und entladen, betankt oder für den nächsten Flug abgefertigt werden», erklärt die Swiss.
Durch diesen Stillstand komme es zu Verzögerungen, die sich über den weiteren Tagesverlauf hinziehen können. «Uns ist sehr bewusst, was das für unsere Gäste bedeutet. Wer einen Anschlussflug erreichen muss oder wessen Reisepläne plötzlich durcheinandergeraten, braucht viel Geduld. Das ist ärgerlich und belastend. Unsere Mitarbeitenden arbeiten mit Hochdruck daran, den Betrieb so stabil wie möglich zu halten, Anschlüsse wo immer möglich sicherzustellen und die Auswirkungen auf unsere Gäste zu begrenzen.» (vro)
Sturm reisst Dach ab in Beringen SH
Bahnverbindung zwischen Winterthur und Schaffhausen wieder offen
46'000 Blitze, riesige Hagelkörner und Starkniederschlag
Im Kanton Schaffhausen seien Windböen in Geschwindigkeiten von bis zu 142 Stundenkilometer gemessen worden. In Hallau seien innert zehn Minuten Regenmengen von 23 Millimetern gemessen worden, gefolgt von Langenbruck BL mit 19 und Barmelweid AG mit 18 Millimetern.
Die Kantonspolizei Aargau bestätigte auf Anfrage, dass im Autobahnbereich Birrfeld/Birrhard ein Lastwagen auf einen Lieferwagen gekippt sei. Verletzte habe es keine gegeben. In derselben Region seien auch vier Strommasten umgekippt, einer davon auf ein Haus. Und in Aarau seien Teile des Dachs einer Turnhalle abgedeckt worden. (sda)
Die aktuellen Gewitterprognosen
Am Mittag dürfte es in weiten Teilen der Schweiz zu Niederschlägen kommen, wie der Regenradar von MeteoSchweiz aktuell zeigt:
Im Laufe des Nachmittages dürften die Niederschläge etwas nachlassen, vereinzelt kann es trotzdem zu unerwartet heftigen Gewittern kommen. Diese lassen sich nur schwer vorhersagen. Im Laufe des Nachmittages verschiebt sich der Grossteil des Regens in den Osten der Schweiz.
Nach aktuellen Prognosen dürfte es dann am Abend besonders im Bündnerland nochmals zu Gewitterzellen kommen. Ab Mitternacht sollte das Schlimmste ausgestanden sein.
Bilder zeigen umgekippte Lastwagen auf Autobahn bei Birrfeld
Über 200 Schadensmeldungen in Solothurn
Am Vormittag seien weit über 200 Schadensmeldungen eingegangen. Über Verletzte habe man aber noch keine Hinweise. Die Kantonspolizei sei noch dabei, sich einen Überblick zu verschaffen und werde am Nachmittag detaillierter informieren, hiess es weiter. (sda)
Streetfood-Festival in Kloten von Sturm überrascht
Unwetterschäden führen zu Bahnunterbruch bei Andelfingen
Weitere Unterbruchsmeldungen kommen aus der Westschweiz. Hier ist die Linie zwischen Lausanne und Genf bei Nyon unterbrochen. Auch hier ist das Unwetter verantwortlich für den Unterbruch.
«Hab schon ein paar Hagel erlebt, aber das war der krasseste.»
Neue Gewitterwarnung des Bundes
Massive Niederschläge in Hallau
Userbilder zeigen Schäden an Storen – das musst du tun
Wer seinen Storen vor Hagel schützen will, soll diesen unbedingt einfahren: «Sobald Gewitter- oder Hagelwarnungen gemeldet werden, sollten alle Storen vollständig eingefahren werden. Besonders Lamellenstoren und Sonnenstoren sind empfindlich gegenüber Hagelschlag», schreibt das Unternehmen Wolf Storen auf seiner Website.
Hagel verursacht Schäden an Autos
Überschwemmungen in Nussbaumen AG
Mehrere Bahnunterbrüche

Golfballgrosse Hagelkörner in Bülach
Userbilder zeigen Hagel im Aargau
Bahnunterbruch und Hagel in Solothurn
Gewitter und Hagel am Freitag
Gewitterwarnungen
Am Freitag zieht eine Kaltfront von Westen nach Osten über die Schweiz. Diese bringt starken Wind, aber auch Gewitter mit sich: «Neben zeitweise kräftigen Regengüssen sind auch Blitz und Donner sowie lokal Hagel möglich», schreibt MeteoNews in einer Mitteilung.
Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz hatte für die Region von Lausanne über Solothurn und für den Jura Gewitterwarnungen herausgegeben. Für einzelne Regionen in Solothurn und im Kanton Jura und im Aargau galt gar die zweithöchste Warnstufe.
Der Bund warnte hier vor abbrechenden Ästen oder gar umstürzenden Bäumen. Blitzeinschläge sowie Hagelschäden seien hier möglich. Den Menschen in dieser Region wird geraten, sich nicht auf offenen Flächen aufzuhalten und Gewässer zu meiden.
Hagel in Solothurn
Besonders im Kanton Solothurn wüteten die Unwetter am Freitagmorgen. Auf der SBB-Strecke Biel nach Grenchen kam aufgrund des Unwetters zu Unterbrüchen, wie die SBB melden. Aus Niedergösgen im Kanton Solothurn erreichen uns erste Bilder und Videos:
Hagel in Niedergösgen SO:
Hier gibt es am Freitag Gewitter
Am Freitagmorgen ist besonders der Westen der Schweiz betroffen. Für 9 Uhr morgens meldet MeteoSchweiz heftige Gewitter bei Genf, im Jura und in Solothurn. Auch für die Alpensüdseite im Wallis, im Tessin und in Graubünden werden höhere Niederschlagswerte gemeldet.
Laut Niederschlagsradar ziehen die Gewitter aus dem Südwesten in den Südosten weiter. Im Laufe des Morgens dürften also auch Basel und Schaffhausen erste Gewitterzellen erreichen. Zum Mittag hin wird es auch weiter im Osten nass. Für Luzern, Zürich und St.Gallen wird ab 12 Uhr Regen prognostiziert.
Hie und da können sich auch hier bereits gröbere Gewitterzellen ausbilden, wie diese sich genau verhalten, ist aber schwer vorherzusagen. Grundsätzlich steigt die Gewittergefahr ab Mittag in der ganzen Schweiz. Bis in die Nacht ziehen immer wieder Gewitterzellen aus dem Westen in den Osten, ab Mitternacht sollte das Schlimmste überstanden sein.
Warum die Prognosen ungenau sind
Wo genau es am Freitag zu Gewitter und Hagel kommt, lässt sich auch wenige Stunden vor eintreten der Unwetter nur schwer vorhersagen. «Im Vergleich zur Temperatur ist der Niederschlag viel schwieriger zu prognostizieren», sagte auch Urs Graf, Meteorologe bei MeteoSchweiz, in einem Interview mit watson.
Und weiter: «Die Temperatur wird durch sehr wenige Faktoren beeinflusst. Regen oder andere Niederschlagsarten entstehen hingegen in verschiedenen, komplizierten Prozessen.» Die Modelle der Meteorologinnen und Meteorologen vereinfachen diese, was die Gefahr birgt, dass die Niederschläge dann eben doch nicht oder an anderer Stelle eintreten.
(leo)
