Magst du dich noch daran erinnern, als der Restaurantbesuch dich in einen Aschenbecher verwandelte? Das änderte sich 2010 mit dem schweizweiten Rauchverbot in Restaurants und Bars.
Debatten prägen seit jeher die Gesellschaft und ihre Sprache – 2010 war das nicht anders, als der Begriff «Ausschaffung» im Zuge der Ausschaffungsinitiative zum Wort des Jahres gekürt wurde. Die schweizerische Nachrichtenagentur schrieb damals: «Die SVP besetzt nicht nur politische Themen, sie besetzt auch unsere Sprache.»
Zum Unwort des Jahres wurde der Begriff «FIFA-Ethikkommission», da die FIFA eine eigene Kommission ins Leben rief, um gegen Korruption vorzugehen.
Für noch mehr Sprachlosigkeit sorgte im Jahr 2010 die Vergabe der Fussballweltmeisterschaften an Russland (2018) und Katar (2022) durch die FIFA.
In der Schweiz sammelte 2010 eine Gruppe aus der Zentralschweiz Unterschriften für eine Wiedereinführung der Todesstrafe. Die Initiantinnen und Initianten forderten die Todesstrafe für Personen, die sexuellen Missbrauch in Verbindung mit Mord begehen. Nach einem kurzen Presserummel zog das Komitee die Initiative zurück.
«Waka Waka (This Time for Africa)» – der WM-Song
von Shakira und der südafrikanischen Band Freshlyground dominierte die Schweizer Charts.
Pop war allgegenwärtig: «Love The Way You Lie» von Eminem und Rihanna und «Alejandro» von Lady Gaga belegten die Plätze eins und zwei in den Charts.
Nicht nur Shakira versetze die Schweiz 2010 in Feierlaune, sondern auch die Schweizer Nati, die im ersten Gruppenspiel den späteren Weltmeister Spanien mit 1:0 besiegte. Gelson Fernandes stocherte den Ball nach einem wilden Durcheinander im Strafraum über die Linie.
Bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver 2010 holte sich Simon Ammann Gold sowohl auf der Normal- als auch der Grossschanze. Mit Dario Cologna, Didier Défago, Carlo Janka (der zuvor als amtierender Gesamtweltcup-Sieger in die Ski-Saison gestartet war) und Mike Schmid feierten vier weitere Schweizer Athleten Olympiagold.
Steve Lee, der Frontmann der Schweizer Rockband Gotthard, verstarb am 5. Oktober 2010 im Alter von 47 Jahren bei einem Verkehrsunfall in den USA.
Die Schweiz verlor 2010 eine weitere Persönlichkeit: Nicolas G. Hayek. Der Gründer der Swatch Group starb im Alter von 82 Jahren an Herzversagen am Schreibtisch seines Unternehmens in Biel.
Im Jahr 2010 kündigte Bundesrat Moritz Leuenberger nach 15 Jahren seinen Rücktritt an. Das Parlament wählte Simonetta Sommaruga zu seiner Nachfolgerin. Johann Schneider-Ammann wurde als Nachfolger von Hans-Rudolf Merz in den Bundesrat gewählt.
Der Aargauer Max Göldi reiste nach Libyen, um eine ABB-Geschäftsstelle zu eröffnen, geriet aber in die Hände des Gaddafi-Regimes, das sich damit für die Festnahme des Gaddafi-Sohnes Hannibal in Genf rächte. Zwei Jahre lang wurde Göldi als Druckmittel gegen die Schweiz festgehalten. Ein halbes Jahr sass er in Gefängnissen, den Rest der Zeit verbrachte er auf der Schweizer Botschaft in Tripolis. 2010 kehrte er nach langem diplomatischem Hickhack, bei dem angeblich auch Geld geflossen sein soll, in Begleitung von Micheline Calmy-Rey zurück in die Schweiz.
Offensichtlich bin ich wirklich ALT geworden, denn bei den allermeisten „Ereignissen“ habe ich gedacht:
Oh, das war doch erst gerade? Oder: Ui, ist das tatsächlich schon so lange her??
😂