Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Lohnrunde 2018: «Es ist Zeit für spürbare Lohnerhöhungen»



Die Lohnverhandlungen für 2018 sind lanciert. Nach vielen mageren Jahren streben die Gewerkschaften einen Turnaround an. Ihre Forderung: bis zu zwei Prozent mehr Lohn für die meisten Beschäftigten. Bei den Arbeitgebern stossen sie damit vorerst auf taube Ohren.

Für den Gewerkschafts-Dachverband Travail.Suisse ist der Fall klar: «Es ist Zeit für spürbare Lohnerhöhungen», sagte Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, am Dienstag vor den Medien in Bern. Die meisten Unternehmen hätten wieder genug Spielraum, den meisten Angestellten bis zu zwei Prozent mehr Lohn zu gewähren.

«Wir stehen am Beginn eines Aufschwungs»

Gabriel Fischer, Travail.Suisse

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr einigten sich die Sozialpartner auf effektive Lohnerhöhungen von 0.5 bis 1.0 Prozent. Die Gewerkschaften sprachen von einem «knapp zufriedenstellenden» Ergebnis. Verlangt hatten sie freilich mehr.

Unser Lohnpolizist Michi (13) fragt nach

Video: watson

Positive Wirtschaftsaussichten

Fischer und seine Mitstreiter von den Gewerkschaften Syna, Transfair und Hotel&Gastro Union rechtfertigen ihre neuen Forderungen mit der anziehenden Wirtschaft: «Wir stehen am Beginn eines Aufschwungs.» Nach angespannten Zeiten deuteten die Aussichten auf eine Erholung hin. Dies zeigten verschiedene in den vergangenen Wochen publizierte Indizes.

«In einzelnen Verträgen haben wir eine Streikmöglichkeit»

Syna-Präsident Arno Kerst

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) etwa prognostiziert für 2017 ein Wirtschaftswachstum von 1.4 Prozent; für 2018 gar von 1.9 Prozent. Das Barometer der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich und auch der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Credit Suisse befinden sich deutlich über dem längerfristigen Durchschnitt. Zudem hat sich der Euro/Franken-Kurs deutlich über der Marke von 1.10 eingependelt.

Der Grund für die erfreulichen Zahlen sind laut den Verbänden auch die Arbeitnehmenden, die «mit grossem Einsatz, viel Flexibilität und bescheidener Lohnentwicklung» die Unternehmen wettbewerbsfähiger gemacht hätten. Dies gelte es nun zu belohnen.

«Beschämende Frauenlöhne»

Von Nullrunden will Fischer von Travail.Suisse nichts mehr wissen. «Es gibt Nachholbedarf », sagte er. Generelle Lohnerhöhungen stärkten auch die Kaufkraft der Beschäftigten und folglich den privaten Konsum als Konjunkturstütze.

«Bei den Löhnen ist kein Nachholbedarf ausgewiesen»

Arbeitgeberverband

Im Fokus stehen auch die Mindestlöhne und die Frauenlöhne. Die noch immer bestehende Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern bezeichnen die Gewerkschafter als «beschämend und verfassungswidrig». Die Diskriminierung der Frauenlöhne von 7.4 Prozent sei stossend.

Ebenfalls ein Dorn im Auge sind den Gewerkschaften die zunehmenden individuellen Lohnerhöhungen. Demnach kämen seit 2013 die Lohnerhöhungen noch zu 40 Prozent allen zugute, 60 Prozent würden individuell verteilt - «oft nach sehr undurchsichtigen Kriterien», kritisierte etwa Syna-Präsident Arno Kerst. Das sei jetzt zu korrigieren.

Streik als letztes Mittel

Die ersten Signale von den Unternehmen seien positiv, sagte Kerst. «Es gibt einige, die bereit sind, zu geben.» Positiv auswirken könnte sich ihm zufolge die Tatsache, dass die Angestellten ihren Arbeitgebern in den Krisenjahren mehrfach entgegengekommen sind. «Wir sitzen nun am gleichen Verhandlungstisch wie damals.»

Wenn die Arbeitgeber ob der Forderungen dennoch nur mit den Schultern zucken würden, sind laut Kerst verschiedene Mittel vorhanden, um Druck auszuüben: «In einzelnen Verträgen haben wir eine Streikmöglichkeit.» Dieses Instrument sei aber als Ultima Ratio zu verstehen. Vorher würden alle Möglichkeiten für eine einvernehmliche Lösung angestrebt.

Arbeitgeber drücken auf die Bremse

Eine solche scheint aber noch in weiter Ferne zu sein. «Bei den Löhnen ist kein Nachholbedarf ausgewiesen», schreibt der Arbeitgeberverband in seiner Stellungnahme. Zwar hätten sich die konjunkturellen Aussichten jüngst tatsächlich verbessert. Doch sei es noch zu früh, daraus auf den Ausgang der Lohnverhandlungen für das kommende Jahr zu schliessen.

Die Arbeitgeber zitieren ihrerseits verschiedene Wirtschaftszahlen wie die jüngste Lohnumfrage der UBS. Demnach sind die Reallöhne, also die teuerungsbereinigten Löhne, zwischen 2008 und 2016 um jährlich 1.2 Prozent gestiegen - deutlich stärker als in den Jahrzehnten davor. (whr/sda)

Ungezahlte Löhne in den USA: Autowäscher erhalten Millionensumme

Video: reuters

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Erdrutsch verschüttet Bahnstrecke bei Tenero TI

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

29 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Karl33
08.08.2017 14:14registriert April 2015
Wo kämen wir denn da hin. Gewinne werden doch heutzutage nicht den Angestellten gewährt, sondern dem Managment und den Aktionären.
977
Melden
Zum Kommentar
mrmikech
08.08.2017 15:00registriert June 2016
Achtung arbeitgeber: wann die arbeitnehmer mehr verdienen geben die mehr aus. Wann die arbeitnehmer mehr ausgeben steigert denn gewinn. Also hopp, zumindest 2% mehr, besser noch 4%!!
5415
Melden
Zum Kommentar
-woe-
08.08.2017 17:00registriert December 2015
Es ist doch jedes Jahr das Gleiche:
- keine Lohnerhöhung möglich, weil das Unternehmen gerade schlechte Zeiten durchmacht
oder
- keine Lohnerhöhung möglich, weil man den Aufschwung nicht gefährden will.
(nur für die Boni der Chefetage ist immer genug Geld vorhanden...)
394
Melden
Zum Kommentar
29

Schweiz exportiert Waffen für knapp 690 Millionen Franken

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres haben Schweizer Unternehmen Kriegsmaterial im Wert von knapp 690 Millionen Franken exportiert. In der entsprechenden Vorjahresperiode waren es knapp 500 Millionen Franken gewesen.

Das ist der am Dienstag veröffentlichten Statistik des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zu entnehmen. Die grössten Abnehmer von Schweizer Kriegsmaterial waren zwischen Januar und September 2020 Dänemark, Indonesien und Deutschland.

Auf der aktuellen Liste der …

Artikel lesen
Link zum Artikel