Wirtschaft
Schweiz

Publibike: Thomas Binggeli verkauft Unternehmen an britische Vision Edge

Publibike Fahrraeder an einer Zueri Velo Station im Quartier Neuaffoltern, am Mittwoch, 10. Dezember 2025 in Zuerich. Mit dem Ausbau des Veloverleihsystems "Zueri Velo" steigt die Anzahl Sta ...
Publibike-Fahrraeder können von allen gemietet werden, profitieren tun vor allem die Angestellten der Stadt.Bild: keystone

Publibike wird britisch: Thomas Binggeli steigt aus

Der britische Investor Vision Edge One übernimmt Publibike. Das Unternehmen erhält Millionenaufträge von Städten und Kantonen.
03.08.2026, 13:1703.08.2026, 13:17

Das war's: Der Schweizer Velounternehmer Thomas Binggeli steigt beim Veloverleih Publibike aus. «Für mich persönlich ist dies der richtige Zeitpunkt, mich wieder voll auf meine Kernaufgaben zu konzentrieren», sagt er. Das heisst: auf Thömus, Twinner, den Swiss Bike Park und Datasport.

Doch Binggeli ist nicht der einzige, der geht. Alle Aktionäre ausser Firmenchef Markus Bacher haben ihre Anteile verkauft. Bacher bleibt Minderheitsaktionär, wie er auf Anfrage sagt. Wie hoch sein Anteil ist, will er nicht verraten. Der Rest gehört neu der in London ansässigen Private-Equity-Firma Vision Edge One.

Damit wird die Schweizer Veloverleihfirma, zu deren Kundschaft unter anderem die Städte Aarau, Bern, Basel und Zürich gehören, britisch. Mit dem Eigentümerwechsel dürfte die Rendite stärker in den Fokus rücken. Jedenfalls wollen Private-Equity-Firmen in der Regel für ihr Investment Geld sehen. Bacher, der auch unter den neuen Eigentümern Chef bleibt, betont jedoch, dass sich Vision Edge One «langfristig» verpflichtet habe, für «mindestens fünf Jahre».

Im Portfolio der britischen Beteiligungsfirma gibt es mit Inurba Mobility, die unter anderem in Frankreich, Finnland oder Polen aktiv ist, bereits einen Veloverleiher. Hier sieht Vision Edge One nach eigenen Angaben «erhebliches Synergiepotenzial» mit Publibike, «insbesondere durch den Austausch von Technologie und kommerziellem Know-how sowie durch Skaleneffekte im operativen Geschäft über die gesamte Plattform hinweg».

Viel Geld von der öffentlichen Hand

Heute betreibt Publibike in mehreren Städten den offiziellen Veloverleih und erhält dafür finanzielle Unterstützung. In Bern hat sich Publibike bei der letzten Ausschreibung gegen einen Konkurrenten durchgesetzt und erhält für die Periode 2026 bis 2029 von der Stadt zwischen 340'000 und 440'000 Franken pro Jahr. Die Stadt Biel und Gemeinden im Umland haben erst vor wenigen Tagen den Betrieb eines Verleihsystems an Publibike vergeben und bezahlen dafür pro Jahr gut 212'000 Franken.

Fahrraeder und E Bikes von PubliBike parkiert beim Bahnhofplatz, fotografiert am Freitag, 14. Maerz 2025 in Bern. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Insgesamt besitzt Publibike rund 10'500 Velos.Bild: KEYSTONE

Im Juni hat auch der Kanton Basel-Stadt den Leistungsvertrag mit Publibike um weitere drei Jahre verlängert und dafür bis zu 400'000 Franken pro Jahr als Defizitgarantie gesprochen. In Aarau ist Publibike ebenfalls der offizielle Partner der Stadt.

Die Stadt Zürich hat den Vertrag mit Publibike im Jahr 2023 verlängert, das Parlament bewilligte im Jahr 2024 zudem einen weiteren Ausbau des Systems. Neu soll die Stadt für zehn Jahre Laufzeit maximal 19,1 Millionen Franken bezahlen. Im städtischen Parlament sorgte die Vorlage für Kritik. So wiesen die Grünliberalen darauf hin, dass in der Stadt Zürich drei Viertel aller Publibike-Fahrten mit Business-Abos durchgeführt werden – also von Personen, die vom Arbeitgeber ein vergünstigtes Abo erhalten oder gar gratis fahren.

Zu den wichtigsten Geschäftskunden zählen oft die Städte selbst, die für ihre Mitarbeitenden Abos abschliessen. Zürich kauft 3000 solcher Abos, Bern finanziert die Leihvelos sogar für bis zu 6500 Mitarbeitende. Publibike wird also nicht nur mit Steuergeldern für den Betrieb finanziert, die öffentliche Hand gehört auch zu den besten Kunden.

Sorgenkind der Post

Noch im Jahr 2016, als Publibike erstmals den Auftrag in Zürich gewann, hatte das ganz anders geklungen. Damals versprach das Unternehmen, das damals noch zum Post-Konzern gehörte, den Dienst ohne Subventionen betreiben zu können. Das funktionierte allerdings nicht, Publibike blieb in den roten Zahlen.

2022 zog die Post die Reissleine. Der Staatskonzern verkaufte das defizitäre Geschäft zu einem nicht genannten Preis an Bacher, der damals schon Firmenchef war, Thomas Binggeli sowie den IT-Unternehmer Guido Honegger, der die Firma Green gegründet und jahrelang als CEO geführt hatte. «Seit 2024 schreiben wir operativ schwarze Zahlen», sagt Bacher heute. Wobei er mit «operativ» vom Betriebsergebnis auf Stufe Ebitda spricht, also vom Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Unter dem Strich dürfte das Unternehmen weiterhin einen Verlust ausweisen.

2022 gingen sie gemeinsam an den Start: Thomas Binggeli, Markus Bacher und Guido Honegger (von links).
2022 gingen sie gemeinsam an den Start: Thomas Binggeli, Markus Bacher und Guido Honegger (von links).Bild: zvg

Seit einem Jahr bietet Publibike auch E-Scooter an, insgesamt seien es rund 500 Stück, sagt Bacher. Die Fahrzeuge sind in Zürich, Biel und im Tessin erhältlich. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Geschäft, das von den Gemeinden nicht finanziell unterstützt wird. Die Wachstumsaussichten sind hier auch eher bescheiden. «Unser Kerngeschäft ist der Veloverleih», sagt Bacher. Rund 10'500 Fahrräder hat Publibike derzeit.

Kritik am Betrieb

Publibike kämpft aber auch im Kerngeschäft mit Problemen. In Lausanne hat die Firma jüngst einen Auftrag an die Konkurrenz verloren. Und in der Stadt Bern erfüllt das Unternehmen die städtischen Vorgaben bezüglich Verfügbarkeit von Velos nicht, berichtete der «Bund» vor kurzem. Viele Stationen seien verwaist. Die Stadt teilte gegenüber der Zeitung mit, die Situation sei «unbefriedigend». Bis im Herbst müsse das Problem gelöst sein, sagte der städtische Verkehrsdirektor Matthias Aebischer (SP). Sonst werde man Zahlungen kürzen.

Publibike betreibt stationsgebundene Angebote. Die Velos und E-Bikes müssen an fest installierten Stationen ausgeliehen und zurückgegeben werden. Im Gegensatz dazu setzen Anbieter wie Lime, Bolt oder Voi auf «Free Floating»-Modelle. Bei diesen können Velos auf öffentlichem Grund abgestellt werden, wobei Städte bestimmte Zonen definieren können, in denen dies untersagt ist. Nutzerinnen und Nutzer können das nächste Fahrzeug über eine App finden.

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