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Namen in der Schweiz: Hier kommt dein Nachname her

An employee pictured at a drawer with certificates of family origin at the residents' registration office in Glattfelden, Switzerland, on January 22, 2015. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Der Heimatschein. Normalerweise wird dieser beim Zivilstandsamt des Heimatortes aufbewahrt.Bild: KEYSTONE

Schweizer Familiennamen: Sag uns, wie du heisst, und wir sagen dir, woher du kommst

Weisst du eigentlich, wo deine Familie schon vor dem Jahr 1800 heimatberechtigt war? Falls dein Familienname schon vor 1962 in einer Schweizer Gemeinde ihren Bürgerort hatte, findest du dies hier heraus.
21.07.2024, 12:2123.09.2024, 18:03
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Wie viele von euch bemerkt haben, funktionierte das Namenstool bei der ersten Publikation dieser Geschichte leider nicht einwandfrei. Wir haben den (zugegeben dummen) Fehler inzwischen behoben und wir hoffen, ihr habt Spass mit dem Tool!

Eure watson-Redaktion

Sag mir deinen Namen und ich sage dir, woher du kommst. Früher galt dies noch häufiger als heute. Aber noch immer stehen einige Nachnamen typisch für eine Region. Gwerders kommen aus Muotathal, Kälins aus Einsiedeln, Mansers aus Appenzell. Es gibt unzählige solche Familiennamen, die wir noch heute direkt mit einem Ort oder einer Region verbinden.

Doch wie ist dies bei deinem Nachnamen? Das Familiennamenbuch des Historischen Lexikons der Schweiz gibt dir die Antwort. Wir haben die Daten erhalten und diese in eine Karte verpackt.

Wenn deine Familie vor 1962 irgendwo in der Schweiz das Bürgerrecht erlangte, findest du die Verteilung in unserer Karte.

Woher stammt dein Familienname?

vor 1800

1801 - 1900

1901 - 1962

Namen nicht gefunden
Gemeinde nicht gefunden

Wieso entstanden überhaupt Heimatorte?

Was wir vorausschicken müssen: Die Entwicklung des Bürgerrechts ist sehr komplex und wechselhaft. Stephanie Summermatter vom Historischen Lexikon der Schweiz (HLS) schreibt dazu: «Vereinfacht kann man sagen: Das Heimat- oder Bürgerrecht und damit auch die Bürgergemeinden sind daraus entstanden, Rechte und Pflichten zu definieren.»

Gemäss Summermatter waren ab dem 9. Jahrhundert Bewohner der Siedlungen vor den Burgen sogenannte Bürger oder Burger. Daraus entwickelte sich das Bürgerrecht, das zunächst an den Besitz eines Grundstücks in der Burgergemeinde, später auch an andere Bedingungen geknüpft war. In der frühen Neuzeit kam es unter dem Eindruck des Bevölkerungswachstums insbesondere in den Städten zu einer Abschliessung der Bürger, die ihre Rechte gegenüber Zugezogenen sichern wollten, indem die Bedingungen für Neubürger verschärft wurden. Bei diesen Rechten geht es etwa um Nutzungsrechte an Gemeindegütern (Allmend, Wald, Weide, Wasser), um das Recht auf Fürsorge durch die Bürgergemeinde oder auch um das Stimmrecht.

Im Historischen Lexikon der Schweiz gibt es weitere Informationen über das Bürgerrecht, die Sesshaftigkeit und die Fürsorge.

Wie erhielt man früher einen Heimatort

Grundsätzlich erhielt und erhält, beziehungsweise erbt man das Bürgerrecht über die Abstammung vom Vater. Frauen verloren ihr angestammtes Bürgerrecht durch Heirat und erhielten jenes ihres Gatten.

Summermatter erklärt weiter: «Bei einer Heirat mit einem Ausländer verloren diese Frauen auch die Schweizer Staatsbürgerschaft, da sie an das (Gemeinde-)Bürgerrecht gekoppelt ist. Das führte zu harten Schicksalen, da bei einer Ausweisung des ausländischen Gatten auch die Schweizer Gattin die Schweiz verlassen musste.»

Erst ab 1952 konnten Frauen ihr Bürgerrecht behalten, wenn sie bei der Heirat eine entsprechende Erklärung abgaben. Und erst seit 1992 behalten Schweizerinnen bei der Heirat ihr Bürgerrecht und damit ihren Heimatort automatisch.

Der Erwerb des Bürgerrechts war auch möglich. Es gab allerdings sehr viele Möglichkeiten/Bestimmungen. Summermatter fasst es kurz so zusammen: «Grundsätzlich ging es bei der Vergabe des Burgerrechts an zugezogene Personen auch um eine Regulierung von Ressourcen. Ging es einer Stadt oder Gemeinde gut, war die Notwendigkeit, neue Bürger aufzunehmen, eher klein. Ging es ihr weniger gut, konnte durch neue Bürger die Ressourcenlage verbessert werden.»

Dann gab es auch Gemeinden, welche ihr Bürgerrecht Anfang des 20. Jahrhunderts verkauften, auch an Personen, die nie in der entsprechenden Gemeinde gewohnt haben. Mellingen AG war so eine Gemeinde. Wenn du auf unserer Karte nach dem Ort suchst, siehst du, wie zwischen 1901 und 1962 sehr viele neue Familien dazukamen – viele davon mit italienischem Namen. Übrigens: Mellingen gehörte auch kürzlich noch zu den einbürgerungsfreudigsten Gemeinden im Kanton Aargau.

Auch spannend: Zwangseinbürgerungen. «Aufgrund des Heimatlosengesetzes von 1850 wurden gut 30'000 Heimatlose zwangseingebürgert, oft gegen den Willen der Gemeinden», wie Summermatter erzählt.

Wenn du mehr über die Herkunft und Bedeutung von Namen wissen willst, hier geht's zum Interview mit dem Namensforscher.

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