Schweiz
Zürich

Coronavirus: Ausflügler strömen trotz Krise an die Sonne

Das schöne Wetter lockte die Ausflügler nach draussen: voller Parkplatz am Greifensee.
Das schöne Wetter lockte die Ausflügler nach draussen: voller Parkplatz am Greifensee.bild: watson

Volle Parkplätze und Radwege: Ausflügler strömen trotz Corona-Krise an die Hotspots

Trotz Corona-Krise: Im Alpstein-Gebiet kommt es zu unerfreulichen Szenen mit vielen Wanderern. Auch am Greifensee wimmelt es von Ausflüglern.
30.03.2020, 16:1230.03.2020, 19:37

Die Empfehlung des Bundesrates ist eigentlich eindeutig: «Bleiben Sie jetzt zuhause. Retten Sie Leben.» Nur fürs Einkaufen, Arbeiten, Hilfe-Leisten und für den Arztbesuch solle man vor die Türe gehen.

Das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung hat sich denn auch merklich verändert, wie die ETH und der Kanton Zürich melden. Auch am sonnigen Samstag wurden viel weniger Kilometer pro Kopf zurückgelegt als noch vor zwei Wochen. Dennoch folgen längst nicht alle dem Aufruf des Bundesrates. Dies führt an gewissen Hotspots zu grösseren Menschenansammlungen.

Dies zeigte sich etwa vergangene Woche im Alpstein-Gebiet. Im Appenzeller Bergparadies waren trotz Corona-Krise zahlreiche Wanderer unterwegs. Der Andrang war gar derart gross, dass sich Berufspendler darüber beschwerten, im Zug keinen Sitzplatz wegen der Tagestouristen zu finden, wie die kantonalen Behörden meldeten.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Im Wandergebiet sei es zu weiteren «unerfreulichen Zuständen» gekommen, da die Restaurants und somit auch die WC-Anlagen geschlossen seien, wie Albert Elmer vom kantonalen Führungsstab Appenzell Innerrhoden gegenüber SRF sagte.

Der kantonale Führungsstab sah sich deshalb Mitte letzter Woche gezwungen, eine Medienmitteilung herauszugeben und von einem Besuch im Alpstein-Gebiet abzuraten.

Aufruf zeigte gewisse Wirkung

«Eine gewisse Wirkung hat der Aufruf gezeigt, aber es hätte besser sein können», sagt Albert Elmer heute auf Anfrage. Man habe am Wochenende die Parkplätze beobachtet. Jener in Wasserauen sei wiederum sehr voll gewesen, bei den anderen sei ein geringeres Aufkommen registriert worden.

Ausfluegler goennen sich bei herrlichem Herbstwetter eine Pause im an den Hang gebauten Gasthaus Aescher-Wildkirchli, unterhalb der Ebenalp im Kanton Appenzell Innerhoden, am Dienstag, 14. Oktober 201 ...
Das Alpstein-Gebiet bleibt auch während der Corona-Krise beliebtes Wanderziel. (Archivbild) Bild: KEYSTONE
Lage im Aargau
Unerfreuliche Bilder gab es am Wochenende auch im Kanton Aargau. Laut dem kantonalen Lagebulletin vom Montag hat die Polizei über das Wochenende viele Gruppierungen, inkl. Risikogruppen, gebüsst und weggewiesen, die gegen das Versammlungsverbot verstossen haben.

Die Einheimischen würden sich gut an die Vorgaben halten, sagt Elmiger. «Wir haben aber viele Autos aus anderen Kantonen wie Zürich oder Thurgau gesehen.» Er könne die Behörden im Tessin gut verstehen, die nicht wollen, dass die Touristen über Ostern in den Südkanton fahren. Wenn man einen Spaziergang machen wolle, dann doch bitte in der Nähe seines Wohnortes.

Gehst du noch raus?
An dieser Umfrage haben insgesamt 12750 Personen teilgenommen

Erika Egger, Medienverantwortliche der Appenzeller Bahnen, räumt ein, dass es ein wenig eng geworden sei in den Zügen. Zu Stosszeiten sei es vorgekommen, dass vielleicht jeder zweite Platz besetzt war. Man habe deshalb reagiert und fahre jetzt mit Zusatzzügen. Sie sei froh, wenn sich zu den Pendlern nicht auch noch Tagesausflügler gesellten.

Die Zahl der Wanderer habe sich an diesem Samstag im Vergleich zum 21. März zwar fast verdoppelt, bewege sich aber im zweistelligen Bereich. «In Wasserauen stiegen 57 Personen aus, letzten Samstag waren es 31. Und wir fahren 15 Mal am Tag dorthin.»

Zahlreiche Ausflügler am Greifensee

Gross war auch die Anzahl der Ausflügler am Greifensee. Am Samstagnachmittag genossen zahlreiche Radfahrer, Skater und Wanderer das herrliche Frühlingswetter. Auch hier waren die Parkplätze proppenvoll. Konsequent Abstand halten folglich unmöglich.

Allgemein stelle die Stadtpolizei Uster fest, dass weniger Personen unterwegs seien, schreibt Stadtpräsidentin Barbara Thalmann auf Anfrage. Am Samstag habe man jedoch ein erhöhtes Aufkommen von Freizeitaktivitäten auf den Rad- und Gehwegen entlang des Sees festgestellt. Primär sei dies auf das schöne Wetter zurückzuführen.*

Auf dem Rad- und Wanderweg rund um den Greifensee herrschte am Samstag Hochbetrieb.
Auf dem Rad- und Wanderweg rund um den Greifensee herrschte am Samstag Hochbetrieb.bild: watson

«Die bundesrätliche Empfehlung, man solle wenn möglich zu Hause bleiben, ausser man müsse zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt oder jemanden unterstützen, wurde durch die Bevölkerung entsprechend nicht befolgt», schreibt Thalmann.

Der Minimalabstand und das Versammlungsverbot sei jedoch grossmehrheitlich eingehalten worden. «Wo dem nicht so war, erfolgten Ermahnungen durch die Patrouille oder wurden Ordnungsbussen ausgestellt.»

Als Massnahme würden nun in einer ersten Phase zusätzliche Plakate aufgestellt, so Thalmann. Die Sperrung des Radweges stehe «aktuell (noch) nicht an».

* Der Artikel wurde mit der Stellungnahme der Stadt Uster aktualisiert.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So kam das Coronavirus in die Schweiz – eine Chronologie
1 / 59
Das Coronavirus in der Schweiz – eine Chronologie
31. Dezember 2019: Erste Meldungen über eine mysteriöse Lungenkrankheit, die in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ausgebrochen ist, werden publiziert. 27 Erkrankte sind identifiziert.
quelle: keystone
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So feiern spanische Ärzte, wenn ihre Corona-Patienten die Intensivstation verlassen
Video: watson
«Wer die Kriterien nicht mehr erfüllt, muss die Wohnung abgeben»
Bis zu 1000 günstige Wohnungen will die Mobiliar in der ganzen Schweiz bauen. Präsident Stefan Mäder sagt, für wen sie gedacht sind, wie Missbrauch verhindert werden soll – und weshalb sich das Engagement für den Versicherer trotzdem rechnet.
«Der beste Job in der Schweiz»: So bezeichnet Stefan Mäder sein Amt als Präsident der Mobiliar. Dabei hat der 63-Jährige in seiner Karriere schon einige Chef- und Verwaltungsratsposten gesehen. Was ihn an der Mobiliar reizt, ist nicht nur das Versicherungsgeschäft. Sondern auch, dass der genossenschaftlich verankerte Konzern nicht jeden Franken Gewinn herauspressen müsse, wie Mäder sagt.
Zur Story