Schweiz
Zürich

53-Jähriger soll Barkeeper der Zürcher «Lugano Bar» erstochen haben

Bezirksgericht Vevey
Die Staatsanwaltschaft will den Mann verwahren.Bild: Imago

Barkeeper der Zürcher «Lugano Bar» erstochen: Beschuldigter liegt im Pflegebett im Saal

28.07.2026, 09:5928.07.2026, 12:40

Der 53-jährige Ungare, der sich am Dienstag wegen Mordes vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten muss, hat den Prozess von seinem Pflegebett aus begonnen. Er ist Krebspatient und in palliativer Behandlung.

«Ich habe Schmerzen wie jeden Tag», sagte der frühere Elektriker. Aber er fühle sich fähig, den Prozess durchzustehen. Auf einer Liege neben dem Bett waren die Medikamente gelagert, die er im Laufe der Verhandlung brauchen würde, darunter Morphium. Zwei Sanitäter waren während der ganzen Verhandlung im Saal anwesend.

Das Tötungsdelikt, das ihm vorgeworfen wird, stritt der 53-Jährige ab. «Ich habe nichts gemacht.» Er habe damit nichts zu tun. «Das war nicht ich», betonte er. Zum diesem Zeitpunkt sei er gar nicht in Zürich gewesen. «Das muss jemand anderes gewesen sein.»

Nach Debora gesucht

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Elektriker vor, den Barmann der Kontaktbar «Lugano Bar» am 30. August 2023 mit mindestens sieben Messerstichen getötet zu haben. Der Beschuldigte sei der Ansicht gewesen, dass der Barmann «Debora» versteckt halte.

Der Beschuldigte bestritt jedoch, dass er eine dunkelhäutige Frau namens «Debora» gesucht habe. Er kenne sie gar nicht. Allerdings wurde in seiner Wohnung ein Brief gefunden, in dem er die Schweizer Behörden darum bittet, nach «Debora» zu suchen. Die Ermittler fanden zudem ein Kartonschild mit der Aufschrift «Debora komm, ich helfe».

Staatsanwaltschaft fordert 16 Jahre Haft

Ob es diese «Debora» überhaupt gibt, ist unklar. Ein psychiatrisches Gutachten attestierte dem Beschuldigten bereits im Jahr 2016 «wahnhafte Beziehungsideen». Er stellt sich also Dinge über Beziehungen vor, die nicht existieren. Der 53-Jährige sagte dazu, es sei unvorstellbar, dass ein Psychiater so etwas behaupten könne.

Das Gutachten, das wegen dieses Strafverfahrens erstellt wurde, bezeichnet den Mann als «unberechenbar und gewaltbereit». Er leide an einer paranoiden Schizophrenie. Zudem habe er eine Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und paranoiden Anteilen.

Die Staatsanwaltschaft fordert deshalb eine Freiheitsstrafe von 16 Jahren und eine ordentliche Verwahrung. Zudem soll er für 15 Jahre des Landes verwiesen werden.

Beschuldigter beklagt sich über Haftbedingungen

Aktuell ist der mehrfach vorbestrafte Mann im Pflegezentrum Bauma ZH untergebracht, einer Einrichtung für gesundheitlich eingeschränkte Häftlinge. Er ist in palliativer Behandlung.

Mit seiner Unterbringung ist er nicht zufrieden. Ihm werde in Bauma die nötige medizinische Behandlung verweigert, kritisierte er. Im vergangenen Jahr habe er eine Immuntherapie erhalten, die gegen den Krebs gewirkt habe. Diese werde ihm nun aber vorenthalten.

Wann das Bezirksgericht das Urteil eröffnet, ist noch unklar. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Rheinhäfen in Basel – das Tor der Schweiz zur Welt
1 / 7
Die Rheinhäfen in Basel – das Tor der Schweiz zur Welt

Der Güterumschlag erfordert grosses Koordinationsgeschick: Ein Hafenmitarbeiter in einer Kommandozentrale in Basel-Kleinhüningen, 1966.

quelle: eth-bildarchiv
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Taifun «Noul» peitscht mit hoher Geschwindigkeit durch Hongkong
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
10 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
10
Sika wächst wieder aus eigener Kraft
Sika hat ein anspruchsvolles Halbjahr hinter sich. Trotz eines rückläufigen Umsatzes konnte der Hersteller von Bauchemie- und Klebstoffen die Gewinnzahlen aber knapp halten. Und die Innerschweizer sind zuletzt wieder aus eigener Kraft gewachsen.
Zur Story