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In dieser Saison hatten die Bayern mit Torschützenkönig Robert Lewandowski die Nase vorn.
In dieser Saison hatten die Bayern mit Torschützenkönig Robert Lewandowski die Nase vorn.Bild: www.imago-images.de
Akanjis Revier

Was mich am Zweikampf in der Bundesliga an die Super League erinnert

Meine Saison ist beendet, nun stehen Ferien an. Bevor ich mit meiner Familie den Sommer geniesse, blicke ich nochmals zurück auf ein aufregendes Jahr mit Borussia Dortmund.
03.07.2020, 14:3603.07.2020, 15:17
Manuel Akanji
Manuel Akanji
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Eine lange Saison ist vorbei. Es war, mehr oder weniger, eine gute. Klar wären wir mit Borussia Dortmund gerne Meister geworden. Aber wir haben in der Hinrunde zu viele Punkte liegen gelassen. Bayern München hat ebenfalls eine souveräne Rückrunde gespielt, deshalb reichte es uns am Ende nicht.

Wir mussten uns als Mannschaft erst finden. Als wir dann das System gefunden hatten, das am besten zu uns passt, wurden die Leistungen immer besser. Auch in der Rückrunde, als es bis zum Bayern-Spiel noch darum ging, ob wir Meister werden können, waren wir gut. Danach haben wir nachgelassen. Das darf uns nicht mehr passieren.

Nach einer langen Saison geht's ab in die Ferien.

Wie lange diese besondere Saison war, fällt vielleicht erst beim Blick zurück auf. Mit dem 2:0-Sieg im Supercup gegen Bayern München begann sie optimal. Gefühlt ist das schon ewig her. Ein «riesiger» Titel war das aber ehrlich gesagt nicht: Wir durften nur spielen, weil wir Zweiter geworden waren, Bayern hatte ja das Double geholt.

Was mir jedoch immer in Erinnerung bleiben wird, ist der spektakuläre Sieg gegen Inter Mailand in der Champions League. Unvergessliche 90 Minuten waren das! In der Halbzeit lagen wir 0:2 zurück und wussten, dass wir die Partie gewinnen müssen, um im Wettbewerb zu bleiben. Wir gaben nochmals alles und die Fans haben uns grossartig unterstützt, die Stimmung war fantastisch. Und so haben wir den Match noch gedreht und 3:2 gewonnen. Bei solch schönen Erinnerungen ist es umso bedauerlicher, dass die aktuelle Situation es nicht zulässt, Fussball vor Zuschauern zu spielen. Aber ich bin froh, dass wir die Saison wenigstens zu Ende spielen durften.

Die Highlights des 3:2-Siegs gegen Inter.Video: YouTube/Borussia Dortmund

Mit einem Geisterspiel endete, kurz vor der Corona-Zwangspause, auch unsere Champions-League-Saison, mit dem Ausscheiden bei Paris Saint-Germain. Es war für viele von uns das erste Spiel überhaupt ohne Zuschauer und wir wussten nicht, was uns da erwartet. Leider konnten wir dann nicht die Leistung abrufen, die nötig gewesen wäre.

In der Bundesliga reichte es am Ende wie im Vorjahr zu Rang 2. Um die Bayern hinter dir zu lassen, darfst du dir nur sehr wenige Fehler erlauben, es ist eine schwierige Aufgabe. Wir haben es versucht und werden weiter versuchen, ihnen das Leben schwer zu machen.

Die Bayern haben eine unglaubliche Qualität in der Mannschaft, das weiss man, das muss man auch anerkennen. Aber wir müssen uns davor nicht verstecken! Ihr Vorteil war bestimmt die unglaubliche Erfahrung, die sie in ihren Reihen haben. Einige Spieler wurden schon zum achten Mal in Folge Meister. Nicht unwichtig.

Ich vergleiche die Situation häufig mit der Super League. YB war jahrelang immer vorne dabei, aber wenn es dann zum Spitzenspiel gegen den FC Basel kam, verloren die Berner. Denn wir wussten mit dem FCB haargenau, was es braucht, um diese Partie und den Meistertitel zu gewinnen.

Winterzugang Erling Haaland brachte mit seiner starken Physis ein neues Element in unser Spiel – und er schoss unglaublich viele Tore.
Winterzugang Erling Haaland brachte mit seiner starken Physis ein neues Element in unser Spiel – und er schoss unglaublich viele Tore.Bild: imago-images/Norbert Schmidt

Beim Team in der Aussenseiterrolle muss vieles stimmen, damit es diese Siegermentalität entwickelt. Bayern München hat diesen Willen, immer und immer wieder Meister zu werden. Aber unser Hunger, oder auch der von den anderen Verfolgern wie RB Leipzig oder Borussia Mönchengladbach, ist vermutlich grösser, endlich die Schale zu holen. Bis auf wenige in unserer Mannschaft haben die meisten noch nie die Schale in den Händen gehabt. Darum wollen wir dieses Gefühl auch einmal erleben und ich bin überzeugt, die Zeit wird kommen, dass Deutschland mal wieder einen anderen Meister hat.

In der Hinrunde hatte ich die eine oder andere Phase, in der es mir nicht so lief, wie ich es mir wünschte. Ich machte mir Gedanken, wie ich mein Spiel verbessern konnte. Mit harter Arbeit und Fleiss habe ich es wieder geschafft. Ich denke, dass ich besonders nach der Corona-Pause eine sehr gute Leistung gezeigt habe. Wir erhielten kaum Gegentore und ich konnte meinen Teil zu positiven Resultaten beitragen.

Das Schuften in der Winterpause hat sich gelohnt.

Es macht schon Spass, in einem Team wie Borussia Dortmund spielen zu können. Wir haben viele begabte Spieler. Das Niveau ist sehr hoch, im Training ist man täglich gefordert. Wir pushen uns gegenseitig, weil jeder mit den anderen mithalten will. Ich bin nicht der Meinung, dass unsere Mannschaft mit einem «fehlenden Charakter» oder Ähnlichem zu kämpfen hat, was da und dort von Aussenstehenden behauptet wird. Man holt keine 69 Punkte, wenn Mentalität und Charakter fehlen. Das vergessen viele. Werden wir Meister, war es eine gute Saison, werden wir Zweiter, war die ganze Saison schlecht.

Auch Gerüchte um meine Person gibt es immer, obwohl ich bei Dortmund glücklich bin und einen Vertrag bis im Sommer 2022 habe. Man sollte als Fan nur das glauben, was schlussendlich von einem Klub final bestätigt wird. Wenn wirklich etwas konkret ist, erfahre ich das von meinem Berater und sicher nicht aus dem Internet.

Nun freue ich mich aber primär darüber, dass ich Ferien habe, und damit Zeit, um auszuruhen und den Kopf zu lüften. Ich muss erst im August wieder in Dortmund sein, bis dahin hat jeder Spieler einen individuellen Trainingsplan erhalten, um fit zu bleiben. Den grössten Teil der Sommerferien werden meine Frau, unser Sohn und ich in der Schweiz verbringen. Gut möglich, dass ich auch einmal eine Partie meines Heimatklubs FC Winterthur besuchen werde, wenn es sich ergibt.

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bild: sven germann

Akanjis Revier

Von Wiesendangen auf die grosse Fussballbühne: Manuel Akanji hat sich als Bundesligaspieler und in der Schweizer Nati etabliert.

In seinem Blog auf watson erzählt der 25-Jährige aus dem Leben eines Profifussballers. Unverblümt, authentisch, anekdotenreich – mit einem spannenden Einblick auf und neben das Spielfeld.

Mehr von Manuel Akanji gibt's hier:
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«Gazza» und Co. – die besten Fussballer-Zitate

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