DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eine verschworene Einheit – auch darum ist der FCZ Meister geworden.
Eine verschworene Einheit – auch darum ist der FCZ Meister geworden.Bild: keystone
Analyse

Unerwartet, souverän, verdient – wie der FCZ Meister geworden ist

Der FC Zürich ist zum 13. Mal Schweizer Meister. Nie kam der Titelgewinn des Stadtklubs so unerwartet – und nie war er so souverän und verdient wie in dieser Saison.
01.05.2022, 19:3302.05.2022, 11:05

Neun Jahre ist es her, seit in der Super League die Entscheidung um den Meistertitel erst in der letzten Runde fiel. Seither realisierten die Titelgewinner FC Basel (bis 2017) und Young Boys (2018 bis 2021) einen mehr oder weniger unangetasteten Start-Ziel-Sieg. YB etwa wies in seinen vier Meisterjahren im Schnitt 18 Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger auf. Basel gewann seine Titel 2016 und 2017 mit 14 beziehungsweise 17 Punkten Vorsprung.

Wieder wird der FCZ im Basler St.Jakob-Park Schweizer Meister.
Wieder wird der FCZ im Basler St.Jakob-Park Schweizer Meister.Bild: keystone

So gesehen ist der Saisonverlauf an der Spitze der Super League 2021/22 nur die Fortsetzung der vorangegangenen Jahre. Und doch war diese Spielzeit aussergewöhnlich. Denn es gab weder einen Berner noch einen Basler Monolog. Es war der FCZ, der durchmarschierte, an 23 von bisher 32 Runden Leader war. Der seit November die Führung nicht mehr abgab und nun schon vier Runden vor dem Saisonende als Meister feststeht.

Um die Grösse dieser Überraschung richtig einzuschätzen, muss man zurückgehen in den letzten Juli. Die FCZ-Protagonisten sprachen am Vorabend der neuen Saison über Ziele, Erwartungen und Perspektiven. Wenige Wochen zuvor hatte der Stadtklub den 8. Schlussrang erreicht, zum dritten Mal in Folge eine Saison in der unteren Tabellenhälfte beendet. Im Frühling 2021 sogar mit der Abstiegsangst im Nacken. Der neue Trainer André Breitenreiter sagte am Tag vor dem Startspiel gegen Lugano: «Ich habe eine verunsicherte Mannschaft angetroffen.»

Es war die Zeit, in welcher der Präsident Ancillo Canepa mit seinen Kritikern diskutierte, ob sein FCZ überhaupt ein Spitzenklub sei. Es war der Sommer, in dem der FCZ nach enttäuschenden Jahren einen Umbruch einleitete, sich von Routiniers wie Lasse Sobiech, Adrian Winter, Benjamin Kololli, Hekuran Kryeziu, Nathan und nicht zuletzt auch von der Identifikationsfigur Marco Schönbächler trennte.

Zwei wichtige Teile im FCZ-Meisterpuzzle: Blerim Dzemaili mit Trainer André Breitenreiter.
Zwei wichtige Teile im FCZ-Meisterpuzzle: Blerim Dzemaili mit Trainer André Breitenreiter.Bild: keystone

Canepa sprach von einem «Umbruch» und tastete sich vorsichtig an die neuen Saison heran: «Über Ziele will ich nicht philosophieren.» Trainer Breitenreiter hielt den Ball ebenfalls flach. Man müsse Ziele nicht nur über Platzierungen definieren, es gebe auch andere Ziele: «Wir wollen, dass unser Team einen Wiedererkennungswert hat.»

Späte und Ceesay-Tore als Markenzeichen

Genau diesen hat der 48-jährige Deutschen etabliert. Früh in der Saison gab es Ereignisse, welche den FCZ prägten und wiederkehrend waren. In der 2. Runde etwa schoss Assan Ceesay auf dem Weg zum 3:1 gegen Lausanne-Sport zwei Tore; mittlerweile steht der Stürmer aus Gambia, dem in den Saisons zuvor so wenig hatte gelingen wollen, bei 18 Toren.

In der 4. Runde gewann der FCZ das Derby gegen die Grasshoppers dank einem Treffer in der 95 Minute; mittlerweile sind es 20 Tore, welche der neue Meister in der Schlussviertelstunde erzielte hat. Insgesamt haben diese Tore zwölf Punkte eingebracht. Nie waren die späten Treffer wichtiger als beim 3:3 gegen den FC Basel (12. Runde) und beim 1:0 gegen YB (14. Runde).

Assan Ceesay – vom Chancentod zum eiskalten Knipser.
Assan Ceesay – vom Chancentod zum eiskalten Knipser.Bild: keystone

Das sind die prägendsten statistischen Werte. Doch es gibt auch das spielerische Element. Breitenreiter hat es in kürzester Zeit geschafft, dieser «verunsicherten» Mannschaft Leben, Stabilität und eine Handschrift zu geben. Was Breitenreiters Teams bereits in der Bundesliga auszeichnete, bringt auch der FCZ auf den Rasen. Schnelles, vertikales Spiel und effiziente Angriffe über die Flügel. Der neu verpflichtete, linke Aussenläufer Adrian Guerrero etwa ist mit zehn Vorlagen der zweitbeste Assistgeber der Super League.

Es passt zu diesem FCZ und seinem überraschenden und deshalb auch etwas unkonventionellen Meisterjahr, dass Breitenreiter ausgerechnet nach der höchsten Niederlagen, einem 0:4 in der 6. Runde gegen den abtretenden Titelträger YB, davon sprach, dass seine Mannschaft «die Spielprinzipien verstanden und verinnerlicht» habe. «Wir sind auf einem guten Weg», folgerte er an diesem Abend Mitte September.

Ist nach dem Umbruch vor dem Umbruch?

Wie gut der Weg nach dem Meisterrausch im Sommer weitergeht, ist offen. Leistungsträger wie Mittelfeldspieler Ousmane Doumbia oder Topskorer Ceesay haben auslaufende Verträge und sind auf dem Absprung. Ob der 36-jährige Blerim Dzemaili nochmals mit so wenigen Verletzungen durch eine Saison kommt, ist ebenso fraglich wie die Zukunft von Verteidiger Becir Omeragic, der Angebote aus halb Europa hat und sich derzeit ausserdem mit einer gravierenden Knieverletzung herumplagt.

Die FCZ-Spieler feiern den Titel mit den Fans.
Die FCZ-Spieler feiern den Titel mit den Fans.Bild: keystone

Und selbst der Verbleib von Trainer Breitenreiter ist nicht garantiert. «Ich bin kein Wappenküsser», hat er vor ein paar Wochen gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» schon mal gesagt. Die Leistungen seiner Mannschaft sind auch in Deutschland nicht unter dem Radar geblieben. Breitenreiter wird eher früher als später ein gutes Angebot aus der Bundesliga vorliegen haben – sofern dies nicht schon geschehen ist.

So gesehen könnte dieser (Meister-)Monolog des FC Zürich durchaus weniger nachhaltig sein als bei den Vorgängern aus Basel und Bern. Doch nach dieser Saison wissen sie beim FCZ: Auch in einem Umbruchjahr ist alles möglich. (pre/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

GC, Basel und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Meister

1 / 17
GC, Basel und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Meister
quelle: keystone / paolo foschini
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Penalty-Duell gegen Pascal Zuberbühler

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

14 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Don Alejandro
01.05.2022 19:25registriert August 2015
Unerwartet, souverän, verdient - der Titel bringt es auf den Punkt! Eine wohltuende Abwechslung für den neutralen Zuschauer.
733
Melden
Zum Kommentar
avatar
kärli
01.05.2022 20:11registriert Juli 2015
Gratuliere den Stadtzürchern zum verdienten Meistertitel! Grün-weisse Grüsse und lasst‘s ordentlich krachen.
461
Melden
Zum Kommentar
avatar
deepsprings
01.05.2022 19:25registriert Februar 2015
🔵⚪🤗
318
Melden
Zum Kommentar
14
Wer braucht schon einen Trainer – NBA-Superstar Durant stellt den Nets ein Ultimatum
Der Superstar der Brooklyn Nets, Kevin Durant, verleiht in einem Treffen mit Nets-Teambesitzer Joe Tsai seiner Trade-Forderung nochmals Nachdruck. Der ehemalige MVP der Liga stellt dem Team sogar ein Ultimatum.

Kevin Durant will die Brooklyn Nets unbedingt verlassen. Seit seiner ersten Trade-Forderung im Juni ist allerdings nicht viel passiert, was den Superstar offenbar ziemlich frustriert. Deshalb zündete der zwölffache NBA-All-Star nun die nächste Eskalationsstufe und bot Teambesitzer Joe Tsai zu einem Gespräch nach London auf.

Zur Story