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Ajoie überrascht in der National League – der Absturz droht trotzdem

KEYPIX - Joie de Julius Honka (HCA) apres avoir marque le but du 4:3 lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre HC Ajoie et SC Rapperswil-Jona Lakers le samedi 26 ...
Ajoie liegt aktuell auf einem Playoff-Platz. Bild: keystone
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Wohin kann die Reise von Ajoie in dieser Saison noch führen?

Der HC Ajoie liegt nach einem guten Saisonstart tatsächlich auf einem Playoff-Platz. Wo liegen die Gründe für das Hoch und kann es tatsächlich so weitergehen? Eine Analyse.
02.10.2026, 11:1302.10.2026, 11:13

Der HC Ajoie ist bislang eine der positiven Überraschungen der noch jungen National-League-Saison. Seit sie 2021 aufgestiegen sind, landeten die Jurassier immer auf dem letzten Platz und waren oft schon früh weit abgeschlagen. Nun liegen sie mit elf Punkten aus sieben Spielen auf dem fünften Platz.

Natürlich ist es noch so früh in der Saison, dass die momentane Rangierung wenig zu bedeuten hat – zumal die Liga in dieser Saison extrem ausgeglichen scheint. Mit zwei oder drei Niederlagen in Folge könnten die Ajoulots auch wieder unter dem Play-In-Strich landen. Aber bis dahin wird das Team von Ville Peltonen die momentane erfolgreiche Phase geniessen – und wir wollen uns anschauen, was denn dahintersteckt und wie lange diese Phase wohl noch anhält.

Kaum Nuller

In sieben Spielen hat Ajoie erst einmal nach 60 Minuten verloren – und ein 2:4 zuhause gegen die immer noch makellosen ZSC Lions ist wahrlich keine Schande. Ansonsten haben die Jurassier immer mindestens einen Punkt geholt. Nun mögen Nörgler einwenden, dass es noch früh in der Saison sei und erst im März abgerechnet werde. Aber ein Punkt im September ist genau gleich viel wert wie einer im Februar oder März. Oft machen nur wenige Zähler am Ende den Unterschied zwischen dem Erreichen der Play-Ins und dem frühzeitigen Saisonende oder gar dem Gang in die Playouts aus. Darum kann sich jeder Punkt, den Ajoie in dieser Phase holt, am Ende noch als wertvoll erweisen.

Die Highlights von Ajoies Sieg gegen Lausanne.Video: YouTube/HC Ajoie

Geht es so weiter?

Ajoie hat zum Saisonauftakt gezeigt, dass es mittlerweile gut genug ist, die Spiele gegen fast jeden Gegner eng gestalten zu können. Zudem haben sie bewiesen, dass sie in heissen Phasen auch kühlen Kopf bewahren und sich in Verlängerungen oder Penaltyschiessen Zusatzpunkte sichern können.

Trotzdem: Ajoie ist momentan sicher eher glücklich unterwegs (dazu auch später noch mehr). Und die Ajoulots profitieren auch davon, dass bei anderen, auf dem Papier besseren Teams momentan noch nicht alles zusammenpasst. Davos ist noch in der Findungsphase, Lausanne kämpft mit diversen Verletzungen und Lugano und Bern haben noch ausstehende Spiele. Wenn diese Klubs im Laufe der Saison gefestigt sind, dürfte es für Ajoie schwieriger werden, so regelmässig zu punkten. Mit Vizemeister Davos und Meister Fribourg warten in den nächsten Spielen schwierige Auswärtsspiele – dazwischen empfängt man noch das nur langsam in die Saison gestartete Lugano.

Mehr Spielanteile

Eine Art zu messen, wie gut ein Eishockeyteam spielt, ist die sogenannte Expected-Goals-Percentage. Dabei wird der Anteil der eigenen, herausgespielten Chancen mit jenen des Gegners verglichen. Wenn der Wert über 50 Prozent liegt, ist er positiv. Die Rechnung ist einfach: Wenn du mehr Chancen kreierst, als du zulässt, hast du grössere Chancen, das Spiel zu gewinnen.

Ajoie kam seit dem Aufstieg in die National League nie auch nur in die Nähe von 50 Prozent. So nahe wie dieses Jahr waren die Westschweizer aber noch nie. In den ersten sieben Spielen hatten sie durchschnittlich 44,21 Prozent der Chancen auf der eigenen Seite. Das ist weiterhin nicht sehr gut, aber reicht immerhin, um bislang den EHC Kloten hinter sich zu lassen. Klar ist: Ein besseres Expected-Goals-Verhältnis bietet Ajoie auch bessere Chancen, um in jedem Spiel tatsächlich zu punkten.

Geht es so weiter?

Das lässt sich nur schwer prognostizieren. Auch hier gilt: Wenn sich die auf dem Papier besseren Teams mit Verlauf der Saison langsam fangen, wird es für Ajoie schwieriger, sich durchzusetzen. Und auch wenn das Team von Ville Peltonen sich im Vergleich zu den Jahren zuvor stark verbessert hat, so ist es halt immer noch der zweitschwächste Wert der National League. Längerfristig gesehen dürfte es so schwierig werden, weiterhin so regelmässig zu punkten.

Starke Ausländer

Der finnische Stürmer Kristian Tanus ist mit fünf Toren und sieben Assists aus sieben Spielen momentan Ligatopskorer. Auch Daniel Carr (2 Tore, 6 Assists) und der Rest der jurassischen «Finnen-Mafia» mit Anttoni Honka (3 Tore, 4 Assists), Julius Nättinen (3 Tore, 3 Assists), Jerry Turkulainen (1 Tor, 5 Assists) und Julias Honka (1 Tor, 4 Assists) überzeugen bislang restlos. Das ist umso wichtiger, weil kaum ein National-League-Team derart stark von seinen Ausländern abhängig ist wie Ajoie.

Geht es so weiter?

Hier dürften bei Ajoie-Fans die Alarmglocken schrillen, denn viele der Ausländer sind momentan eher am Überperformen – oder sie profitieren von überdurchschnittlich viel Abschlussglück. Tanus hat nach sieben Spielen eine Schusseffizienz von über 46 Prozent. Im Verlauf der Saison dürfte sich dieser Wert beim Flügelstürmer, der in seiner bisherigen Karriere eher nicht als Sniper bekannt war, wieder irgendwo zwischen 10 und 18 Prozent einpendeln. Das heisst, Tanus wird auch Phasen erleben, in denen die Pucks deutlich weniger regelmässig reinfallen.

Das könnte bei Ajoie für grosse Probleme sorgen, denn Tanus ist nicht alleine. Auch Turkulainen (33,33 Prozent), Julius Nättinen (18,75 Prozent) und Anttoni Honka (14,29 Prozent) haben momentan sehr viel Abschlussglück – in Honkas Fall zumindest für einen Verteidiger. Wenn dann bei mehreren Ausländern eine Torflaute ansteht, dann dürften die Jurassier in eine Krise geraten. Die Schweizer bei Ajoie sind nämlich nicht gut genug, um das zu kompensieren.

Fazit

Ajoies momentaner Höhenflug – und Platz 5 ist für einen Klub wie Ajoie tatsächlich als Höhenflug zu bezeichnen – wird wohl nicht mehr ewig so weitergehen. Auch wenn sie der Konkurrenz etwas näher gekommen sind, bleiben die Jurassier eines der schwächsten Teams der National League. Wenn die ausländischen Spieler wieder auf dem Boden der Realität ankommen und die Konkurrenz sich festigt, ist aufgrund der engen Verhältnisse ein Absturz vorprogrammiert. Aber: Der HCA wird versuchen, die momentane Welle möglichst lange weiterzureiten. Jeder jetzt geholte Punkt, kann sich gegen Ende Saison als wertvoll erweisen und vielleicht gelingt es den Ajoulots ja tatsächlich, mal nicht auf dem letzten Platz zu landen.

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