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Analyse

Barça steht vor einem Scherbenhaufen – kein Wunder, dass Messi die Tränen kommen

Der FC Barcelona musste sich im Supercup Real Madrid geschlagen geben. Noch schlimmer als das klare Verdikt von 1:5 über Hin- und Rückspiel war jedoch die Hilflosigkeit der Katalanen. Barça steht vor einer ganz komplizierten Saison – und muss auf dem Transfermarkt dringend handeln. 
17.08.2017, 11:4017.08.2017, 12:34

Der Supercup ist keiner der grossen Titel. Dass ihn der FC Barcelona gegen Real Madrid verloren hat, ist keine Schande, auch das Skore von 1:5 über zwei Spiele ist keine Riesenblamage. 

Dennoch trifft die Niederlage den FC Barcelona schwer. Denn der «Blaugrana» wurden von Real schonungslos die Grenzen aufgezeigt. Der Abgang von Neymar wiegt erwartungsgemäss schwer.

Die Tränen von Lionel Messi nach der Partie dürften denn auch eher der Hilflosigkeit, als der Niederlage an sich gelten. Der Superstar war bemüht, aber ziemlich auf sich alleine gestellt. 

Video: streamable

Damit Messi bald wieder lachen kann, muss der FC Barcelona fünf Baustellen dringend beheben. Sonst steht dem Team von Ernesto Valderde eine miserable Saison bevor. 

Das ehemalige Prunkstück

Zum ersten Mal seit 31 Clasicos hatte Barcelona weniger Ballbesitz als Real Madrid. Zuletzt war das vor knapp 10 Jahren der Fall. 

Das kommt nicht zufällig. Das traditionell sehr spielstarke und auf Ballbesitz ausgelegte Mittelfeld von Barça hat einfach nicht mehr so viel Qualität. Ivan Rakitic knüpft an seine schwache Vorsaison an, André Gomes ist für Barcelona eigentlich ohnehin zu schlecht und Sergio Busquets' Form ist miserabel. Bleibt noch Andrés Iniesta, der aber auch schon 33 Jahre alt ist. Die Hoffnungen ruhen auf Sergi Roberto (25) und Denis Suarez (23), die aber noch kein Weltklasseniveau haben.

Und da ist ja noch Neuzugang Paulinho, für den Barcelona 40 Millionen Euro nach Guangzhou überwies. Für einen 29-jährigen Spieler, der die letzten zwei Jahre in China gespielt hat. Ob dieser Paniktransfer wirklich weiterhilft?

Coutinho wäre bereit, zum FC Barcelona zu wechseln. Doch lässt ihn Liverpool ziehen?
Coutinho wäre bereit, zum FC Barcelona zu wechseln. Doch lässt ihn Liverpool ziehen?Bild: AP/AP

Will sich Barcelona unmittelbar im zentralen Mittelfeld verstärken, muss ein Kaliber wie Philippe Coutinho her. Doch lässt ihn der FC Liverpool für 100 Millionen Euro überhaupt ziehen?

«Wir müssen der Mannschaft mit Verstärkungen helfen – und diese werden in den kommenden Tagen bei uns sein.»
Barça-Sportchef Pep Segura

Einen 222-Millionen-Mann ersetzen

Dass der Abgang von Neymar sportlich nicht gleichwertig zu kompensieren ist, war klar. Derzeit hat Barça mit Deulofeu aber einen Spieler auf seiner Position, der mehr als eine Klasse schwächer ist. Hier wunderbar illustriert: 

Die Alternativen heissen Arda Turan oder Denis Suarez, der auch als Flügel einsetzbar ist. Doch Neymar ersetzen können sie ebenfalls nicht annähernd. Das weiss man natürlich auch beim FC Barcelona. Deshalb ist man bereit, über 100 Millionen Euro für Borussia Dortmunds Ousmane Dembélé auszugeben.

Wechselt Ousmane Dembélé bald nach Barcelona?
Wechselt Ousmane Dembélé bald nach Barcelona?Bild: AP/dpa

Der 20-jährige Dembélé möchte unbedingt zu Barça, darum stellt sich der Franzose in Dortmund quer. Noch fordert der BVB aber 150 Millionen Euro. Das Wissen, dass Barcelona nach dem Neymar-Abgang eine volle Transferkasse hat, macht die Verpflichtung von neuen Spielern auch nicht billiger.

Gemäss Pep Segura, dem Sportlichen Leiter vom FC Barcelona, ist man sowohl an Dembélé als auch an Coutinho dran: 

«Wir haben die Bedingungen für einen Transfer von Coutinho und Dembélé diskutiert. Wir sind nahe dran.»
Pep Segura

Wankende Innenverteidigung

In der Innenverteidigung fehlt es Barcelona an Quantität und Qualität. Im Moment ist nur Samuel Umtiti gut genug. Mascherano ist bereits 33-jährig, er hat je länger je mehr Mühe, seine Leistung zu erbringen. Dazu kommt die derzeit katastrophale Frühform von Gerard Pique, der sich erfahrungsgemäss erst im Laufe der Saison zu steigern vermag. Daneben sind Vermaelen (verletzt) und Neuzugang Marlon (21, Brasilien) im Kader.

Inigo Martinez von Real Sociedad. Wäre er eine gute Alternative für Barcelonas Defensive?
Inigo Martinez von Real Sociedad. Wäre er eine gute Alternative für Barcelonas Defensive?Bild: AP/AP

Gegen Real Madrid waren vor allem die vielen Abstimmungsfehler in Barças Defensive beängstigend. Die Katalanen könnten einen weiteren starken Innenverteidiger brauchen. Doch gute zentrale Verteidiger sind rar. Zwei Wochen vor Transferschluss wird es schwer, noch eine echte Verstärkung zu finden. Eine Option ist offenbar Inigo Martinez von Real Sociedad, der 26-jährige Spanier hat eine Ausstiegsklausel von 32 Millionen Euro.

Angst, das Potential auszuschöpfen

Barcelona hat durchaus vielversprechende Spieler im Kader. Diese wirken aber derart verunsichert, dass sie sich kaum trauen, ihr Potenzial auszuschöpfen. Aussenverteidiger Nelson Semedo, der von Benfica Lissabon gekommen ist, hat sehr gute Anlagen, spielt aber noch zu mutlos – verständlich für einen 23-jährigen Neuzugang, wenn es der ganzen Mannschaft nicht läuft.

Der Auftritt von Semedo gegen Real Madrid gestern. Starke Ansätze sind durchaus zu erkennen.Video: YouTube/MEL11

Auch Deulofeu oder Suarez sind keine schlechten Fussballer, haben aber zu viel Angst davon, Fehler zu machen und vergessen dadurch, Argumente für sich zu sammeln. Bei Barcelona reicht es halt nicht, keine Fehler zu machen. Bei einem Klub mit so hohen Ansprüchen sollte man sich auf jeder Position profilieren. 

Valverde muss sich etwas überlegen

Der neue Coach Ernesto Valverde hat mit dem Traineramt in Barcelona keine einfache Aufgabe übernommen. Für den Spanier, der zuletzt vier Jahre lang Athletic Bilbao coachte, ist der immense Druck in Barcelona etwas Neues. 

Bei Athletic spielte Valverde konsequent mit einem defensiv ausgerichteten 4-2-3-1 – in Barcelona muss er sowohl Ausrichtung als auch Formation anpassen. Vor allem mit dem gewohnten Ballbesitz-Fussball hat Valverde aber grosse Mühe. In Barcelona wird kein mauern und kontern erwartet, sondern dass das Spiel gemacht wird und man dem Gegner im Zentrum überlegen ist.

Bei Barcelona wird er auf das bei den Katalanen gewohnte 4-3-3 mit einem Sechser und zwei Achtern umsteigen (müssen). So agierte er bereits im Supercup-Hinspiel. Im Rückspiel versuchte es Valverde mit einem 3-5-2, welches aber nicht wunschgemäss funktionierte. 

Noch sind bei Valverde weder eine Handschrift noch eine Spielidee zu erkennen. Eines ist aber sicher: Er muss es schnell ändern. Die Kombination von Niederlage und wenig Ballbesitz – das kann in Barcelona nicht lange gut gehen. 

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Connor McJesus
17.08.2017 12:54registriert November 2015
Das Grundproblem liegt doch bei Barca viel tiefer: man hat sich selbst von der eigenen Philosophie, nämlich Jugendförderung durch La Masia und dadurch die Implementierung der Spielpilosophie, entfremdet. Vielleicht war die Führung nach den "fetten Jahren" unter Guardiola übersättigt und hat dachte die Maschine läuft von alleine. Während sich bei Real junge Spieler wie Asensio, Vasquez und Kovacic durchsetzen, tut sich Barca schwer damit, Iniestas Nachfolger zu finden.
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Dostoi
17.08.2017 15:41registriert Mai 2015
Thomas Vermaelen.. Ganz vergessen dass der noch existiert. Paradebeispiel für einen karrieretötenden Clubwechsel.
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