Paris Saint-Germain und die legale Wettbewerbsverzerrung
Nach Manchester City in der Vorwoche hat Paris Saint-Germain nun auch dem FC Barcelona den Meister gezeigt. Sowohl die Skyblues als auch die Blaugrana stehen in ihren Ligen an der Spitze und waren in dieser Saison in Pflichtspielen zuvor makellos. Dann setzte es gegen PSG für beide Teams eine 2:4-Niederlage.
Während ManCity die Partie schon nach einer guten halben Stunde und drei Gegentoren abhaken konnte, bewegte sich Barça am gestrigen Dienstagabend in einem hochkarätigen Duell lange auf Augenhöhe mit den Parisern. In der 79. Minute gelang Lamine Yamal der erneute Ausgleich. Doch PSG hatte in der Schlussphase noch Luft und nutzte diese dank Vitinha und Fabian Ruiz zu zwei weiteren Toren.
Gerade beim vierten Gegentor war die Defensive der Gäste zu passiv und ging Ruiz am zweiten Pfosten vergessen. Ob dies auch an der Müdigkeit nach fast 90 Minuten gegen ein Spitzenteam in Topform lag? Klar ist: Paris Saint-Germain hat im Vergleich zu den Topklubs aus anderen Ligen einen entscheidenden Vorteil.
National kann PSG häufig auf die zweite Garnitur setzen
So ist PSG der nationalen Konkurrenz dank des Gelds aus Katar uneinholbar enteilt. Seit der Saison 2012/13 gingen zwölf von 14 Titeln an den Hauptstadtklub. Und anders als beim ähnlich erfolgreichen Bayern München reicht den Parisern in vielen Partien auch die zweite Garnitur. Trainer Luis Enrique kann seine wichtigsten Akteure in Ligaspielen dadurch häufig schonen.
Am vergangenen Wochenende standen beim 3:1-Sieg in Strassburg nur drei Feldspieler in der Startformation, die auch gegen Barça von Beginn an auf dem Feld standen. Vor dem Duell mit Manchester City nahm der Coach gar acht Änderungen vor. Natürlich schonen auch andere Topklubs ihre Spieler gegen vermeintlich schwächere Gegner mal – aber in diesem Ausmass kann sich das nur PSG leisten.
Das Phänomen ist nicht neu. Schon in den letzten beiden Jahren profitierte Paris Saint-Germain in der entscheidenden Phase der Champions League davon, dass seine Spieler im Vergleich zu jenen der Konkurrenz deutlich frischer waren. Nur sehr wenige Leistungsträger kamen überhaupt auf über 1500 Einsatzminuten in der Liga. Mit Willian Pacho und Vitinha standen lediglich zwei davon im Final der Königsklasse in der Startformation.
PSG hat ein Team für die Liga und eines für die Königsklasse
Zum Vergleich: Bei Gegner Arsenal, der bis zum Schluss erfolgreich um die englische Meisterschaft kämpfte, kamen mehrere Stammspieler auf über 2500 Minuten, Declan Rice hatte gar 3099 Premier-League-Minuten in den Knochen. Selbst Halbfinalgegner Bayern München musste in der Bundesliga in fast jedem Spiel auf die Superstars Harry Kane und Michael Olise setzen.
Und in dieser Saison setzt sich das Schema fort. Zwar schwächelte PSG zu Saisonbeginn, doch ist es nun schon wieder punktgleich mit Leader Lyon auf dem zweiten Platz. Dank des finanzstarken Geldgebers und der riesigen Einnahmen aus der Champions League kann sich PSG sozusagen ein Team für die Königsklasse und ein zweites für die Liga leisten. Selbst dieses hebt sich qualitativ von den Stammformationen von Klubs wie Lyon, Monaco oder Marseille noch ab.
So werden auch Stars wie Désiré Doué, Ousmane Dembélé oder Chwitscha Kwarazchelia, der sich nun aber einen Kreuzbandriss zuzog, häufig nur eingewechselt. Nur auf Marathon-Mann Vitinha, der sowohl gegen ManCity als auch gegen Barcelona traf, kann oder will Trainer Enrique nur selten verzichten.
Selbstverständlich kann niemand PSG eine überragende Qualität im Kader und auch im System von Luis Enrique absprechen. Doch machen in Duellen zwischen Teams der absoluten Spitzenklasse oft nur wenige Prozente den Unterschied. Und frischere Spieler zu haben, ist da fast so etwas wie eine legale Wettbewerbsverzerrung.
