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ManUnited sorgt für Spektakel – da versöhnen sich gar die Streithähne

Manchester United, ManU FC v AS Roma - UEFA Champions League Matheus Cunha of Manchester United FC celebrates after scoring a goal during the UEFA Champions League 2026/27 league phase football match  ...
Nach seinem Tor brechen in Manchester alle Dämme: Matheus Cunha schoss United mit einem Doppelpack zum Sieg.Bild: www.imago-images.de

«Football, bloody hell!»: Bei ManUnited versöhnen sich nun sogar die grossen Streithähne

Manchester United drohte das zehnte sieglose Spiel in Folge. Zur Pause lagen die Red Devils gegen die AS Roma 0:2 zurück – doch dann erwachte das Old Trafford, wie Bruno Fernandes später sagte. Und plötzlich herrscht wieder Friede, Freude, Eierkuchen zwischen Captain und Trainer Michael Carrick.
04.11.2026, 11:5404.11.2026, 11:54

Nach der legendären Wende im Champions-League-Final von seinem Manchester United gegen Bayern München im Jahr 1999 sagte Trainer Sir Alex Ferguson die berühmten Worte: «Football, bloody hell!»

Ganz so verrückt wie damals, als die Red Devils einen 0:1-Rückstand in der Nachspielzeit gedreht haben, war es am gestrigen Dienstagabend zwar nicht – die Bedeutung des 3:2-Siegs gegen die AS Roma nach 0:2-Rückstand ist aber dennoch nicht zu unterschätzen.

Denn die Stimmung bei den Fans drohte einen neuen Tiefpunkt zu erreichen, als die Gäste schon nach 17 Minuten einen 2-Tore-Vorsprung herstellten. Die Zuschauerinnen und Zuschauer protestierten mit dem Wurf von Tennisbällen aufs Feld gegen die Besitzerfamilie des Klubs. Begleitet wurden die Proteste von Rufen wie «Wir wollen die Glazers weghaben» oder «Verkauft United und verpisst euch».

Doch auch die Spieler bekamen die Wut der Fans einmal mehr zu spüren. Mit dem Halbzeitpfiff brach im Old Trafford ein lautes Buh- und Pfeifkonzert aus. Das Ende von Trainer Michael Carrick schien nun endgültig kurz bevorzustehen.

Wiederholter Penalty als Startschuss

Dieses Mal nahm das Spiel nach der Pause aber nicht den zuletzt gewohnten Verlauf. Anders als in den sehr schwachen zweiten Halbzeiten gegen Como, Bournemouth und Chelsea hatten Carrick und sein Team dieses Mal eine Antwort bereit. Seinen Anfang nahm die Wende mit einem Penalty von Captain Bruno Fernandes in der 58. Minute. Und auch hier gab es ordentlich Drama.

Der Portugiese scheiterte erst nämlich noch an Roma-Goalie Devis Vasquez, doch wurde der Penalty wiederholt, weil Verteidiger Bryan Cristante etwas zu früh in den Strafraum gerannt war und anschliessend klärte. Beim zweiten Versuch gab sich Fernandes keine Blösse und verkürzte auf 1:2. In der Folge spielte eigentlich nur noch Manchester United, dauerte es aber weitere 25 Minuten, bis erneut grosser Jubel ausbrach.

Matheus Cunha profitierte bei einer Flanke von Fernandes von einem Luftloch von Leonardo Balerdi und schob alleine vor dem Goalie stehend souverän zum Ausgleich ein. Doch der Brasilianer war noch nicht fertig. Nicht einmal drei Minuten später nahm er einen Pass von Shea Lacey im Lauf mit und hämmerte den Ball mit dem zweiten Kontakt aus spitzem Winkel via Innenpfosten sensationell ins kurze Eck. Nun gab es für Cunha kein Halten mehr.

Ex-Sittener springt beim Jubel in die Fans

Der 27-Jährige, der einst beim FC Sion seinen ersten Profivertrag erhielt, entledigte sich seines Trikots und sprang über die Absperrung in die feiernden United-Fans. «Das war etwas zu viel Brasilien», lachte er danach bei CBS Sports und fügte an: «Ich wusste erst nicht, ob es Fans der Roma oder von uns waren. Aber ich bin glücklich, weil sie mich gefeiert haben. Es war ein sehr schöner Moment.» Cunha sah für den Jubel die Gelbe Karte – was ihm später noch zum Verhängnis wurde.

In der 91. Minute flog der Stürmer nach einem Foul nämlich mit Gelb-Rot vom Platz. Nach dem Spiel geriet er deshalb kurz mit Trainer Michael Carrick aneinander, weil dieser ihn beim Jubeln vom Feld schickte. Dies hätte nämlich weitere Konsequenzen zur Folge gehabt. «Ich war etwas enttäuscht, wie es geendet hat», sagte Carrick nach dem Spiel über Cunha, fügte aber an: «Aber es zeigt nur, wie viel ihm das bedeutet und was er bereit ist, für den Erfolg zu tun!»

Carrick herzt seine Spieler – nur mit Cunha gerät er kurz aneinander, weil er diesen vom Feld schicken muss.

Auch Matheus Cunha war wenig später schon wieder positiver Dinge. «In der zweiten Halbzeit haben wir ein echtes ManUnited-Team gesehen», schwärmte er: «Eines mit viel Leidenschaft, das alles für den Sieg gibt.» Fernandes erklärte, dass auch die Fans eine Rolle gespielt hätten. «Ihr Support bedeutet uns viel. Heute ist das Old Trafford erwacht und das haben wir den Gegner spüren lassen.»

Captain Fernandes bezichtigt Medien der Lügen

Für Trainer Carrick war der Erfolg wohl besonders wichtig. Gelingt es ihm nach der spektakulären Wende in der Champions League, sein Team auch am Wochenende gegen Aston Villa zum Sieg zu führen, könnte er seinen Job doch noch verteidigen. Zuletzt wurde spekuliert, dass die Verantwortlichen in Manchester bis zur Länderspielpause nach diesem Wochenende mit einer Entlassung warten wollen würden. Erleichterung habe der 45-Jährige deshalb aber nicht gespürt. «Ich habe mich einfach aufrichtig für die Spieler gefreut», sagte Carrick nach dem Spiel. «Ich weiss, wie sehr ihnen das am Herzen liegt.»

Auch Captain Bruno Fernandes verneinte, als er bei Prime gefragt wurde, ob das Team den Trainer gerettet habe. «Wir müssen niemandes Job retten», sagte der Portugiese und fügte auf die Bemerkung, dass Carrick den Sieg gebraucht habe, an: «Der Klub hat den Sieg gebraucht, wir Spieler und auch der Staff haben diesen gebraucht. Wir arbeiten so hart, um aus dieser Situation zu kommen.»

Die Highlights der Partie.Video: YouTube/blue Sport

Die Beziehung zwischen Fernandes und Carrick stand zuletzt im Scheinwerferlicht, weil der Spielmacher die Taktik des Trainers nach der 1:4-Klatsche in Como vor zwei Wochen harsch kritisiert hatte. Im Spiel darauf sass Fernandes nur auf der Bank, danach kehrte er aber wieder in die Startformation zurück.

Es habe viele Spekulationen und Lügen in den Medien gegeben über die Vorkommnisse im Klub und zwischen ihm und dem Trainer, stellte Fernandes klar. «Der Trainer hat entschieden, mich auf die Bank zu setzen, weil ich keine guten Leistungen gezeigt habe. Das war völlig okay.» Sollte es eine Strafe für seine öffentliche Kritik gewesen sein, wäre es richtig gewesen, findet der 32-Jährige. «Der Trainer trifft die Entscheidungen und ich muss diese akzeptieren und damit umgehen. Das ändert nichts an meinem Vertrauen in den Trainer, den Staff und jeden Spieler in diesem Klub», so Fernandes.

Schon kurz nach Abpfiff hatten Carrick und Fernandes sich auf dem Feld umarmt und den Sieg zusammen gefeiert. Sollte es zwischen den beiden also wirklich persönliche Differenzen gegeben haben, scheinen diese ausgeräumt. Nun blickt Manchester United nach vorne. Denn das Ziel bleibt laut Bruno Fernandes klar: «Wir wollen jedes verdammte Spiel gewinnen!»

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