FIFA beantwortet UEFA-Fragen nicht – und zeigt Dokumente zu WM-Plänen nur eingeschränkt
FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström informierte die Ratsmitglieder am Montag in einem Brief, wenige Stunden bevor eine Frist der UEFA ablief. Die Unterlagen können demnach nur persönlich am Hauptsitz in Zürich eingesehen werden, unter strengen Vertraulichkeitsregeln. Welche Dokumente genau zugänglich sind, ist unklar.
Wie streng diese Regeln sind, zeigt ein Bericht von The Times: Laut des Sportreporters Martyn Ziegler rechnen die Council-Mitglieder damit, für die Akteneinsicht ihre Handys abgeben zu müssen.
FIFA council members expect to have to surrender phones to comply with "strict protocols" to maintain confidentiality if they want to view "key" World Cup sell-off documents in person. FIFA has yet to say who decides what the "key doucments" are. https://t.co/nXCHcmEXLM
— Martyn Ziegler (@martynziegler) November 2, 2026
Anmelden müssen sich die Mitglieder laut The Guardian bis am 16. November. Das ist zwei Tage vor Ablauf der Frist für Kandidaturen bei der FIFA-Präsidentenwahl im kommenden März. Mindestens ein Mitglied will das Angebot nutzen: Debbie Hewitt, Chefin des englischen Verbandes und FIFA-Vizepräsidentin. Sie hatte Infantino zuletzt mangelnde Transparenz vorgeworfen.
Was ist die «FIFA Forward Enterprise»?
Infantino wollte eine Firma gründen, welche die kommerziellen Rechte an der WM und weiteren FIFA-Wettbewerben vermarktet. Private Investoren hätten eine Minderheitsbeteiligung erhalten, bewertet wurde das Unternehmen mit 20 Milliarden Dollar. Im August wurde der Plan aufgegeben, nachdem drei Kontinentalverbände ihn abgelehnt und die UEFA mit einem Boykott gedroht hatten. An der Council-Sitzung im Oktober entschuldigte sich Infantino, erklärte laut BBC aber nicht, wie der Plan zustande gekommen war. Stattdessen bat er darum, Fragen schriftlich einzureichen.
Die UEFA will Antworten und zwar sofort
Die UEFA reagierte am 19. Oktober mit einem achtseitigen Fragenkatalog und setzte eine Frist von zwei Wochen, wie The Guardian berichtet. Neben dem Investorenplan geht es um die Finanzierung der Nationalverbände, den FIFA-Friedenspreis für Donald Trump, die Beziehung Infantinos zum US-Präsidenten und die auf Bewährung ausgesetzte Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun während der WM.
Die Gründe und das Vorgehen Infantinos in Bezug auf diese Entscheide blieb undurchsichtig, was die UEFA in ihrem Brief, aus dem die BBC zitiert, bemängelt. Die FIFA hält die Frist für nicht machbar. Der Katalog enthalte deutlich mehr Fragen als erwartet, schrieb Grafström in seinem Brief. Eine Antwort werde ausgearbeitet und dem Council zugestellt.
Der Streit landet vor Gericht
Der Konflikt ist längst juristisch. Die UEFA beantragte die Herausgabe von Dokumenten zum Investorenplan bei vier Gerichten in den USA. Ziel sei eine mögliche Strafanzeige in der Schweiz wegen finanzieller Misswirtschaft. Die FIFA wirft der UEFA «Belästigung» und Falschinformation vor und bestreitet jegliches Fehlverhalten von FIFA-Präsident Infantino.
Im März will sich Infantino für eine weitere Amtszeit wählen lassen. Seine Unterstützer sind derzeit in der Mehrheit, sowohl die afrikanischen als auch die arabischen Verbände haben ihm im letzten Monat den Rücken gestärkt. Die Gegner kommen vor allem aus Europa, noch bis am 18. November haben die UEFA und ihre Verbündeten Zeit, einen Gegenkandidaten zu präsentieren. (car)
