Ein Mann auf einer Mission: Nach dem Nati-Rücktritt hat Ronaldo ein allerletztes Ziel
Die Spekulation über eine Rückkehr von Cristiano Ronaldo war gross, doch er wartete nicht ab, bis Nationaltrainer Jorge Jesus heute sein nächstes Aufgebot bekannt geben wird. Gestern Donnerstag verabschiedete sich der Superstar in einem fünfminütigen Video aus der portugiesischen Nationalmannschaft. Darin gibt er das Trikot mit der Nummer 7 zurück. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, solche Entscheide treffe man nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen, sagte Ronaldo.
Ausgerechnet der Rekordtorschütze dämpfte in seinem Abschied die Bedeutung von Toren. Tore würden vergehen, Pokale in Museen landen und Rekorde irgendwann gebrochen, sagte Ronaldo. Was bleibe, sei der Platz in den Herzen der Menschen. Einen Moment nehme er für immer mit: jenen, in dem die Nationalhymne erklingt, die Ränge mitsingen und für ein paar Minuten nur noch Portugal zählt.
146 Tore für die Ewigkeit
Seine Rekorde dürften trotzdem noch lange halten. Mit 146 Treffern ist Ronaldo nicht nur Portugals Rekordtorschütze, sondern hält den Weltrekord für Länderspieltore. Dazu kommen die Rekorde für die meisten EM-Endrunden, EM-Spiele und EM-Tore.
Viele seiner Tore haben Geschichte geschrieben: der Hattrick in den WM-Playoffs 2013 in Stockholm, mit dem er Portugal an die WM 2014 schoss oder das 3:3 gegen Spanien an der WM 2018, bei dem er alle drei Tore erzielte, das letzte per Freistoss kurz vor Schluss. Natürlich aus Schweizer Sicht sehr schmerzhaft: sein Hattrick beim 3:1 im Nations-League-Halbfinal 2019, welches die Portugiesen in den Final brachte, wo sie schlussendlich auch den ersten Nations-League-Titel gewannen. Mit Portugal gewann er, im Final verletzt ausgeschieden, den EM-Titel 2016 und 2025 ein zweites Mal die Nations League.
Ein Abschied mit Beigeschmack
Und doch bleibt ein Gefühl, dass dieser Abschied anders hätte aussehen können. Seit dem Streit mit Jorge Jesus im September, als Ronaldo nach einem Nicht-Einsatz gegen Norwegen das Training verweigerte, war das Verhältnis verkracht. Laut portugiesischen Medienberichten soll Ronaldo zwar Verbandspräsident Pedro Proença über seinen Rücktritt informiert haben, nicht aber den Nationaltrainer.
Jesus sagte gegenüber Canal 11, er habe die Entscheidung akzeptieren müssen. Für die portugiesische Nationalmannschaft werde Ronaldo stets ein Vorbild bleiben: «Im Auditorium habe ich ein grosses Bild von ihm aufhängen lassen, damit alle jungen Spieler und Kollegen ihn dort als Vorbild vor Augen haben.»
Ronaldo hat nach so vielen Spielen, Toren und Titeln mit der Nationalmannschaft eher den Hinterausgang gewählt. Vielleicht hat er nicht bemerkt, dass die Jahre nicht nur an den anderen vorbeigegangen sind, sondern auch an ihm.
Der Verband will Ronaldo trotzdem würdig verabschieden. Die FPF kündigte eine Ehrung «auf der Höhe seiner immensen Karriere» an, bei der die Fans ihm noch einmal applaudieren können. Ob es ein Abschiedsspiel wird und ob Ronaldo mitmacht, ist offen.
Die letzte grosse Jagd
Die Nummer 7 der Seleção gibt Ronaldo ab, seinen Torhunger nicht. Mit Al-Nassr jagt er den Meilenstein, der seine Karriere krönen soll: 1000 Pflichtspieltore. Aktuell steht er bei 985 Treffern, es fehlen also noch 15. In der Saudi Pro League, der asiatischen Champions League und den nationalen Cups bleiben ihm in dieser Saison wohl noch rund 30 Gelegenheiten. Ronaldo wäre er der erste Spieler in der Geschichte, der die 1000er-Marke offiziell knackt.
Der Mann, der sagt, Rekorde würden irgendwann wieder gebrochen werden, will noch einen aufstellen. Und dieser soll für die Ewigkeit sein. Und danach? Sein Vertrag läuft bei Alnassr noch bis Sommer 2027. Vielleicht folgt dann mit 42 Jahren der endgültige Abschied.
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