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Ein Kommentar zum Abgang von Cristiano Ronaldo aus dem Nati-Camp

FILE - Portugal's Cristiano Ronaldo waves following the World Cup Group K soccer match between Colombia and Portugal in Miami Gardens, Fla., Saturday, June 27, 2026. (AP Photo/Rebecca Blackwell,  ...
Bild: keystone
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Oh Ronaldo, Ronaldo …

Jorge Jesus hat mit seiner kompromisslosen Linie gegenüber Cristiano Ronaldo sportlich wohl recht – trotzdem hinterlässt der Abgang des Superstars ein ungutes Gefühl. Ein Kommentar zum Eklat um Portugals Starspieler.
03.10.2026, 14:5503.10.2026, 14:55

Was für eine Karriere. Portugals Rekordspieler, fünf Ballon d'Or, fünf Champions-League-Titel, Meistertitel in drei Ländern, über 900 Pflichtspieltore in seiner Karriere und dazu 2016 der erste grosse Titel für Portugal überhaupt. So viele unvergessliche Momente mit ihm, ein ganzes Land hat immer hinter ihm gestanden. Und jetzt das: Nach einer Pressekonferenz von Nationaltrainer Jorge Jesus und einem Gespräch mit dem Verbandspräsidenten Pedro Proença verlässt der Rekordspieler das Nationalteam-Camp. Über einen Instagrambeitrag meldet sich der Star mit der Ankündigung, die Wahrheit «zu gegebener Zeit» nachzuliefern.

Portugal ist seither gespalten. Die einen hassen und verfluchen Jorge Jesus und stehen komplett hinter Cristiano Ronaldo. Die anderen feiern den neuen Nationaltrainer und sehen in Ronaldo bloss einen alternden Star, der sich mit seinem Status über die Mannschaft stellt. Und mittendrin eine Nationalmannschaft, die unter Jesus bisher zwei Siege geholt hat und spielerisch aufblüht.

Was Jesus tat – und warum es nachvollziehbar ist

Schauen wir uns nochmals die Situation an: Ronaldo sass im zweiten Spiel der Nations League gegen Norwegen 90 Minuten auf der Bank, wurde zum Aufwärmen geschickt, aber nie eingewechselt. Jesus erklärte danach, er kenne Ronaldos körperliche Verfassung aus der gemeinsamen Zeit in Saudi-Arabien genau. Vor dem Dänemark-Spiel doppelte er nach: «Der Status verleiht keine Rechte.» Fast ironisch mutet rückblickend seine Aussage an, ein Spieler auf Nationalteam-Niveau verweigere sich dem Training nur, wenn er weg wolle. Kurz darauf war Ronaldo tatsächlich weg.

Ich finde diese Haltung grundsätzlich richtig. Ein Fussballer auf diesem Niveau sollte auch mal 30 Minuten umsonst einlaufen und am Ende nicht eingewechselt werden, ohne dass daraus gleich ein nationales Beben wird. Genau das ist aber passiert – und das bringt mich zur eigentlichen Frage, die mich an dieser ganzen Geschichte am meisten beschäftigt.

Wäre so etwas auch mit Lionel Messi passiert?

Ich glaube nicht. Nicht, weil Messi der bessere Mensch wäre oder weniger Ego hätte, sondern weil die Beziehung zwischen Argentinien und seinem Superstar eine fundamental andere ist als jene zwischen Portugal und Ronaldo. Messi wurde selbst in schwierigen Phasen seiner Nationalmannschaftskarriere – man denke an seinen kurzzeitigen Rücktritt nach dem verlorenen Copa-America-Final 2016 – von Verband, Trainern und Öffentlichkeit praktisch bedingungslos aufgefangen und zurückgeholt. Ein Trainer, der öffentlich erklärt «der Status verleiht keine Rechte» und ihn dann demonstrativ 90 Minuten auf der Bank lässt? Schwer vorstellbar. Das wäre in Argentinien wohl als Schande für den Verband interpretiert worden, nicht als eine legitime sportliche Entscheidung.

Das sagt natürlich nichts Schlechtes über Jorge Jesus oder den portugiesischen Verband. Im Gegenteil: Es zeigt, dass man in Portugal offenbar bereit ist, auch die grösste Ikone der eigenen Fussballgeschichte wie einen «normalen» Spieler zu behandeln – mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt. Ob das am Ende der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Sportlich spricht einiges dafür: Die junge Mannschaft spielt bisher mitreissenden Fussball, ganz ohne Rücksicht auf die alten Nati-Träger.

Ein nachvollziehbares Prinzip – mit hohem Preis

Der Abgang macht mir trotzdem zu schaffen. Einerseits ist Ronaldo für mich eine Ikone des Fussballs. Andererseits haben ihn so viele Portugiesen jahrelang verteidigt, jeden Vorwurf der Arroganz weggewischt – und nun stellt er sich selber vor die Nationalmannschaft. Ob er zurückkehrt, ist offen: Einen Rücktritt hat er nicht erklärt, seine Zukunft im Nationalteam bleibt unklar.

Vielleicht ist das am Ende die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Das Prinzip von Jorge Jesus mag sportlich absolut richtig sein. Aber anders als bei Messi und Argentinien gibt es in Portugal offenbar niemanden, der bereit ist, diesen Grundsatz für den grössten Spieler der eigenen Geschichte zu brechen – selbst wenn es bedeutet, ihn am Ende ganz zu verlieren. Einen solchen Abgang aus der Nationalmannschaft fände ich dennoch ohnehin unglaublich traurig.

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Die Karriere von Cristiano Ronaldo
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Die Karriere von Cristiano Ronaldo
2002 stieg Cristiano Ronaldo als 17-Jähriger in den Profifussball ein. In seiner ersten Saison bei Sporting Lissabon erzielte er in 25 Spielen drei Treffer und machte die Scouts aus England aufmerksam. Am Ende der Spielzeit wechselte er zu Manchester United.
quelle: epa lusa / andre kosters
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