Hochnebel
DE | FR
44
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sport
Eismeister Zaugg

Eishockey: Zug, ZSC, 2 Thesen und der Tanz auf der Rasierklinge

Die Spieler der ZSC Lions feiern den 3-2 Sieg nach dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug am Montag, 23. Januar 2023, in Zuerich. (KEYSTONE/Patrick ...
3:2 gegen Zug: Die Niederlagenserie der ZSC Lions endet nach sechs Spielen.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Zug, die ZSC Lions, zwei Thesen und der Tanz auf der Rasierklinge

Das Krisenspektakel muss warten. Vielleicht ist es sogar abgewendet. Die ZSC Lions gewinnen nach sechs Niederlagen hintereinander wieder ein Spiel. Ob das 3:2 gegen Meister Zug ein Wendepunkt ist, wird sich schon am Mittwoch zeigen. Beim Derby gegen Kloten.
24.01.2023, 06:3924.01.2023, 15:03
Folge mir

Wer den Trainer wechselt, muss wissen, warum, und eine These haben, um den Chefwechsel begründen und an die Richtigkeit dieses Schrittes glauben zu können. Wer den Trainer wechselt, muss also wissen, was nicht gut war und was besser werden muss.

Die ZSC Lions haben Rikard Grönborg am 28. Dezember durch Marc Crawford ersetzt und die Position des neuen Cheftrainers gleich mit einem Vertrag bis zum Ende der übernächsten Saison (2025) betoniert.

Statistisch hat der Trainerwechsel noch keine Wirkung gezeigt. Vor seiner Entlassung hat Rikard Grönborg immerhin 4 seiner letzten 9 Partien gewonnen. Sein Nachfolger Marc Crawford ist es mit dem 3:2 gegen Zug gelungen, eine Serie von sechs Niederlagen zu beenden. Er hat nun in 3 seiner ersten 9 Spiele triumphiert.

ZSC Coach Marc Crawford beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano in der Swiss Life Arena in Zuerich am Samstag, 21. Januar 2023. (KEYSTONE/Walter ...
Noch ist seine Arbeit an der Bande nicht von Erfolg gekrönt: Marc Crawford.Bild: keystone

Ohne These zur Trainerentlassung würden die ZSC Lions unter ihrem neuen Trainer ziemlich ratlos durch die Meisterschaft taumeln. Gott sei Dank gibt es eine These. Die geht so:

Trainer Rikard Grönborg ist zwar mit Schweden Doppel-Weltmeister geworden (2017 und 2018). Er kann Hockey. Aber er war nie Spitzenspieler und er hat, bevor er nach Zürich gekommen ist, als Trainer nie ein Profiteam während einer ganzen Saison betreut. Als Nationalcoach führte er die Spieler nur für eine kurze Zeit. Um Ausbildung, Kondition und Intensität musste er sich nie kümmern. Das war Sache der Klubtrainer. Er weiss also nicht, wie durch tagtägliches Training über eine ganze Saison Intensität aufgebaut wird und Spieler besser gemacht werden. Deshalb fehlten den Spielern zuletzt die Energie, dem ZSC-Spiel die Intensität und die Gesamtentwicklung des Teams sei negativ gewesen. Auf gute, fachliche Ratschläge habe Rikard Grönborg nicht hören wollen. Also sei nur die Entlassung geblieben.

Ist das so? In der ersten Saison gewannen die Zürcher unter dem charismatischen Schweden die Qualifikation (2019/20). Wenn die Playoffs nicht der Pandemie zum Opfer gefallen wären, hätten sie wohl den Titel geholt. In der zweiten Saison haben die ZSC Lions die wichtigen Spiele verloren. Sie sind im Halbfinal 2021 gegen Servette sieglos ausgeschieden und der Cupfinal 2021 ging im Hallenstadion gegen den SC Bern verloren. In der letzten Saison fehlte ein einziger Sieg zum Titel. Im Rückblick erkennen wir: Die Niederlage im 7. Finalspiel in Zug (1:3) am 1. Mai 2022 ist der Anfang vom Ende der Amtszeit von Rikard Grönborg.

ARCHIVBILD ZUM TRAINERWECHSEL BEI DEN ZSC LIONS --- Headcoach Rikard Groenborg trainiert die Mannschaft im ersten Eistraining der ZSC Lions in der Swiss Life Arena am Dienstag, 6. September 2022 in Zu ...
Rikard Grönborg (r.). Bild: keystone

Den Schwefelgeruch dieser Niederlage hat er nicht mehr aus den Kleidern gebracht. Etwas boshaft können wir es so sagen: Die sportliche Führung hat seit dieser Niederlage auf den richtigen Zeitpunkt der Entlassung gewartet, ja diesen Zeitpunkt herbeigesehnt. Das ist nun wahrlich boshaft und ebenfalls eine These, für die wir den Wahrheitsbeweis nicht erbringen können.

Die Intensitäts- und Energiethese ermöglicht den Glauben an die Richtigkeit des Trainerwechsels. Eine These ist ein Gedanke, eine Behauptung und der Wahrheitsinhalt bedarf eines Beweises. Statistisch ist dieser Beweis nach wie vor nicht erbracht. Nach der 2:6-Niederlage am 23. Dezember in Ambri, die dem Schweden den Job gekostet hat, stehen die ZSC Lions auf Rang 3 mit 9 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Servette. Nun beträgt auf Platz 4 die Differenz zu Leader Servette 14 Punkte. Der Trainerwechsel hat statistisch in gut drei Wochen noch keine Wirkung gezeigt.

Trainer Marc Crawford ist kein Anhänger dieser Intensitäts- und Energiethese. Muss er auch nicht sein. Es ist ja nicht seine Aufgabe, den Trainerwechsel zu begründen oder sich überhaupt damit zu befassen. Er sagt, nach einem Wechsel brauche es einfach Zeit. Was er beim 3:2 gegen Zug gesehen hat, stimmt ihn zuversichtlich. Im Kern sieht er das Problem bei der vorangegangenen Niederlagenserie in zu vielen Puckverlusten, zu vielen verlorenen Zweikämpfen. Zu viele kleine Dinge sind nicht richtig gemacht worden.

Den Meister haben die ZSC Lions auch deshalb 3:2 besiegt, weil sie mehr «Battles» um den Puck gewonnen haben. Es ist ein Sieg der stärkeren Leidenschaft, der grösseren Intensität, der Kampfkraft und des Willens. Und des Torhüters. Simon Hrubec (90,48 Prozent Fangquote) war nicht nur statistisch besser als Leonardo Genoni (86,96 Prozent). Marc Crawford sagt, in der zweiten Pause seien die Leader in der Kabine aufgestanden und hätten die richtigen Worte gefunden. Die Mannschaft habe Charakterstärke gezeigt.

Der Sieg gegen den Meister hat sogar oben auf der Mediengalerie für Aufregung gesorgt. Ein Chronist ist während einer aufregenden Phase des Spiels aus seinem Stuhl gefallen. Aber nicht, weil ihn das Spektakel auf dem Eis unten vom Stuhl gehauen hätte. Er hat sich bloss bei einem angeregten Fachgespräch zu weit zurückgelehnt. Das Spiel der ZSC Lions hat aufs Vortrefflichste unterhalten. Aber die Kenner noch nicht von den Sitzen gerissen.

Alles in allem verdanken die ZSC Lions also diesen Sieg tatsächlich zu einem erheblichen Teil exakt den Faktoren (Intensität, Leidenschaft, Charakter, Wille), die zuletzt unter Rikard Grönborg gefehlt haben. Das reicht noch nicht für den Wahrheitsbeweis der These, mit der die Trainerentlassung begründet wird. Aber immerhin ist es ein erstes Teilchen in diesem ZSC-Wahrheitspuzzle. Schon am Mittwoch müssen Marc Crawfords Männer im Derby gegen Kloten zum nächsten Wahrheitsbeweis antreten. Unter Rikard Grönborg haben die ZSC Lions diese Saison ein Derby verloren (1:2 in Kloten) und eines auf eigenem Eis gewonnen (3:1).

Zug verharrt nach dieser Niederlage weiterhin auf dem 9. Rang. Wenn der Titelverteidiger 14 Partien vor Qualifikationsschluss 23 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer hat, dann wäre das ein statistischer Grund für einen Trainerwechsel. Aber so wie die sportliche Führung in Zürich alle Zeichen so gedeutet hat, dass es Zeit ist, den Trainer zu wechseln, so interpretieren die Zuger alle Zeichen so, dass ein Trainerwechsel nicht notwendig ist.

EV Zug Cheftrainer Dan Tangnes auf dem Weg in die Pause waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug am Montag, 23. Januar 2023, in Zuerich. (KE ...
Geniesst in Zug uneingeschränktes Vertrauen: Trainer Dan Tangnes.Bild: keystone

Diese Haltung ist wahrlich verständlich. Zug hat den Vertrag mit Dan Tangnes im Dezember vorzeitig bis 2026 verlängert und eine NHL-Ausstiegsklausel gewährt. Der Norweger hat in den letzten zwei Jahren auf nationaler Ebene alle wichtigen Partien gewonnen und den Zugern zwei Titel beschert (2021, 2022). Da ist die Reaktion auf ungenügende Resultate nicht ein Trainerwechsel. Sondern eine Vertragsverlängerung. Ein Signal an alle, dass der Trainer uneingeschränktes Vertrauen geniesst.

Um an die Richtigkeit dieser Vertragsverlängerung zu glauben, ist ebenfalls eine These erforderlich. Die ist schneller erklärt als jene der ZSC Lions. Die Zuger sind ganz einfach davon überzeugt, dass sie gut genug sind, um die Spiele, die wirklich zählen – also in den Playoffs –, zu gewinnen. Dieses Urvertrauen durchzieht die ganze Organisation und wird auch durch die montägliche 2:3-Niederlage in Zürich nicht im Geringsten erschüttert. Der Grat zwischen dem für den Gewinn einer Meisterschaft erforderlichen Selbstvertrauen und Selbstüberschätzung ist allerdings schmal wie eine Rasierklinge. Mit einer Vorliebe für blumige Formulierungen und Zuspitzungen können wir sagen: Die Zuger tanzen auf einer Rasierklinge.

Gegen Tampere blieb Zug den Beweis, die wichtigen Partien gewinnen zu können, schuldig.Video: YouTube/Champions Hockey League

Den Beweis für die Richtigkeit ihrer These haben sie diese Saison noch nicht erbracht. Beim ersten wahren Test sind sie gescheitert. Sie waren nicht gut genug, um im Halbfinal gegen Tappara Tampere den Final der Champions Hockey League zu erreichen. Obwohl im Rückspiel die beste Partie der Saison gelang. Der Gewinn des paneuropäischen Wettbewerbes war eines der Saisonziele.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die besten Bilder der Australian Open 2023

1 / 60
Die besten Bilder der Australian Open 2023
quelle: keystone / fazry ismail
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Pitbull «Monty» hörte nicht auf Frauchen – dann fand sie heraus, warum

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

44 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
ursus3000
24.01.2023 07:12registriert Juni 2015
Eine vorzeitige Vertragsverlängerung muss nichts heissen. Das war schon öfters der Anfang vom Ende (SCB)
241
Melden
Zum Kommentar
avatar
Pius79
24.01.2023 07:42registriert September 2020
Nein - Meister werden wir in dieser Saison nicht!
233
Melden
Zum Kommentar
avatar
uicked
24.01.2023 09:01registriert Oktober 2017
Können wir noch über die "lächerliche" Strafe an S.Bodenmann diskutieren und warum solche Strafen schweizer Spieler international schwächer machen.
249
Melden
Zum Kommentar
44
Simon Bodenmann oder ein «Dreisatz» zur Karriere-Fortsetzung
Simon Bodenmann ist ein Musterprofi, der das Tor trifft und die neue Marktsituation in unserem Hockey personifiziert. In Zeiten von sechs Ausländern hat es selbst ein guter Schweizer Stürmer (diese Saison schon 12 Tore) nicht mehr so leicht, den passenden Arbeitgeber zu finden.

Sein Vertrag läuft Ende Saison aus. Noch vor drei Jahren hätte Simon Bodenmann (35) den Arbeitgeber aussuchen können. Inklusive einer schönen und verdienten Lohnerhöhung für den Karriere-Herbst. Doch nun bringt der «Tages Anzeiger» seine Situation mit einem Satz auf den Punkt: «Verflixte Jobsuche: Der Unerwünschte – Bodenmann stemmt sich gegen sein Karriereende.»

Zur Story