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Für seine zwei Fehler wird Sandro Aeschlimann von den Teamkollegen getröstet.
Für seine zwei Fehler wird Sandro Aeschlimann von den Teamkollegen getröstet.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

«Pausenplatz-Hockey» und das Debüt für den nächsten Martin Gerber

Beste Unterhaltung und eine Lektion, für die Nationaltrainer Patrick Fischer tief in seiner Hockey-Seele sogar dankbar ist. Die Schweiz gewinnt gegen Kasachstan nur 3:2, bleibt aber dennoch auf Viertelfinalkurs.
18.05.2022, 00:0818.05.2022, 13:52

Nostalgie pur. Da kommt nach dem Spiel ein verschwitzter Goalie mit der Nummer 26 (wie einst Martin Gerber) und spricht breitestes Emmentaler-Berndeutsch (wie einst Martin Gerber), um über sein Abenteuer zu berichten. Martin Gerber hat für die Schweiz 46 WM-Partien (inkl. den Final von 2013) bestritten und ist in der NHL Stanley-Cup-Sieger und Dollar-Millionär geworden.

Sandro Aeschlimann (27) hat sechs Jahre, nachdem er eigentlich mit dem Hockey aufhören wollte, nun gegen Kasachstan sein erstes WM-Spiel bestritten. Unter denkbar heiklen Voraussetzungen: Gegen Kasachstan ist allenthalben ein Sieg erwartet worden und mit wildem «Pausenplatz-Hockey» sind seine Vorderleute gegen diesen «Operetten-Gegner» sorglos vorwärtsgestürmt. Trotz himmelhoher Überlegenheit (43:14 Torschüsse) kommen die Schweizer nie ganz aus dem Zittern heraus und gewinnen schliesslich bloss 3:2.

Grund für das knappe Resultat sind nebst fahrlässigem Umgang mit Torchancen zwei Gegentreffer (der erste gar in Überzahl), an denen Sandro Aeschlimann nicht ganz unschuldig ist. Was er auch so sieht: «Fehler gehören zum Hockey, sonst würden ja alle Spiele 0:0 enden. Ich nehme lieber einen haltbaren Treffer hin, wenn wir ein Spiel trotzdem gewinnen …»

Verunsichern lässt er sich sowieso nicht. Wie Martin Gerber ist er eine Kämpfernatur mit der DNA eines Ur-Emmentalers. Als er in Langnau nicht einmal mehr bei den Junioren als tauglich eingestuft wurde, spielte er zwei Jahre in Österreich und drei in Nordamerika im Junioren- und Universitätshockey.

Nach seiner Rückkehr bekam er 2016 eine Chance in Zugs Farmteam. Fabio Kläy, der Bruder von Zugs Sportchef Reto Kläy, gehört zu seinen besten Kollegen. «So hörte ich vom Farmteamprojekt in Zug. Ich wollte meinen Bubentraum einfach nicht aufgeben und probierte es in Zug noch einmal. Damals habe ich nicht gedacht, dass ich sechs Jahre später zu meinem ersten WM-Spiel komme.»

Im Sommer 2019 zügelte Sandro Aeschlimann nach Davos. In Zug hatte er keine Chance. Und so ist er nun die Nummer 1 in Davos und die Nummer 3 der Schweiz in Helsinki. Vorerst die Nummer 3. Denn die zwei Titanen Leonardo Genoni und Reto Berra werden im nächsten Jahr schon 36. Ein Nachfolger wird gesucht.

Nun, der nächste Leonardo Genoni wird der HCD-Goalie vielleicht ja nicht. Aber warum nicht der nächste Martin Gerber? Die Nummer 26 hat Sandro Aeschlimann im Nationalteam nicht wegen «Tinu». «Ich habe hier erst von Andres Ambühl erfahren, dass die 26 Gerbers Nummer war. Ich habe diese Nummer gewählt, weil die 29 schon besetzt ist und weil ich an einem 26. Geburtstag habe.»

Nationaltrainer Patrick Fischer wird tief in seiner Hockey-Seele froh sein um das knappe Resultat. Die Kasachen hatten in den zwei ersten Spielen schon 12 Tore kassiert und nur zwei erzielt. Da konnte der Trainer warnen und mahnen, wie er wollte – diesen Gegner haben die Schweizer nicht ganz ernst genommen. Ein fröhlicher Offensiv-Abend mit lüpfigem «Pausenplatz-Hockey» und defensiver Sorglosigkeit. Und siehe da: Auf einmal wird es knapp. Nun wissen wieder alle: Wir müssen jeden Gegner ernst nehmen.

Dass der unterhaltsame Abend nicht mit einer bösen Überraschung geendet hat, ist der individuellen Klasse der Schweizer zu verdanken. Wir können die Differenz in zwei Szenen erklären: Ein Puck prallt nach einem Weitschuss von Jonas Siegenthaler ab und ist eigentlich schon fast am Tor vorbeigerutscht. Aber der Zauberkünstler Denis Malgin, einer der besten Techniker dieser WM, bringt den Puck doch noch am Pfosten vorbei zum 1:0 ins Netz.

Kurze Zeit später eine ähnliche Szene auf der Gegenseite: Sandro Aeschlimann ist schon hilflos, das Tor offen. Aber Pavel Alkozin kann den Puck, der ihm vor die Füsse prallt, nicht kontrollieren und zum 1:1 über die Linie spedieren. Hätte er getroffen, wären die Schweizer arg ins Wanken geraten. Er ist halt ein Titan (196 cm/102 kg) mit hölzernen Händen und hat diese Saison in 64 KHL-Partien gerade mal 5 Tore und 13 Punkte erzielt. Denis Malgin produzierte diese Saison für die ZSC Lions in 65 Partien 30 Tore und 70 Punkte. Noch Fragen?

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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josoko
18.05.2022 01:32registriert Januar 2021
Dem Team würde ich heute nicht vorwerfen, nicht Zielstrebig genug gewesen zu sein. Kasachstan hatte keinen schlechten Tag gegen die Schweiz. Und eben... Wenn man nicht höllisch auf der Hut ist, passieren Unfälle. Siehe die Tschechen. Es war kein souveränes Spiel, gewonnen wurde es dennoch. Das ist es, was am Ende des Tages zählt.
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DerLauch
18.05.2022 07:01registriert Januar 2019
Sicher kein einfaches Spiel für den Goalie.
Eine gewisse Nervosität war sicher vorhanden beim ersten WM-Spiel. Zudem ist es extrem schwirig als Goalie ins Spiel zu kommen, wenn nur so wenige Schüsse/Aktionen vor dem eigenen Tor stattfinden.
Am Schluss zählt nur der Sieg. Aeschlimann hat in der Meisterschaft und vorallem in den Playoffs gezeigt, dass man auf ihn zählen kann wen es darauf abkommt.
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Lars mit Mars
18.05.2022 07:40registriert März 2020
Wer Wolwo überlebt, den kann nichts erschüttern.

Super, dass Fischi ihm eine Chance gab.
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